Motorrad Raubüberfall in Sao Paulo

Vettel wieder einmal ganz oben Versöhnliches Ende für Sturm-Truppe Marquez feiert seinen sechsten WM-Titel »Wie im Bürgerkrieg«

12. November 2017, 21:39 Uhr
Sebastian Vettel gewinnt den Start und später auch das Rennen vor Mercedes-Pilot Valtteri Bottas. (Foto: dpa)

Mit ein paar Freudendrehern und qualmenden Reifen nach dem Sieg in Brasilien verdrängte Sebastian Vettel für den Augenblick seinen Frust über den verlorenen Kampf um den Formel-1-Titel. Dank seines fünften Saisonerfolgs in São Paulo vor Mercedes-Rivale Valtteri Bottas ist der Ferrari-Star der Vizeweltmeisterschaft ganz nah. Die große Show im Rennen am Sonntag auf dem Autódromo José Carlos Pace lieferte allerdings Weltmeister Lewis Hamilton, der zwei Wochen nach seinem vorzeitigen WM-Triumph aus der Boxengasse heraus noch auf Rang vier hinter Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen raste.

»Es war hart in den letzten Wochen, das tut dem Team hier und in Maranello gut. Jetzt gibt es noch einen Drink und dann schauen wir mal weiter«, sagte Vettel nach dem 47. Grand-Prix-Sieg seiner Karriere. Seit Ende Juli und seinem Erfolg in Ungarn hatte der Hesse nicht mehr als Erster die Ziellinie überquert und zuletzt durch Pech und Pannen seine Titelchance im Duell mit Hamilton verspielt. So bleibt dem 30-Jährigen bis zum Saisonfinale Ende November in Abu Dhabi nur noch der Kampf um die Vize-WM gegen Bottas, auf den er nun 22 Punkte Vorsprung hat. Schon Rang acht in zwei Wochen reicht Vettel, um zumindest dieses Minimalziel zu erreichen. »Ich bin sehr enttäuscht, ich habe das Rennen gleich am Start verloren«, sagte Bottas. Nico Hülkenberg sicherte sich im Renault als Zehnter noch einen WM-Zähler. Pascal Wehrlein kam im unterlegenen Sauber als 14. erneut nicht in die Punkte.

Als die Roten Ampeln verloschen, zwängte sich Vettel schon nach wenigen Metern am Pole-Mann Bottas vorbei und übernahm die Führung. Dahinter gab es reichlich Blechschäden. Für Force-India-Pilot Esteban Ocon, Haas-Fahrer Kevin Magnussen und Stoffel Vandoorne im McLaren war das Rennen nach Unfällen schnell vorbei. Der wegen eines getauschten Motorenteils strafversetzte Daniel Ricciardo musste wegen eines demolierten Red Bull einen frühen Stopp einlegen und rutschte ans Ende des Feldes. Das Safety-Car rückte aus.

Nach dem Neustart verteidigte Vettel souverän Platz eins. Für die meiste Unterhaltung sorgte jetzt Hamilton, der schon nach acht Runden vom letzten auf den zehnten Platz gestürmt war. Der Brite nutzte den Vorteil eines ganz frischen Motors, den sein Team ihm nach dem Quali-Crashs eingebaut hatte. Die daraus folgende Startplatzstrafe fiel nicht ins Gewicht, da Hamilton ja ohnehin ganz hinten gestanden hätte. So schienen dem 32-Jährigen die Überholmanöver fast spielend leicht zu fallen. »Unglaublich«, kommentierte auch Reifenhersteller Pirelli via Twitter die Aufholjagd des Champions. Schon 2009 hatte Hamilton in Brasilien eine ähnliche Show geboten, als er von Rang 17 noch auf Platz drei fuhr. Das Podium hatte er nach 59 Runden wieder im Visier. Doch am Ende kam Hamilton einfach nicht mehr an Räikkönen vorbei.

Nach zwei Niederlagen hat das deutsche Eishockey-Nationalteam beim Olympia-Test einen versöhnlichen Abschluss gefeiert. Der ersatzgeschwächte Gastgeber fertigte am Sonntag beim Deutschland-Cup die überraschend schwache USA mit 5:1 (1:0, 3:1, 1:0) ab und beendete die Casting-Runde auf dem Weg zu den Winterspielen mit dem dritten Platz. Aus der besten Turnierleistung in Augsburg und dank eines überzeugenden Torhüters Danny aus den Birken konnten die Deutschen drei Monate vor Olympia Mut schöpfen. Der Erfolg sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Bundestrainer Marco Sturm für Südkorea kaum Auswahl hat. »Man hat gesehen, dass es nicht ausreicht, wenn wir nicht komplett sind«, bilanzierte DEB-Präsident Franz Reindl, nachdem er der B-Mannschaft von Rekordweltmeister Russland schon vor dem letzten Auftritt des Gastgebers den Siegerpokal überreicht hatte.

