13. September 2016, 12:00 Uhr

Auf einmal die Gejagte

(dpa) Auf dem Acht-Stunden-Flug von New York nach München wollte Angelique Kerber abschalten und zur Ruhe kommen. Nach einem Auftritt im amerikanischen Frühstücksfernsehen sollte es für die frisch gekürte US-Open-Siegerin und Nummer eins der Tennis-Welt am Montagabend zurück nach Deutschland gehen. Für Dienstagmorgen war ein öffentlicher Auftritt am Flughafen angesetzt – und danach wollte die 28 Jahre alte Kielerin erst einmal viel schlafen und gut essen.
13. September 2016, 12:00 Uhr
Vor dem Arthur-Ashe-Stadion posiert Angelique Kerber mit dem Siegerpokal der US Open für die Fotografen. (Foto: dpa)

Noch ist die Saison 2016 zwar nicht vorbei, aber das vierte und letzte Grand-Slam-Turnier wird immer als kleine Zäsur am nahenden Ende des Jahres angesehen. Für Kerber stehen noch die lukrative Asien-Tour und Ende Oktober die WTA-WM der besten acht Spielerinnen des Jahres auf dem Programm. Und die 28-Jährige muss nun endgültig mit einer neuen Rolle zurechtkommen: Kerber ist nicht mehr die Jägerin, die häufig noch unterschätzte Verfolgerin. Jetzt ist sie die Spielerin, die es zu schlagen gilt und gegen die die Konkurrenz noch ein kleines bisschen motivierter ist. Natürlich auch Serena Williams selber, die zurück auf den Thron will.
»Ich bin bereit, diesen Druck auf meinen Schultern zu haben. Ich glaube, dass ich mich schon ganz gut an alles gewöhnt habe, vor allem nach dem ersten Grand Slam in Australien. Nach dem Titel habe ich sehr viel Druck verspürt«, sagte Kerber an ihrem letzten Arbeitstag in New York. Ihre Kritiker dürfte sie nun endgültig überzeugt haben. Nach dem verdienten Urlaub wird das kommende Jahr für Kerber nicht einfacher. Im Gegenteil. Schon in Melbourne muss sie ihre Leistung bestätigen und die Punkte aus dem Vorjahr verteidigen. »Gegen die Nummer eins wollen alle gewinnen. Ich werde diese Herausforderung annehmen, es wird eine neue Situation für mich. Aber am Ende habe ich immer dafür gearbeitet und trainiert, um eines Tages die Nummer eins zu sein«, sagte Kerber kurz vor ihrer Abreise.
Der Zweikampf Williams-Kerber dürfte die Damen-Tenniswelt noch eine ganze Weile dominieren, auch wenn die Rivalität längst nicht an Klassiker wie Steffi Graf kontra Monica Seles oder Chris Evert versus Martina Navratilova heranreicht. Williams wird am 26. September 35 Jahre alt und anfälliger für Verletzungen, doch den 23. Grand-Slam-Titel und alleinigen Rekord vor Graf will sie unbedingt.
Und hinter Kerber und Williams sind die Inkonstanten erstaunlich konstant. Die Weltranglisten-Dritte Garbiñe Muguruza gewann die French Open, schied aber in Wimbledon, bei den Olympischen Spielen in Rio und bei den US Open jeweils früh aus. Die Nummer vier (Agnieszka Radwanska) und fünf (Simona Halep) schafften es erst einmal in ein Grand-Slam-Finale, ein Titel fehlt ihnen noch. »Es fühlt sich auch für mich so an. Angie Kerber und Serena Williams sind mit deutlichem Abstand die Nummer eins und zwei der Welt«, sagte Bundestrainerin Barbara Rittner.
Und was sagt Serena Williams zu ihrer neuen Rolle als Jägerin? Zum Verlust der Spitzenposition nach mehr als drei Jahren? Nach ihrem Halbfinal-Aus bei den US Open wollte sie nicht darüber sprechen. Die Amerikanerin ist erst einmal abgetaucht.

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