Gesprächsbedarf haben während des Spiels Bayerns Thomas Müller und Eintracht-Mittelfeldspieler Gelson Fernandes (r.). Keine Diskussion gibt es darüber, dass die Münchner am Ende verdient gewinnen und sich so die Meisterschaft sichern.
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Gesprächsbedarf haben während des Spiels Bayerns Thomas Müller und Eintracht-Mittelfeldspieler Gelson Fernandes (r.). Keine Diskussion gibt es darüber, dass die Münchner am Ende verdient gewinnen und sich so die Meisterschaft sichern.

Gespräche abgebrochen

Trostpreis für die Eintracht

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Wenigstens noch Platz sieben. Eintracht Frankfurt hat nach einer bemerkenswerten und unglaublich kräfteraubenden Saison dank der Nachbarschaftshilfe aus Mainz die Qualifikation für die Europa League geschafft. Das Fazit der Verantwortlichen fällt einmütig aus.

Zehn Minuten vor dem Ende hat es der Frankfurter Sportvorstand nicht mehr ausgehalten auf seinem Sitz im Münchner Stadion, die Spannung war einfach zu groß. In den Bann hatte Fredi Bobic nicht gezogen, was auf dem Rasen passierte, da war der Käse längst gegessen: 1:5 lagen seine dem neuen deutschen Meister Bayern München in allen Belangen hoffnungslos unterlegenen Frankfurter Fußballer hinten. Viel dramatischer ging es noch in Mainz zu, wo die Nullfünfer drauf und dran waren, der Eintracht einen großen Gefallen zu tun. Also schaute sich Bobic die bemerkenswerte und schließlich von Erfolg gekrönte Aufholjagd der Mainzer gegen die TSG Hoffenheim an, hinterher sagte er dankbar: »Respekt für den Sportsgeist und die Fairness.«

Der Nachbar aus Rheinhessen hat also Eintracht Frankfurt davor bewahrt, gänzlich mit leeren Händen dazustehen. Aus eigener Kraft und ohne Schützenhilfe hätten es die Frankfurter nicht geschafft, in München hatten sie nie den Hauch einer Chance, selbst nach dem zwischenzeitlichen 1:1 durch Sebastien Haller (50.) glimmte ein schwacher Hoffnungsschimmer lediglich für ganze 180 Sekunden, dann erzielten die »um zwei Klassen besseren Bayern« (Trainer Adi Hütter) per Doppelschlag erst das 2:1 und darauf das 3:1. Das ging für ausgelaugte Frankfurter alles zu schnell.

Platz sieben also, der Trostpreis. Das ist nicht ganz das, was sich Eintracht Frankfurt noch vor vier Wochen vorgestellt hat. Vor vier Wochen war die Champions League noch in greifbarer Nähe, die erneute Qualifikation zur Europa League fast nur noch Formsache.

Zuvor hatte Bobic gesagt: »Ohne die beiden Spiele gegen Chelsea wären wir schon lange für die Champions League qualifiziert.« Diesen beiden Kraftakte waren zu viel, diese beiden Spiele hatten zu viele Körner gekostet. Trainer Hütter attestierte seinem Team: »Die Mannschaft ist komplett ausgepresst wie ein Zitrone, viele Spieler gehen auf dem Zahnfleisch. Die Europa League hat viel Kraft gekostet.« Immerhin haben die Hessen den Worst Case mit vereinten Kräften verhindert, sie haben sich, dank Mainz 05, auf einen siebten Platz gerobbt und damit die Chance erhalten, im Herbst wieder auf europäischer Bühne aktiv zu sein. Das lindert den ersten Schmerz über den Einbruch auf den letzten Metern etwas. Das erste Qualifikationsspiel wird am 25. Juli angepfiffen, mitten in der Sommervorbereitung, und danach hätte die Eintracht im Erfolgsfalle bis zum 22. August jeden Donnerstag ein Spiel. »Jetzt gehen wir halt früher auf Tour und beginnen damit, Stimmung in Europa zu machen«, sagte Bobic.

Und doch stimmte am Ende das Trostpflaster Platz sieben die Eintracht zufrieden. »Es war ein überragendes Jahr mit unglaublich vielen Highlights«, freute sich Bobic. Und: »Es ist eine Steigerung zur letzten Saison. Es war ein tolles, emotionales Jahr mit so vielen Highlights wie sie andere Vereine in fünf Jahren nicht erleben.« Man brauche vielleicht ein paar Tage, um die vergangenen zwölf Monate zu verarbeiten. Aber dann könne jeder nur zu dem Schluss kommen: »Boah, das war ein geiles Jahr für die Eintracht.«

Auch Adi Hütter wollte das zurückliegende Jahr nur »sehr, sehr positiv bilanzieren«. Kein Mensch habe Eintracht Frankfurt diesen Parforceritt durch Liga und Euro League vorher zugetraut, weder der Mannschaft, die anfangs nahe der Abstiegszone verortet wurde, noch ihm, dem Neuling in der »deutschen Bundesliga«, wie er oft andächtig sagte. »Ich war ja ein unbeschriebenes Blatt«, dafür heißer Anwärter auf den ersten Trainerrauswurf der Saison.

Es ist anders gekommen. 54 Punkte, fünf mehr als im vergangenen Jahr (die seinerzeit locker zu Platz sechs gereicht hätten), »tolle Europacupnächte«, deutsche Rekorde in der Gruppenphase gebrochen und viele Spieler weiterentwickelt zu haben - Hütter war sichtlich angetan von dieser Runde. Und selbst die Aussicht auf eine deutlich komplexere Vorbereitung im Sommer mag ihm die Freude auf die Rückkehr auf die - zunächst etwas kleinere - europäische Bühne nicht verhageln. »Ich bis sehr froh, dass wir dabei sind«, sagte der 49-Jährige, der am Dienstag mit der Mannschaft zu einer fünftägigen Marketing-Reise nach China aufbricht.

Verteidiger Martin Hinteregger, der ein sehr turbulentes Jahr mit Abstiegskampf in Augsburg und Europapokal in Frankfurt erlebt hat und liebend gerne bleiben würde, brachte die allgemeine Stimmung auf den Punkt: »Nicht viele Vereine freuen sich über Platz sieben so wie wir.«

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