Hany Mukhtar
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Hany Mukhtar (l) mischt mit Nashville die MLS auf. Hier im Duell mit Ex-Bundesligaprofi Michael Bradley vom Toronto FC. Foto: Jessica Hill/AP/dpa

dpa-Interview

Berliner Fußballer überzeugt in der MLS: «System echt geil»

Nashville SC spielt seine erste Saison in der MLS - und steht unerwartet in der zweiten Runde der Playoffs. Großen Anteil an der Überraschung hat ein 25 Jahre alter Berliner, der bei Hertha BSC das Kicken gelernt hat: Hany Mukhtar.

Nashville (dpa) - Hany Mukhtar ist mit seinen 25 Jahren schon viel herumgekommen im Profifußball. Der Jugendspieler von Hertha BSC verließ Berlin 2015 und holte in den fünf Jahren seither eine Meisterschaft in Portugal, das Double in Österreich sowie den Pokalsieg in Dänemark mit Bröndby IF.

Seit Januar spielt er in den USA bei Nashville SC. Der Liga-Neuling warf zuletzt völlig unerwartet Toronto FC aus den Playoffs. In der Nacht zu Montag (0.00 Uhr MESZ) trifft das Team auf Columbus Crew.

Frage: Bis zum Titel in der Major League Soccer fehlen nur noch drei Siege. Darf man schon über die Meisterschaft reden in Nashville?

Antwort: Wir sind eine neue Mannschaft und unser Ziel war, in die Playoffs zu kommen. Das haben wir geschafft. Jetzt haben wir auch gezeigt, auch große Gegner schlagen zu können, wie zum Beispiel Toronto. Wir werden von Spiel zu Spiel schauen, mit Columbus haben wir noch eine Rechnung offen.

Frage: Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Antwort: Unsere Chancen stehen eigentlich gut. Columbus ist eine starke Mannschaft, die wollen Ball haben und sind spielstark, aber das liegt uns eigentlich. Wir sind relativ stark im Kontern, wir stehen gut und haben eine gute Defensivarbeit. Wir freuen uns alle riesig auf das Spiel. Klar, die sind Favorit. Aber in der Liga kann jeder jeden schlagen, das sieht man immer wieder.

Frage: Sie haben schon Titel in Portugal, Österreich und Dänemark geholt. Welchen Wert hätte die Meisterschaft in den USA?

Antwort: Die Erfolge, die ich gesammelt habe, waren sehr schön. In Portugal bei Benfica Lissabon habe ich eher weniger gespielt. Mein persönlich größter Erfolg war der EM-Titel mit der U19-Nationalmannschaft, weil ich da sehr viel zu beigetragen habe, und der Pokalsieg in Dänemark mit Bröndby. Ich würde das schon sehr hoch einstufen, wenn wir jetzt hier gewinnen, weil ich ein wichtiger Teil der Mannschaft bin.

Frage: In Deutschland heißt es immer, die Meisterschaft ist der ehrlichste Titel. Da entscheidet nicht nur die Tagesform. Wie ehrlich ist eine Meisterschaft in den USA mit dem Playoff-Modus?

Antwort: Das ist eine harte Frage, um ehrlich zu sein. Ich gebe den Leuten recht, die sagen, so eine Meisterschaft zu gewinnen, ist am ehrlichsten, weil es über einen langen Zeitraum geht. Aber: Es ist für die Zuschauer schon noch cooler und spannender, die Playoffs zu sehen. Da gibt es nur ein Spiel. Da kann alles passieren, das sieht man ja auch im DFB-Pokal. Ich finde das System echt geil und ich finde es gut, die Spannung so hoch zu halten. Die Ligen sind ja oft früh entschieden, Bayern ist ja manchmal schon im März Meister.

Frage: Kai Wagner von Philadelphia Union hat gesagt, dass er auf jeden Fall wieder zurück nach Europa möchte. Wie sehen Ihre Pläne aus?

Antwort: Ich habe ja im Januar erst unterschrieben für drei Jahre. Ich fühle mich sehr, sehr wohl hier. Aber wie jeder weiß, geht es sehr schnell im Fußball. Ich gucke immer noch die Champions League, verfolge die Bundesliga und schaue meiner alten Mannschaft Bröndby oft zu. Ich bin immer noch relativ nah am Geschehen dran. Ich fühle mich aber wohl und denke, dass man auch hier in Amerika sehr gut Karriere machen kann.

ZUR PERSON: Hany Mukhtar (25) kommt aus der Talentschule von Hertha BSC. In Nashville ist er ein Leistungsträger und kommt als offensiver Mittelfeldspieler auf fünf Tore und drei Vorlagen in 17 Spielen.

© dpa-infocom, dpa:201128-99-500020/3

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