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Rudelbildungen oder das Anlaufen des Schiedsrichters können Vorfälle sein, nach denen eine Zeitstrafe ausgesprochen wird.

Regeländerung?

Diskussion um Zeitstrafen - Hessischer Fußballverband bringt Antrag beim DFB auf den Weg

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Nach einem Schreiben des Gießener Kreisfußballwartes Henry Mohr gibt es im Fußball die Wiedereinführung der Zeitstrafe. Tatsächlich sind noch einige Hürden zu nehmen.

Aufregung im heimischen Amateurfußball: Nach einem Schreiben des Gießener Kreisfußballwartes Henry Mohr (Kleinlinden) wird die Zeitstrafe im hessischen Amateurfußball wieder eingeführt - unter anderem auf seine Initiative und bereits zur neuen Saison. Tatsächlich gibt es die Diskussion im Hessischen Fußballverband schon länger, die internationalen Regelhüter vom International Football Association Board (IFAB) hatten bereits im März 2017 die Wiedereinführung in Jugend-, Amateur- und Behindertenfußball grundsätzlich erlaubt. Der Weg dahin ist allerdings noch lange nicht frei.

Antrag des Hessischen Fußballverbandes vom DFB prinzipiell positiv beschieden

"Der Text für den Antrag auf die Änderung der Spielordnung in Bezug auf die Wiedereinführung der Zeitstrafe liegt noch bei den Juristen des DFB, außerdem muss der hessische Verbandstag erst die Änderung der Spielordnung genehmigen. Wenn die Änderung nicht genehmigt wird, dann gibt es auch keine Zeitstrafe", beschwichtigt der Friedberger Kreisfußballwart Thorsten Bastian (Rockenberg), der in Personalunion auch Regionalbeauftragter für Frankfurt ist. Er sagte am Donnerstag auf Nachfrage klipp und klar: "Vor dem 6. Juni, dem Tag des Verbandsfußballtages, passiert da gar nichts."

Das bestätigt auch der Ortenberger Jürgen Radeck, Vorsitzender des Verbandsausschusses für Spielbetrieb und Fußballentwicklung beim Hessischen Fußballverband (HFV). Er hatte nach einer Diskussion in der Kommission für Spielgeschehen und Fußballentwicklung die IFAB-Statuten gewälzt und einen Antrag beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) gestellt, nachdem er den Plan für das Pilot-Projekt - die Einführung einer zehnminütigen Zeitstrafe im Amateurfußball auf Kreisebene - bereits vor einem Jahr in der Versammlung der Obleute für Spielbetrieb und Fußballverbände der 21 deutschen Landesverbände vorgestellt hatte. Nun hat der DFB-Spielausschuss am Freitag vor einer Woche den Antrag prinzipiell gebilligt, ihn aber noch einmal den hauseigenen Juristen übergeben, um die Formulierungen wasserdicht zu machen. 

Zeitstrafen im Amateurfußball seit 2017 überhaupt erst wieder möglich

Die möglichen Änderungen müssen im Detail ausgearbeitet werden, erst dann könne auf Eben des HFV darüber abgestimmt werden. "Wir müssen in unserer Spielordnung so eine Änderung erst einarbeiten und dann auch beschließen. Sollte das Anfang Juni passieren, könnte es in der neuen Saison bereits losgehen. Aber erst einmal müssen wir die juristische Rückmeldung abwarten", sagte Radeck. "Das Ziel war es, einfache und verständliche Kriterien zu finden." In der Zwischenzeit hätten auch die Landesverbände aus Berlin und Bayern prinzipiell ihr Interesse an einer Beteiligung am hessischen Pilot-Projekt bekundet, erklärte er weiter - womöglich allerdings erst, nachdem die ersten Test-Ergebnisse vorliegen.

Die Initiative für die Wiedereinführung der Zeitstrafe, die erst 1991 durch Einführung der Gelben Karte abgeschafft worden war, hatte einst der ehemalige niederländische Nationalspieler Marco van Basten gehabt. Seinerzeit hatten sich die IFAB-Mitglieder - neben Schottland die Verbände von England, Wales und Nordirland sowie die FIFA als Vertreter der anderen 207 Verbände auf der Welt - entschieden, den nationalen Verbänden grundsätzlich mehr Spielraum bei der Regelgestaltung in den unteren Spielklassen zu geben. Dies betrifft beispielsweise auch die Anzahl der Auswechslungen sowie die Spieldauer. 

Einführung der Zeitstrafe wenn überhaupt nur auf Kreisebene

Ein Grundsatz war aber auch: Dies kann und soll nur für Wettbewerbe gelten, in denen keine Profi-Vereine teilnehmen. Im vorliegenden Fall gilt außerdem: Aufgrund der Tatsache, dass in der Hessenliga sowie in den hessischen Verbandsligen aktuell Gelb-Rote Karten bereits ein Spiel Sperre nach sich ziehen und eine Ausweitung dieser Regel aktuell auch auf die Gruppenligen denkbar ist, wäre das Mittel der Zeitstrafe nur für die Ligen der Kreisebene, also in der Kreisoberliga und den Kreisligen A bis C, gedacht, erklärt Radeck. Der Hintergrund: "Wir hoffen, dass die Wiedereinführung der Zeitstrafe zur Deeskalation auf den Sportplätzen beiträgt. Hier müssen der Handball und andere Sportarten unser Vorbild sein." In der laufenden Spielzeit hat es im hessischen Fußball schon mehrere Angriffe auf Schiedsrichter oder verbale Attacken von Spielern, Betreuern und Zuschauern untereinander gegeben.

Im Jugendfußball gibt es hierzulande die Zeitstrafe bereits seit Längerem wieder, nachdem sie nach Einführung der Gelb-Roten Karte 1991 im Fußball zunächst ganz abgeschafft worden war. Eine mögliche Vorgehensweise nun wäre laut Radeck: Für ein Vergehen sieht ein Spieler zunächst die Gelbe Karte, bekommt bei einem weiteren die Zeitstrafe und bei einem dritten den Platzverweis. Offen ist aber beispielsweise die Frage, ob, wie in den 1970er Jahren, auch ohne vorherige Gelbe Karte bei einem entsprechenden Regelverstoß sofort eine Zehn-Minuten-Strafe ausgesprochen werden darf. Die Grundidee ist in jedem Fall, dem Referee eine weitere Möglichkeit zu geben, respektlosem Verhalten oder grob regelwidrigem durch Spieler, Einhalt gebieten zu können, ohne gleich "Rot" zu zeigen.

Auch Schiedsrichter müssten Regeländerung erst noch bearbeiten und schulen

"Wenn sich alle am Fußballspiel beteiligten Akteure so verhalten, wie sie es sich das vom jeweiligen Gegenüber erwarten, dann müsste der Begriff Fair-Play wieder mehr in den Vordergrund rücken", ließ sich Mohr in seinem Schreiben zitieren. Doch bis das so weit ist, müssten jetzt nicht nur DFB und Verbandstag zustimmen, sondern auch der Schiedsrichterausschuss rechtzeitig zur neuen Saison die Regeländerung in ihre Arbeitsabläufe einarbeiten und seinen Referees beibringen. Der Zeitplan ist also sehr eng. 

phk

Quelle: Gießener Allgemeine

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