Nach dem 2:8-Debakel gegen die Russen und dem 0:3 gegen die Slowakei hatte das Team des Deutschen Eishockey-Bunds (DEB) gegen die mit reichlich NHL-Erfahrung gespickte US-Auswahl unerwartet keine Probleme. Frank Mauer ließ die meisten der 5310 Zuschauer schon früh jubeln (4. Minute). Brent Raedeke (24.) und Brooks Macek (33.) sorgten mit ihren Treffern für die frühe Vorentscheidung, als die Deutschen den Kontrahenten auch ohne einige Leistungsträger teils überrumpelten. Thomas Holzmann (34.) erhöhte gar zum 4:0. Das Tor von Broc Little (38.) war lediglich Ergebniskosmetik aus Sicht der Amerikaner. Yannic Seidenberg (58.) traf zum Endstand ins verwaiste Tor. »Erkenntnisse sind wichtiger als Ergebnisse«, sagte Sturm zur Relevanz der letzten Länderspiele vor der Nominierung für Pyeongchang Mitte Januar. Wie viele Profis ihre Reise zu den Spielen vom 9. bis 25. Februar bereits sicher haben, verriet er nicht. »Sicher haben gewisse Spieler ein großes Plus. Aber es gibt genügend Plätze, die noch frei sind. Es kommt auf die Spieler an«, behauptete Sturm. Kaum mehr als ein halbes Dutzend Olympia-Tickets dürften offen sein. Ohne die Teilnahme der NHL-Profis und nach so manchem Rücktritt aus dem Nationalteam scheinen anders als bei den beiden Weltmeisterschaften unter Sturm die Alternativen gering. »Wir haben in Deutschland leider nicht genug«, sagte Stürmer Marcus Kink.

Marc Marquez feierte den vierten MotoGP-Titel und den sechsten WM-Triumph insgesamt mit seinen Fans mit einem Würfel, der nach dem Werfen immer wieder die sechs zeigte. Nach einem Konfetti-Regen setzte er sich den Goldhelm auf und ließ sich auf dem Siegerpodest in Valencia den Champagner munden.

Rang drei hinter seinem Teamkollegen Daniel Pedrosa und Johann Zarco aus Frankreich reichte dem Spanier für den nächsten großen Coup, den auch der Italiener Andrea Dovizioso nicht verhindern konnte. Für ihn kam nach einem Sturz fünf Runden vor dem Ende das Aus.

Deutsche Piloten konnten in diese Jubelorgie nicht einstimmen. Ganze vier Zähler heimsten sie am letzten WM-Wochenende in Valencia ein. Es war sinnbildlich für die im Saisonverlauf gezeigten Leistungen.

Die größte Freude, aber auch die meisten Sorgen verbreitete Jonas Folger. Der MotoGP-Rookie zeigte praktisch vom ersten Rennen an, dass er in die Königsklasse gehört. Bis zur Halbzeit punktete er in neun von zehn Wettkämpfen mit dem Höhepunkt Platz zwei beim Heim-Grand-Prix auf dem Sachsenring. Doch dann verließen ihn das Glück, die Technik und vor allem die Gesundheit. Zunächst bremsten ihn Ausfälle und Stürze. Schlimmer war jedoch seine Leber-Erkrankung, die ihn für Wochen und Monate ausfallen und die letzten vier Rennen verpassen ließ. Das Gute: Die Ursache ist mittlerweile bekannt, Folger befindet sich auf dem Weg der Besserung und kann im nächsten Jahr aller Voraussicht nach wieder starten.

Motorrad-Polizisten patrouillierten auf der Avenida Interlagos, Wachen standen vor den Zufahrtsstraßen der Favelas. Nach dem bewaffneten Raubüberfall auf einen Mercedes-Teambus verwandelten die Behörden von São Paulo das Gebiet um das Autódromo José Carlos Pace in eine gefühlte Hochsicherheitszone. »Es sah aus, als sei Bürgerkrieg ausgebrochen, so viel Polizei war unterwegs, als wir zur Strecke kamen«, berichtete Mercedes-Teamchef Toto Wolff.

Dennoch kam es am Samstagabend doch zu einem Zwischenfall. Wie Sauber-Rennstrategin Ruth Buscombe auf Twitter mitteilte, wurde der Wagen mit Mitarbeitern des Schweizer Rennstalls gerammt. Ein anderes vor ihnen fahrendes Auto soll versucht haben, den Wagen aufzuhalten. Offenbar kamen alle mit dem Schrecken davon, auf Nachfrage wollte das Team nicht mehr zu dem Vorfall sagen, der sich rund 24 Stunden nach der Attacke auf einen Mercedes-Teambus ereignete.

Nachdem am Freitagabend ein gepanzerter Wagen mit Mitgliedern des Internationalen Automobilverbandes (FIA) einem Überfall noch hatte entkommen können, wurden die acht Insassen des Mercedes-Teambusses gegen 22.00 Uhr Ortszeit gestoppt und mit Waffen bedroht.

Einige mussten aussteigen und sich auf den Boden legen. »Es müssen wirklich beängstigende Momente gewesen sein«, sagte Wolff. »Ich bin seit zehn Jahren in der Formel 1, und das Frustrierendste ist, dass es jedes Jahr irgendeinem im Fahrerlager passiert«, betonte Mercedes-Star und Vierfach-Weltmeister Lewis Hamilton. Nicht minder erschüttert war sein Teamkollege Valtteri Bottas – im Wagen saßen Mechaniker des Finnen. Die Pole holte er anschließend für sie. Bereits vom Samstag an hatte sich die Zahl der Beamten rund um die Strecke spür- und sichtbar massiv erhöht. Schwarze Einsatzfahrzeuge der Zivilpolizei fuhren Streife. Gegenüber des Eingangs, den die Teams benutzen, parkten zwei Busse der »Guardia civil«.

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