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28. Januar 2018, 20:39 Uhr
GW

Je höher Frankfurt steigt, desto tiefer sinkt die Liga. Was zwar wie ein schriller Misston im Jubelchor der Eintracht-Fans klingt und sogar ein zwingenderer Ausschlussgrund wäre als eine AfD-Mitgliedschaft ... aber leider die sportliche Wahrheit. Was in der Bundesliga schief läuft, macht den guten Lauf in Frankfurt erst möglich. Das spricht nur gegen die Liga, nicht gegen Kovac, Boateng und Co. Was die Eintracht aus ihren begrenzten Möglichkeiten macht, ist aller Ehren wert. Ein »Bätschi!« für die besser ausgestattete Konkurrenz von Stuttgart bis Hamburg.

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Dortmund nicht zu vergessen. Dort geht es drunter und drüber. An der Unruhe um Aubameyang liegt es nicht, auch nicht an Bosz oder Stöger. Eher an Watzke und Zorc. Aber auch diese Schuldzuweisung macht es sich zu einfach. Irgendwie stimmt das Gesamtpaket nicht mehr, schon lange nicht mehr. Das immer irgendwie hilflose »Irgendwie« signalisiert: Was weiß denn ich? Fußball bleibt unergründlich. Einen klitzekleinen Hinweis gibt Sven Bender im FAS- Interview, ohne Bezug auf die aktuelle Krise, nur im wehmütigen Rückblick: »Am liebsten gespielt habe ich unter Kloppo. Der Spirit damals in Dortmund war unfassbar. Sensationell.«

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Breaking News: Während ich diese Zeilen schreibe, ploppt eine Kicker- Eilmeldung auf: »Stuttgart trennt sich von Trainer Wolf.« Also von einem der Laptoptrainer Schollscher Gehässigkeit und nach der Verpflichtung eines Anti-Laptopspielers, einem (buchstäblichen) Auslaufmodell, das zum Heilsbringer hochgejauchzt wurde. Armer Wolf, armer Gomez. An ihnen liegt es nicht, eher »irgendwie« an der üblichen Hilflosigkeit im Verein, die in Stuttgart (und beim HSV!) ausgeprägter daherkommt als anderswo.

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Wo war ich? Ach so, Spirit und Klopp. Aber auch dabei spielt fußballerische Metaphysik die Hauptrolle, also alles, was »nach« (= griech. meta) der Messbarkeit (Zweikämpfe, Passgenauigkeit, Laufleistung etc.) kommt. Wenn überhaupt, dann ist nur mit Metaphysik zu erklären, warum Klopps Liverpool gegen Manchester City eine epochale Leistung zeigt und danach gegen Nobodys wie Swansea und West Bromwich Albion unterirdisch abkackt.

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Obwohl – Meta- hin, –Physik her, sportlich sozialisierte Menschen ahnen den Grund, fühlen ihn in Kopf und Körper. Jupp Heynckes hat ihn schon vor einer Woche in einem Interview benannt: »So wie Liverpool (Anm.: gegen City) kann man nicht die ganze Saison spielen, sonst wären sie Erster.« So wie die Bayern kann man die ganze Saison spielen, daher werden sie Erster. Gilt aber nicht für die Champions League. Die gewinnt, wer den besten Spirit hat. Und da könnte Klopp wieder ins Spiel kommen.

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Die Art der Bayern schult aber anscheinend auch fürs nachsportlich erfolgreiche Leben. Auf Wirtschafts-Seiten stoße ich vermehrt auf alte Bayern-Namen. Zum Beispiel auf Philipp Lahm, der zu einem Konsortium um Daimler-Zetsche gehörte, das die Modefirma Bogner kaufen wollte – Lahm ist überhaupt ziemlich umtriebig als Jungunternehmer – und auf Hasan Salihamidzic, den Geschäftspartner des Frankfurter Immobilien-Investors Ulrich Höller (u. a. MainTor-Quartier/Quelle: Spiegel). Hat in München injiziertes Bayern-Gen Depot-Wirkung?

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Da würde kaum verwundern, wenn die Philipps und Hasans auch an der gewinnorientierten Zersplitterung der Spieltage beteiligt wären. Jetzt kommen auch noch Montagsspiele hinzu, demnächst Eintracht gegen Leipzig (19. Februar). Die Ultras haben einen Stimmungsboykott angekündigt. Prima! Hoffentlich halten sie ihn durch. Nichts verunsichert die Gemeinten mehr als das stumme Fehlen der folkloristischen Geräuschkulisse, die bisher zu den ebenso zwingenden wie kostenfreien Zugaben der Senderechte gehörte. Noch effektiver wäre, zu Hause zu bleiben und Abos zu kündigen. Aber welches Fußball-Herz hält das aus? Außerdem ist schon die Gegenoffensive im Anmarsch: Pappkameraden auf die Tribüne und super Stimmung vom Band wie bei Fernseh-Sketchen.

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Nichts ist unmöglich! Der Toyota-Slogan gehört zu den erfolgreichsten Webespots aller Zeiten. Auch das scheinbar noch Unmöglichere als flötende Affen und im Corolla kopulierende Nashörner ist nicht unmöglich – dass ein Mann in diesen geschlechterdings aufgeheizten Zeiten zum Frauen-Landestrainer ernannt wird, obwohl er sich auf Twitter rühmte, und das war offenbar nicht ironisch gemeint: »Ich habe gerade meine Frau verprügelt« (Quelle für die Zitate: FAS). Der alte Premier-League-Haudegen Gary Neville, neuer Trainer der englischen Frauen-Nationalelf, schob den Tweet nach, »Ihr Frauen wolltet immer Gleichberechtigung, bis es darum geht, Rechnungen zu bezahlen.«

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Neville entschuldigte sich und bekam den Job. Und da mir heute ein unflätiges Wort entfleucht ist (»abkacken«), leihe ich mir bei Neville dessen Gnadengesuch aus: »Ich möchte klarstellen, dass das nicht meinen wahren und echten Charakter widerspiegelt. Ich möchte mich entschuldigen.« Ganz besonders flätig, Ihr: (gw)

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(www.anstoss-gw.de mit gw-Blog »Sport, Gott & die Welt« / Mail: gw@anstoss-gw.de)

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