Eintracht-Legende »Charly« Körbel

»Habe Hoeneß gesagt, dass er mich nie bekommt«

In seiner Karriere war Karl-Heinz Körbel Verteidiger. Heute ist der Rekordspieler der Fußball-Bundesliga ein eloquenter Gesprächspartner, der unter anderem über die Frankfurter Eintracht spricht.
22. November 2017, 07:00 Uhr
Unser Mitarbeiter Peter Froese (l.) mit Eintracht-Legende Karl-Heinz »Charly« Körbel. (pv)

Sie können auf eine beeindruckende Karriere im Verein und fast 30 Jahre (1972 bis 1991) als Bundesligaprofi zurückblicken. Wieso hat es bei der A-National-Mannschaft »nur« für sechs Einsätze gereicht?

Karl-Heinz Körbel: Anfang der 70er Jahre gab es eine starke Bayern-Domäne. Franz Beckenbauer hatte großen Einfluss auf Bundestrainer Helmut Schön und scharte die Spieler aus seinem Verein um sich. Mit Ausnahme der Spieler von Borussia Mönchengladbach war es für Fremde schwer, in diesen erlesenen Kreis zu kommen. Im Rückblick bekommt man natürlich Wehmut, dass man keine WM, EM oder Olympischen Spiele mitmachen konnte. Ein Vereinswechsel kam für mich aber nicht infrage. Auch wenn Uli Hoeneß, der schon als junger Spieler sehr geschäftstüchtig war, mich zu den Bayern locken wollte. Ich habe ihm gesagt, dass er mich nie bekommen wird.

Wie bewerten Sie die Arbeit von Joachim Löw, und welche Chancen hat die DFB-Elf bei der Weltmeisterschaft in Russland?

Körbel: Ich habe mit Jogi zusammen bei der Eintracht gespielt. Er kam als Torjäger aus Freiburg und hatte bei uns großes Verletzungspech. Uns verbindet immer noch eine große Freundschaft, und ich schreibe ihm nach jedem Spiel. Er antwortet mir auch meist direkt nach der Pressekonferenz. Jogi hat eine starke Elf geformt, ohne dabei seinen Weg zu verlassen. Ihm ist die U21 wichtig – und er gibt dem Nachwuchs immer eine Chance. Bei der WM brauchst du natürlich das nötige Quäntchen Glück. Die Qualität zur Titelverteidigung ist auf alle Fälle da.

Was hat sich im Profi-Fußball von heute gegenüber Ihrer aktiven Zeit geändert und was sehen Sie daran kritisch?

Körbel: Durch das Fernsehen ist die Geldschraube nach oben geschnellt. Wir müssen aufpassen, dass es nicht aus dem Ruder läuft. Zudem hat sich die Medienlandschaft generell stark verändert. Bei uns waren ein, zwei Reporter vor Ort. Heute sind zahllose Fernsehteams und Reporter täglich auf der Jagd nach neuen Geschichten. Die Spieler von heute können sich nicht mehr frei bewegen. Ich beneide die heutige Generation nicht.

Die Zahlen der Jugendfußballer ab der C-Jugend wird immer geringer. Andererseits nimmt der Trend, sich für einen möglichen Sprung ins Profitum bereits frühzeitig einem Nachwuchsleistungszentrum anschließen zu müssen, immer mehr zu. Wie sehen Sie die Zukunft in Deutschland?

Körbel: Wir haben immer noch riesige Talente bei uns in Deutschland. Diese sind aber oft zu ungeduldig. Die Eltern spielen dabei eine schlechte Rolle, weil sie auf das große Geld schauen. Dadurch werden Achtjährige, die eigentlich ihrem Hobby nachgehen, viel zu früh von ihren Heimatvereinen weggerissen und nach Mainz, Hoffenheim oder Kaiserslautern gekarrt. Dort schafft aber nur eine Handvoll den Sprung zu den Profis. In meiner Fußballschule habe ich 300 Talente, die alle noch bei ihren Heimatvereinen spielen.

Seit 2016 sind Sie beim SC Hessen Dreieich tätig. Welche Aufgaben nehmen Sie beim Zweiten der Hessenliga wahr. Welche Chancen auf den Aufstieg in die Regionalliga Südwest räumen Sie Ihrer Elf ein?

Körbel: Ich konnte durch meine Kontakte Rudi Bommer und Ralf Weber als Trainer verpflichten. Sie haben aus einer mittelprächtigen Mannschaft in eineinhalb Jahren ein Spitzenteam geformt. Wir haben mittlerweile die Strukturen verändert und wollen aufsteigen. Ich schaue mir nach Möglichkeit alle Hessenligaspiele an und hatte auch mit Jörg Fischer (Geschäftsführer, Anm. d. Red.) vom SC Teutonia Watzenborn-Steinberg einen regen Austausch zum Thema Regionalliga. Es wäre schön, wenn beide Vereine den Aufstieg schaffen könnten, wobei ich der Teutonia beim Umweg über die Relegation den Vortritt lassen würde.

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