Talent

Ein Mittelhesse auf dem Sprung zu Borussia Mönchengladbach

Für Merlin Schlosser geht ein Traum in Erfüllung. Der 16-Jährige aus Maulbach absolviert heute das erste Training beim Fußball-Bundesliga-Nachwuchs von Borussia Mönchengladbach.
18. Juni 2018, 06:55 Uhr
Merlin Schlosser holt zum Schuss aus. Der 16-jährige Maulbacher hat sich für drei Jahre an Borussia Mönchengladbach gebunden. (Foto: Bodo Gabi)

In Merlin Schlosser kribbelt es am ganzen Körper, was ihm nicht zu verdenken ist. Immerhin ist er an seinem ersten großen Ziel angekommen. Seine Heimat für die nächsten drei Jahre ist Mönchengladbach – und dort das ansässige Fußball-Internat im Borussia-Park.

Mit viel Willen, Disziplin, Fleiß und Leidenschaft sowie ganz viel fußballerischem Können hat der 1,80 m große Schlosser den ersten Schritt zum Profi vollbracht. Weitere sollen folgen. Zuletzt spielte er beim B-Jugend-Hessenligisten TSG Wieseck. Bei den »Fohlen« hat der »Sechser« einen Dreijahresvertrag mit unterschrieben.

Sind Sie schon aufgeregt. Heute geht es bei Borussia Mönchengladbach los?

Merlin Schlosser: Ich glaube, dass die Vorfreude überwiegt. Natürlich ist es auch aufregend, weil ein neuer Lebensabschnitt beginnt und man nicht genau weiß, was auf einen zukommt. Aber ich schaue mit viel Optimismus und Zuversicht nach vorne. Am 15. Juni hatte ich meinen letzten Schultag an der OTS in Homberg. Abends fand die Verabschiedung der Abgänger statt und nun beginnt schon die Vorbereitung auf die neue Saison in Gladbach. Richtig realisiert habe ich den Wechsel ehrlich gesagt immer noch nicht.

Wo sind Sie untergebracht, haben Sie Ihre Teamkameraden schon kennengelernt?

Schlosser: Ich ziehe ins Internat direkt im Stadion. Im November soll dann der nächste Umzug ins neue Internat stattfinden, das auch unmittelbar am Stadion gebaut wird. Aber in einem Stadion zu wohnen, ist schon was Sensationelles, das erlebt nicht jeder. Ein paar meiner Mitspieler haben mich schon über verschiedene soziale Netzwerke angeschrieben, und ich wurde auch schon in die Spielergruppe aufgenommen. Ich muss sagen, dass das alles richtig coole Typen sind. Sehr nett und witzig. Dazu muss man sagen, dass ich im Stadion erst mal ein Doppelzimmer habe. So kann man sich noch mal besser kennenlernen.

Wie schwer fällt es Ihnen, von zu Hause, von Ihren Freunden, von Ihrem Umfeld Abschied zu nehmen?

Schlosser: Das wird sich zeigen. Ich denke schon, dass ich viele vermissen werde. Vor allem unseren Hund Miro und meine Familie, die mich jeden Tag unterstützt und immer ins Training gefahren hat. Dazugehören auch die Großeltern oder die Verwandtschaft. Auch der Abschied von meinen Freunden wird mir nicht leichtfallen. Immerhin ist schon die eine oder andere Träne geflossen, weil meine Freunde immer für mich da waren. Wenn man teilweise zehn Jahre miteinander verbracht hat, wachsen die Personen einem schon ans Herz. Aber zum Glück gibt es ja Handys. Der Kontakt wird also nicht verloren gehen, und ich komme ja auch ab und zu mal nach Hause. Außerdem hoffe ich, dass sie mich auch mal in Mönchengladbach besuchen. Im Auto meiner Eltern findet sich sicher ein Plätzchen.

Warum haben Sie sich ausgerechnet für Gladbach entschieden?

Schlosser: Ich habe mich sofort wohlgefühlt. Das Gelände, das Stadion. Einfach der Hammer. Zudem sind die Leute nicht gerade unfreundlich. Wir wurden bei dem ersten Treffen sehr herzlich empfangen. Uns wurde ein kurzer Film über die Geschichte der Fohlen gezeigt. Da habe ich Gänsehaut bekommen. Als mir dann noch gesagt wurde, dass sie mich haben wollen, war ich überzeugt. Für so eine tollen Verein mit so viel Tradition spielen zu dürfen, ist ein echtes Privileg.

Erklären Sie doch bitte mal, wie ein Tag für Sie im Internat ablaufen wird?

