20. November 2018, 22:21 Uhr

Handball-Bundesliga

Holger Glandorf: »Das bedeutet noch gar nix« Zwischenruf

20. November 2018, 22:21 Uhr

Ballermann-Hits dröhnten aus der Kabine der Überflieger, in der Arena stießen die Fans der SG Flensburg/Handewitt noch immer glückselig auf ihre Helden an. Doch für Holger Glandorf und Co. war die Party nach der Machtdemonstration im Spitzenspiel gegen die schwer frustrierten Rhein-Neckar Löwen ziemlich schnell wieder beendet. Verfrühten Meisterträumen wollten sich die Dominatoren der Handball-Bundesliga nicht hingeben. »Das war heute überragend«, sagte Glandorf nach dem 27:20-Erfolg gegen die Mannheimer am Montagabend, nach dem 13. Sieg im 13. Saisonspiel: »Das bedeutet für den Titelkampf noch gar nix.« Auch Trainer Maik Machulla strahlte übers ganze Gesicht, betonte aber schnell: »Das wird eine brutal harte Saison.« Und sein Team nimmt dabei eine neue Rolle ein – als Titelkandidat Nummer eins.

Beim späten Meistercoup in der vergangenen Spielzeit schlugen die Flensburger noch überraschend im Schlussspurt zu, als die Löwen plötzlich eine Chance boten. Doch die Kräfteverhältnisse haben sich längst verschoben, gen Norden. Mit 26:0 Punkten marschiert die SG unwiderstehlich vorneweg, es folgen mit respektablem Abstand der SC Magdeburg, der THW Kiel (beide 24:4) und die Löwen (19:5). »Es ist schwer, sich da oben zu verstecken«, sagte Lasse Svan: »Das ist aber auch okay so.«

Vor allem im zweiten Durchgang des Aufeinandertreffens mit dem Pokalsieger ließ Flensburg die Muskeln spielen und kassierte nur noch sechs Gegentore. Der starke Torhüter Benjamin Buric (14 Paraden) bewies einmal mehr, dass Geschäftsführer Dierk Schmäschke den Umbruch seines Teams auf höchstem Niveau gemanagt hat. Die Abgänge von herausragenden Akteuren wie Thomas Mogensen, Kentin Mahe, Mattias Andersson oder Henrik Toft Hansen hat die SG überraschend gut verkraftet. Längst mischen an der Seite der Führungsspieler um Glandorf Profis wie die Norweger Göran Johannessen und Magnus Jöndal oder der Bosnier Buric die Liga auf.

Das bekamen die Löwen schmerzhaft zu spüren, der Meister von 2016 und 2017 verließ den hohen Norden mit einigen Bauchschmerzen. »Wir müssen hart arbeiten, um das Niveau von Flensburg zu erreichen«, sagte Trainer Nikolaj Jacobsen. »In der zweiten Halbzeit war es kein Duell mehr auf Augenhöhe«, meinte Schmid im Gespräch mit dem Mannheimer Morgen.

Entschieden ist das Meisterrennen aber noch lange nicht. Flensburg muss in der Rückrunde gegen seine drei ärgsten Verfolger jeweils auswärts ran und zeigte sich bei bereits fünf Niederlagen in der Champions League verwundbar. Weiter geht es für die SG am Donnerstag (19 Uhr) mit einem Bundesliga-Duell in Gummersbach. Die Löwen müssen bereits Mittwoch (19 Uhr) in der Königsklasse gegen Veszprem ran.

Montag Bundesliga-Gipfel, Mittwoch/Donnerstag Champions League oder Bundesliga-Fortsetzung – wer noch immer der Meinung ist, diese Belastung sei zumutbar, dem ist nicht zu helfen. Dass z. B. die Rhein-Neckar Löwen jeweils auf allerhöchstem Niveau mittwochs in Paris, montags in Flensburg und mittwochs schon wieder gegen Veszprem antreten müssen – und dies in dieser Form gleich mehrfach in einer Saison – ist kaum zu vermitteln. Allenfalls den Schlips- und Funktionsträgern als Totengräber des deutschen Handballsports. (ra)

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