Lauf-Asse

Mit Vollgas ins Glück

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Vor dem Start gibt’s einen Kuss. Und dann muss sich die Konkurrenz warm anziehen. Bei Franziska Rachowski und Moritz Weiß dreht sich alles ums Laufen. Seit 2013 sind die beiden ein Paar.

Der Silvesterlauf beeindruckte vor zwei Wochen mit einer Rekordzahl von 975 Anmeldungen. Tolle Neuigkeiten für das ausrichtende LAZ Gießen. Überhaupt nicht neu, dafür aber umso beeindruckender ist die Siegesserie von zwei Läufern des Leichtathletikzentrums, die nicht nur dieser Tage im Schiffenberger Wald die Halbmarathon-Distanz beherrschten, sondern auch in der jüngeren Vergangenheit beim Mittelhessencup (MHC) oder sonstigen Läufen hierzulande von Sieg zu Sieg eilen. Franziska Rachowski und Moritz Weiß erhielten im November erneut die Urkunde für den MHC-Gesamtsieg in den Hauptklassen – beide jeweils mit der maximalen Ausbeute von 300 Punkten. Mehr geht nicht.

Wie immer steht aber vor dem Erfolg die harte Arbeit. Und die lässt sich optimal im Team bewältigen. "Seitdem wir zusammen sind, bilden wir auch eine Trainingsgemeinschaft", erzählt Moritz Weiß. Seit etwa zwei Monaten haben die beiden 25-Jährigen eine gemeinsame Wohnung in Gießen. Aber auch vorher wohnten sie schon unter einem Dach bei den Eltern von Franziska Rachowski.

Kennenlernen in Krofdorf

Derzeit sieht die typische Sport-Woche so aus: Montags steht eine regenerative Einheit an. Die Dienstage (Tempowechselläufe am Schwanenteich) und Donnerstage (Bahntraining im Weststadion) sind besonders intensiv. "Da geht’s schon richtig ab. Das ist Tempo kloppen ohne Ende", sagt Weiß über das Training der LAZ-Gruppe von Erich Gebhardt. Mittwochs und freitags sind leichtere Dauerläufe an der Reihe, ehe am Wochenende der Wettkampf oder eine lange Einheit wartet. Dazukommt einmal wöchentlich das Training bei Physio Dirk Lösel.

Dermaßen präpariert, sind die Voraussetzungen glänzend – und die Ergebnisse. "Franzi" gelangen 2017 Bestzeiten beim Marathon in Hamburg (2:53 Stunden) und auf der Halbdistanz in München (1:20), wo sie sogar Gesamtzweite wurde. Immer flankiert von ihrem Freund, der sich im abgelaufenen Jahr vor allem auf den Support seiner Partnerin konzentrierte. "In Hamburg war Moritz mein Pacemaker, hatte meine Gels dabei, hat Getränke geholt, ist an Gruppen rangelaufen, damit ich nicht so im Wind bin", blickt Rachowski zurück.

Weiß, der eine Ausbildung zum Physiotherapeuten macht und nebenbei bei einem Laufshop in Marburg arbeitet, erinnert sich gerne an seinen ersten Marathon 2012, den er gleich in 2:41 Stunden bewältigte. "Das Faszinierende war nicht die Zeit, sondern das Gefühl, es geschafft zu haben."

Ihren Ursprung haben beide auf der Mittelstrecke. Moritz Weiß, der lange parallel Fußball spielte, war 2004 sogar Hessenmeister mit der 3x-1000-m-Staffel des TV Großen-Linden und ließ mit seinen Kollegen damals Teams wie Eintracht Frankfurt und Darmstadt hinter sich. Irgendwann ging’s dann zum TSV Krofdorf-Gleiberg, wo Franziska Rachowski schon im Verein war. Die hatte bereits im Alter von sechs Jahren mit der Leichtathletik angefangen. "Vom Sehen kenne ich Moritz schon von früher, als wir noch Kinder waren. Als er nach Krofdorf kam, haben wir uns aber erst richtig kennengelernt", erzählt sie.

Rote-Bete-Saft vs. Alkohol

In Sachen Ernährung orientiert sich das Duo an Sportwissenschaftler Wolfgang Feil, nimmt aber auch das nicht allzu streng. Rachowski, die im Mai ein Referendariat an einer Grundschule beginnen wird, lässt durchblicken: "Gerade über Weihnachten oder an Tagen, nach denen kein Training ansteht, hält man sich nicht so zurück." Und Weiß ergänzt: "Essen soll ja auch Spaß machen." Deswegen trinkt er keinen Rote-Bete-Saft, auch wenn das Feil-Konzept es vorsieht. Auf der anderen Seite lässt der 25-Jährige aber auch den Alkohol komplett weg. Für ihn keine Entbehrung: "Warum sollte ich etwas trinken, was mir gar nicht mehr schmeckt? Da ist mir das Training wichtiger."

Ein richtig gelungener Trainingstag kann bei Moritz Weiß und Franziska Rachowski übrigens so aussehen: Vormittags begleitet einer den anderen bei dessen langer Laufeinheit über 30 Kilometer mit dem Fahrrad. Nachmittags werden die Rollen getauscht. "Aber das ist hart", sagen die beiden. "Das muss man wollen."

Quelle: Gießener Allgemeine

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