29. November 2018, 09:50 Uhr

FC Gießen

Die Bilanz des FC Gießen: Region aufgeweckt

Das erste Halbjahr für Fußball-Hessenligist FC Gießen hätte nicht besser laufen können. Wie es dazu kam und wie es weitergeht.
29. November 2018, 09:50 Uhr
Ein Highlight der bisherigen Saison: Johannes Hofmann (l.) und der FC Gießen schlagen Eintracht Stadtallendorf im Hessenpokal in der Verlängerung vor 4200 Zuschauern. (Foto: Friedrich)

Im Frühjahr 2018 wurde das Gießener Waldstadion von Hundebesitzern für den Spaziergang benutzt – im November 2018, fünf Monate nach der Fusion, sieht der Hessische Rundfunk für seine TV-Dokumentation über den FC Gießen, wie 3700 Menschen ins sanierte Stadion strömen – Sinnbild einer beachtlichen Entwicklung.

 

Die Höhepunkte

Mit situationsbedingtem Pressing und ständigen Positionswechseln im Angriff überforderte der FC Gießen den Großteil der Hessenliga. Souverän führt er diese zur Winterpause an. Vier Highlights ragten bisher heraus.

1. September, 2:1-Sieg gegen Kassel: Vor 3700 Zuschauern wird ein Hauptkonkurrent verdient geschlagen. FC-Geschäftsführer Jörg Fischer: »Es war das erste Spiel, in dem die Zuschauer im Waldstadion emotional mitgegangen sind.«

19. September, 3:0-Sieg im Hessenpokal-Achtelfinale gegen Stadtallendorf: 4200 Besucher sehen, wie der FC den Regionalligisten in der Verlängerung in die Knie zwingt.

3. November, 2:1-Sieg im Spitzenspiel in Alzenau: Mit über 200 mitgereisten Fans macht Gießen die Auswärtspartie zum Heimspiel. Fischer steht mitten in der Kurve unter den Fans: »Eine Top-Leistung von uns.«, die Tabellenführung wird gefestigt.

27. November, 2:1-Sieg im Hessenpokal-Viertelfinale gegen FSV Frankfurt: Wieder 3700 Zuschauer, überzeugende Teamleistung, Choreographie und echte Pokalstimmung – »das i-Tüpfelchen« (Fischer).

 

Die Gründe

Der FC Gießen verfügt mit einem Etat um eine Millionen Euro über andere Möglichkeiten als die meisten Hessenligisten – diese Mittel wurden bisher sehr gut genutzt. Dass es anders laufen kann, beweist das Beispiel in Fulda, wo ähnliche finanzielle Möglichkeiten gegeben sind. Von enormer Bedeutung sind die beiden Ex-Profis Daniyel Cimen (33) als Trainer und Michael Fink (36) als verlängerter Arm auf dem Platz.

 
Fotostrecke: Pokalfieber im Waldstadion

Cimens ruhige, akribische Arbeit auf dem Trainingsplatz und in der Kabine wird von vielen gelobt – nicht nur die Ergebnisse (2,65 Punkte im Schnitt), auch die attraktive Spielweise sprechen für ihn. Fink dirigiert als Stabilisator und Respektsperson mit Profi-Erfahrung – er soll dank der Kontakte künftig der Strippenzieher im Hintergrund werden.

Dass der FC Gießen in seiner Premierensaison als Fünftligist mit 2100 Zuschauern im Schnitt eine so große Resonanz hervorruft, ist nicht nur dem Wetter zuzuschreiben: »Es war ein Sommermärchen, die Sonne hat immer geschienen«, weiß Fischer. Vielmehr steckt die Leidenschaft des Teams hinter dem Team dahinter. Ob Markus Haupt als Betreuer, Horst Viehl als Greenkeeper oder Andreas Schmidt als Ankurbler in der Fanszene – ohne diese Vielzahl an Personen würde der FC Gießen im Gesamtpaket nicht derart strahlen.

»Das macht unser Handeln auch ehrlich«, sagt Fischer. »Wir haben eine große Sehnsucht gestillt. Viele Gießener haben zuletzt nur noch in der Fußball-Vergangenheit geschwelgt.« Wer das Waldstadion im Frühsommer 2018 in Erinnerung hat und nun an den 27. November denkt, der erkennt himmelweite Unterschiede.

 

Der Ausblick

Am 24. Februar geht’s weiter – zwölf Ligaspiele stehen noch aus. Der Regionalliga-Aufstieg ist realistisch – und würde nicht nur sportlich weitere Herausforderungen mit sich bringen. Am 1. Januar tritt der neue Stadionvertrag mit der Stadt in Kraft, der erste Investitionen am Areal ermöglicht. »Wenn es sportlich so weitergeht, wird sich im Sommer im Waldstadion was tun«, weiß Fischer.

Damit solche Platzstürme wie von Fans des KSV Hessen Kassel Anfang September in der Regionalliga vermieden werden, sollen Zäune im Waldstadion kommen. (Foto: Friedrich)
Damit solche Platzstürme wie von Fans des KSV Hessen Kassel Anfang September in der Region...

Feste Flutlichtanlage, abgetrennter Gästebereich, mobile Tribüne. Bei anhaltender Entwicklung ist langfristig der Bau von weiteren Stehtreppen anvisiert. »Für den Sommer wäre das zu kurzfristig. Bei hohem Zuschauerzuspruch gäbe es die Möglichkeit der mobilen Tribüne«, betont Fischer.

 

Kommentar

Bodenständig bleiben

Vielleicht muss man Ende 2018 zum Schluss kommen, dass Gießen nicht nur eine Basketball-, sondern auch eine Fußballstadt ist. Als Marke der Stadt macht der FC so den 46ers jedenfalls »Konkurrenz«. Beide bringen die Sport-Stadt voran. Das perfekt verlaufende erste Halbjahr von Gießens neuem Fußballclub hat das Interesse der Region geweckt. Das Wir-Gefühl kann und muss sich noch steigern – ist aber in der Entwicklung. Die Zuschauerzahlen werden mindestens auf diesem Niveau bleiben – die Regionalliga ist realistisch, die zu erwartenden Veränderungen am Waldstadion werden Neugier hervorrufen. Entstanden ist das Produkt durch die Arbeit von Ehrenamtlichen, Verantwortlichen und Mannschaft – das verdient Anerkennung. Das Team lebt auch vom Zusammenhalt – solange der FC Gießen daran und am bodenständigen Weg mit Cimen und Fink festhält, ist er auf einem guten Weg.

 

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