06. Januar 2019, 21:48 Uhr

Trapp voller Selbstbewusstsein

06. Januar 2019, 21:48 Uhr

Eintracht Frankfurt


Erst nach links, dann nach rechts. Wieder nach links, noch mal nach rechts. Und so weiter und so fort. Manfred »Moppes« Petz kannte kein Erbarmen. Als der fast immer gut gelaunte Torwarttrainer von Eintracht Frankfurt seine drei Handschuhträger, Kevin Trapp, Frederik Rönnow und Jan Zimmermann, so betrachtete, wie sie sich rücklings vor ihm auf dem Rasen liegend von einer zur anderen Seite wälzten, da konnte er sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Petz fuhr am ersten Tag im Trainingslager in Florida die ganz schweren Geschütze auf, hatte später noch die schwarzen Medizinbälle für die nach Luft japsenden Schlussmänner parat. Dicke Arme also für den großen Erfolg?

Trapp jedenfalls wäre das nur allzu Recht. Die Nummer eins im Frankfurter Kasten schaut selbstbewusst auf den zweiten Saisonabschnitt voraus. »Wir wissen, dass wir eine Rückrunde vor uns haben, die richtig gut werden kann. Dass wir sehr, sehr erfolgreich sein können. Wir haben definitiv die Qualität, um unter die ersten Sechs zu kommen.« Natürlich seien es viele Mannschaften, die im vorderen Bereich der Tabelle mitmischen und Ambitionen auf den Europapokal hegen, so Trapp. Jene fünf vor der Eintracht sowieso, aber auch die Konkurrenten aus Bremen, Berlin oder Leverkusen dahinter. »Aber wir haben in der Hinrunde bewiesen, dass wir das schaffen können. Wir müssen ehrgeizig sein und daran glauben.«

Der 28 Jahre alte Trapp ist während seiner Zeit beim Ausnahmeklub Paris Saint-Germain gereift. Das ist sicher keine ganz neue Erkenntnis, aber eben doch eine, die sich mehr und mehr verfestigt. Der gebürtige Saarländer ist zu einem gefragten Interviewpartner geworden. Gerade erst fragte der US-amerikanische Sender ESPN an. Ruhig und sachlich spricht Trapp in solchen Gesprächen, manchmal sogar zu leise für jene Reporter, die am Flatterband nach Spielen nur einen Platz weiter hinten ergattern konnten.

Die Inhalte von Trapps Aussagen aber sind meist deutlich genug. Nach dem 1:1 in Nürnberg etwa, da kritisierte der Nationaltorhüter seine Kollegen doch ziemlich drastisch (»Das war richtig schlecht von uns«), genauso wie er nach dem 3:0-Sieg in Stuttgart aus dem stürmenden Trio Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic wortgewaltig die Frankfurter »Büffelherde« machte.

Nun also der selbstbewusste Blick auf die Rückrunde, die erneute Qualifikation für die Europa League als erklärtes Ziel. Für Trapp ist dieses Denken nur allzu logisch: »Wenn du nach 17 Spielen auf Platz sechs stehst, dann darfst du Selbstbewusstsein haben. Dann darfst du den sechsten Platz als Ziel haben.« Und weiter: »Wenn wir laufen, kämpfen und dazu fußballerische Qualität zeigen, dann ist es schwer, uns zu schlagen. Es wäre schön, wenn wir am Ende sagen können, dass wir eine richtig geile und erfolgreiche Saison gespielt haben.«

Für diesen Erfolg muss aber auch geschuftet werden. Trapp scheint das gerne zu machen. Plackerei gehört gerade während einer Vorbereitung nun mal zum Alltag eines Profis. »Wir haben nicht so viel Zeit und können ja auch hier in den USA nicht so viel trainieren, da wir noch zweimal spielen«, sagt Trapp. In den USA, das ist in der IMG-Akademie in Bradenton, 80 Kilometer südlich von Tampa an der Golfküste Floridas gelegen. Die Eintracht hat sich seit Freitagabend auf dem 162 000 Quadratmeter großen Areal eingerichtet und feilt dort an ihrer Form für die am 19. Januar startende Rückserie in der Fußball-Bundesliga. Bei 20 Grad »fehlt es uns hier an nichts«, sagt Trapp.

Während die angeschlagenen Mijat Gacinovic und Allan Souza nur um den Platz joggen konnten, Timothy Chandler immerhin beim Aufwärmprogramm dabei war, mischte Kapitän David Abraham nach Wadenverletzung wieder voll mit. Und Trapp? Der wälzte sich von links nach rechts, warf Medizinbälle, um dann nach getaner Arbeit mit einigen Teamkollegen mitten auf dem Platz zu sitzen und den wohlverdienten Feierabend zu genießen. Daniel Schmitt

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