15. Juli 2018, 21:24 Uhr

Die Belgier wollen mehr

Sie waren diesmal schon so erfolgreich wie niemals zuvor eine Nationalmannschaft ihres Landes. Doch Platz drei bei der WM reicht den ehrgeizigen Belgiern nicht. In Katar wollen Kevin De Bruyne, Eden Hazard und Co. den Titel.
15. Juli 2018, 21:24 Uhr
Sehen so Sieger aus? Die Belgier Dries Mertens (l.) und Kevin de Bruyne mit der Medaille für den dritten Platz um den Hals. Doch eigentlich haben sie mehr gewollt. (Foto: dpa)

Brüssel stand am Wochenende kopf, der größte Erfolg der belgischen Fußball-Geschichte wurde ausgelassen gefeiert. Der Jubel der Stars um Eden Hazard erschien dagegen erstaunlich geschäftsmäßig. Die Roten Teufel hatten längst Größeres im Sinn: Der dritte Platz bei der WM in Russland soll für Belgiens »brillante Generation« nur der Beginn einer Ära gewesen sein. Und so gaben nahezu alle Topspieler noch direkt nach dem 2:0 (1:0) gegen England in der WM-Partie um Platz drei den Titel 2022 in Katar als Ziel aus.

»Ich hoffe, dass es in vier Jahren noch etwas besser geht. Unser Ziel ist es auf jeden Fall, dann ganz oben zu stehen«, sagte Torhüter Thibaut Courtois. »Wir haben sechs von sieben Spielen gewonnen. Wir haben den Menschen viel Freude bereitet. Und der Rest kommt dann vielleicht bei der nächsten WM«, sagte der Ex-Wolfsburger Kevin De Bruyne. Und Trainer Roberto Martínez meinte forsch: »Wir haben uns zu einer Mannschaft entwickelt, die alles erreichen kann.«

Es schien, als überlagere der Ärger über die verpasste Chance den großen Stolz über die beste Platzierung, die Belgien je bei einer WM erreicht hat. Sogar der vierte Platz der goldenen 1986er-Generation wurde übertroffen. Denn diese Generation ist eben eine »brillante«, wie der frühere Bayern-Torhüter Jean-Marie Pfaff, 1986 Stammkeeper, dieser Tage schon feststellte.

Dennoch umwittert sie etwas Unvollendetes. Denn den Titel hatten sie alle für machbar erachtet. Auf die Frage, ob Hazard zum besten Spieler der WM gewählt worden sollte, antwortete Martínez: »Die Gewinner dieser Awards spielen meistens in der Siegermannschaft. Wenn wir im Finale gestanden hätten, hätte sicher der eine oder andere von uns die Chance auf diese Ehrung gehabt.«

Die Fans waren derweil hochzufrieden mit dem Erreichten. In Brüssel gab es Autokorsos und Hupkonzerte sowie einen großen Empfang für die Mannschaft am Sonntag.

Was den Belgiern Hoffnung auf eine Ära macht: Die besten Spieler in Russland – Courtois (aktuell 26), De Bruyne, Hazard (beide 27) und Romelu Lukaku (25) – könnten altersmäßig 2022 in Katar durchaus noch dabei sein. Bei der Dreier-Abwehrkette, bestehend aus Toby Alderweireld (29), Kompany (32) und Jan Vertonghen (31) ist das dagegen fraglich. Kein Defensivspieler im aktuellen Aufgebot war jünger als 27. »Ich hoffe sehr, dass da eine gute Generation nachkommt«, sagte Courtois.

Für Hazard dürfte sich die starke WM so oder so gelohnt haben. Er ist als Nachfolger von Cristiano Ronaldo bei Real Madrid im Gespräch und deutete am Samstag schon mal ungewohnt offenherzig seinen Abschied vom FC Chelsea an. »Ich bin seit sechs Jahren bei Chelsea, habe eine tolle WM gespielt«, sagte der Bruder von Mönchengladbachs Thorgan Hazard: »Vielleicht ist es an der Zeit, mal etwas anderes zu machen.«

In England waren sie nach dem vierten Platz derweil längst nicht so euphorisch wie auf der Gegenseite. »Wir waren hier unter den besten vier Mannschaften, aber wir wissen, dass wir noch nicht zu den vier besten gehören«, sagte Trainer Gareth Southgate: »Wir sehen unsere Leistungsfähigkeit sehr realistisch und lassen uns von dem vielen Lob nicht blenden. Wir müssen und werden uns noch viel verbessern.«

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