11. Juli 2018, 21:29 Uhr

Sportübertragung ohne Rechte

Streit um Fernsehpiraten

11. Juli 2018, 21:29 Uhr

Ein politisch aufgeladener Wirtschaftskrimi um Fernsehpiraterie sorgt für Unruhe beim nächsten WM-Gastgeber Katar und betrifft auch Sportevents von der Bundesliga über die Formel 1 bis Wimbledon. Der Ausrichter der Fußball-Weltmeisterschaft 2022 appelliert an internationale TV-Anstalten und Verbände für eine konzertierte Aktion gegen den in Saudi-Arabien aktiven Fernsehsender BeoutQ. »Jede Verletzung der Rechte von TV-Sendern, für die diese viel Geld bezahlt haben, ist absolut nicht fair«, sagte Nassir al-Chatir, der Vize-Chef des WM-Organisationskomitees.

Die Auseinandersetzung ist eines der deutlichsten Zeichen, dass die Krise am Golf mit den Hauptakteuren Katar und Saudi-Arabien auch den Weltsport erreicht hat. Für zahlreiche Events, darunter die WM in Russland und 2022 in Katar sowie die Fußball-Bundesliga, hat der katarische Sender beIN Sports die Rechte für die arabische Welt. Dieser besitzt in Saudi-Arabien aber keine Sendelizenz mehr. Die Regierung in Riad wirft dem Sender vor, er habe unrechtmäßig ein Monopol auf die Übertragungsrechte erworben – und hindere nun Fans daran, ihren Lieblingssport frei im Fernsehen zu verfolgen. Diese Lücke schließt der Sender BeoutQ, der u.a. in Saudi-Arabien Sportereignisse zeigt, ohne dafür die Rechte zu besitzen. Auch Spiele der Bundesliga. Das »saudi-arabische Piratenangebot BeoutQ« sei »von der DFL in keiner Weise autorisiert, Bundesliga-Inhalte zu verbreiten«, teilte die DFL mit. Es gelte aufzudecken, »wer für die Piraterie verantwortlich ist«, um an die Verantwortlichen heranzutreten. Die Tennis-Dachorganisationen forderten während Wimbledon die »sofortige Schließung des illegalen, in Saudi-Arabien ansässigen Piratennetzwerks BeoutQ«. Das Königreich wies die Anschuldigungen zurück und bezeichnete Aussagen, dass der Sender aus Saudi-Arabien stamme, als »bösartige Lüge«.

Anfang Juni 2017 hatte Saudi-Arabien zusammen mit seinen Verbündeten Bahrain, den Vereinigten Arabischen Emiraten und Ägypten eine Blockade über Katar verhängt. Offiziell werfen die vier Staaten dem reichen Emirat vor, den Terror zu unterstützen. Sie stören sich nicht zuletzt daran, dass der Nachbarstaat gute Beziehungen zum schiitischen Iran pflegt, dem Erzrivalen des sunnitischen Saudi-Arabiens. Bei dem Konflikt geht es darüber hinaus um eine mögliche zukünftige Vormachtstellung auf der politischen Bühne des Weltfußballs. Saudi-Arabien versucht, seinen Einfluss zu vergrößern. So rief das Königreich unter seiner Führung einen eigenen Fußballverband ins Leben, die Föderation Südwestasien mit 13 Mitgliedern. Die Gründung ist auch als Reaktion auf den starken Einfluss zu sehen, den Katar auf den internationalen Fußball besitzt. Zudem gilt Saudi-Arabien als einer der treibenden Kräfte hinter einem Angebot von 25 Milliarden Dollar von Investoren an die FIFA zur Übernahme von internationalen Wettbewerben.

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