Schlosser: Das kann ich Ihnen nicht so genau sagen. Ich lasse mich mal überraschen. Ein paar Sachen weiß ich schon. Es wird zusammen gefrühstückt. Wenn dann für mich die Schule anfängt, werde ich natürlich vormittags in der Schule sein. Mittagessen gibt es dann in der Sportsbar im Stadion für alle Internatsbewohner. Sportlergerecht versteht sich natürlich. Am Nachmittag werden dann die Hausaufgaben gemacht. Zur Unterstützung ist wohl an jedem Nachmittag ein Lehrer aus dem Gymnasium Rheindahlen im Teilinternat. Es werden auch Trainingseinheiten im Laufe des Vormittags stattfinden, hier werde ich abgeholt und nach der Einheit wieder in die Schule gebracht. Am Abend geht es auf den Platz und anschließend gibt es in der großen Wohnküche wieder ein gemeinsames Abendessen.

Welche schulische Ausbildung erhalten Sie dort?

Schlosser: Ich gehe auf das Gymnasium Rheindahlen und mache dort mein Abitur. Fußball und Schule hängen näher zusammen, als viele denken. Lässt du die Schule schleifen, gibt es Ärger. Keiner garantiert dir, dass du Profi wirst. Da ist es wichtig, einen Plan B zu haben. Plan B ist bei mir ein Lehramtsstudium. Ich möchte Lehramt studieren, um dann später, wenn die Karriere zu Ende ist – egal, wann das ist –, Jugendlichen zu helfen und sie auf das Leben vorbereiten. Und es ist doch super, wenn ich mir mein Studium mit meinem Hobby finanzieren könnte.

Haben Sie im Fußball Vorbilder? Und warum sind es gerade diese Spieler?

Schlosser: Ja klar. Toni Kroos zum Beispiel. Was der schon alles erreicht hat, ist unglaublich. Selbst seine Teamkollegen von Real beneiden ihn um seine Fähigkeiten. Seine Ruhe und Übersicht am Ball sind einzigartig. Er weiß, wie er seine Mitspieler anspielen muss, um Gefahr für den Gegner zu erzeugen, kann aber auch Ruhe ins Spiel bringen. Dann ist da noch Kimmich. Wie er sich in den letzten Jahren entwickelt hat, ist großartig. Lionel Messi darf bei mir auch nicht fehlen. Der beste Spieler in den letzten Jahren in meinen Augen. Was Messi mit dem Ball macht, ist von einem anderen Stern, das muss man einfach so deutlich sagen.

Was macht Sie sicher, dass Sie den Durchbruch schaffen werden und eines Tages mit Fußball Ihr Geld verdienen?

Schlosser: Mein Wille. Wenn ich etwas erreichen will, dann mache ich alles dafür. Manchmal auch zum Leidwesen meiner Eltern, wenn ich keine Zeit zum Helfen habe, weil ich Krafttraining mache. Aber für den Traum Fußballprofi braucht es halt viel Arbeit und Willenskraft.

Beschreiben Sie bitte Ihre Stärken im Spiel, was ist noch verbesserungswürdig?

Schlosser: Da kommt wieder mein Wille ins Spiel. Ich will jedes Spiel gewinnen. Jede Niederlage nervt. Was ich in dieser Saison gelernt habe, ist, dass man trotz der Konzentration und dem Druck die Lockerheit beibehalten muss. Zu den fußballerischen Stärken bei mir zählen auf jeden Fall defensive Zweikämpfe und Pässe in die Tiefe. Außerdem motiviere ich viel, und mein Torschuss ist nicht gerade so schlecht. Ich muss aber noch an meiner Schnelligkeit und Beweglichkeit arbeiten. Und ganz wichtig: Ich habe zwei Füße. Mein linker Fuß wird wahrscheinlich die erste Baustelle für meinen neuen Trainer.

Welcher Club ist Ihr Lieblingsverein?

Schlosser: Eintracht Frankfurt. Da wird auch der Wechsel nichts dran ändern können. Wenn die SGE im Borussia-Park spielt, wird das eine ganz schwierige Sache. Ich bin begeistert von meinem neuen Verein, aber mein Herz wird immer auch für die Eintracht schlagen.

Die WM läuft. Welchem Team drücken Sie die Daumen? Wer sind für Sie die Favoriten und warum ?

Schlosser: Ich hoffe, dass Deutschland den Titel verteidigen kann, und glaube, dass sie das Potenzial dazu haben. Aber andere Länder wie Frankreich, Belgien, Spanien, Argentinien, England und auch Brasilien haben Weltklassekader mit vielen Topstars. Deutschland muss über den Teamgeist kommen. Wenn sie nicht alle an einem Strang ziehen, wird das mit dem fünften Stern nichts.

Auf was freuen Sie sich am meisten?

Schlosser: Auf die Mannschaft und den Fußball. Ich kann es kaum erwarten, endlich im Gladbach-Dress zu trainieren und Spiele zu bestreiten.

Wo geht Ihr Weg hin – und warum schaffen Sie das?

Schlosser: Das wird man sehen. Vielleicht geht es ja auch irgendwann mal ins Ausland. Aber ich möchte mit Fußball mein Geld verdienen. Dabei wird mein Ehrgeiz und mein Wille, aber vor allem meine Familie und meine Freunde mir helfen.

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