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Tischfußball? »Völlig unterbewertet!«

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Von: Sven Nordmann

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Es gibt eine Sportart, in der befinden sich der TFC Staufenberg und der VfB Rodheim/Horloff ungefähr auf Augenhöhe mit den Fußballprofis von Eintracht Frankfurt und Hannover 96: Tischfußball.

Für einen guten Kneipenspieler ist es kaum zu glauben, wie hoch das Niveau da ist«, sagt Dirk Droese, der für Rodheim/Horloff selbst antritt. Vor dem Auftakt an diesem Wochenende (25. und 26. März im Hochsauerland) haben wir die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Wetteifern am Kickertisch zusammengestellt. Welche Rolle spielen die beiden heimischen Teams in der Liga?

Der VfB Rodheim/Horloff sieht sich im Mittelfeld der 24 Teams umfassenden Bundesliga und hat Deutsche Meister und Nationalspieler wie Felix Droese in seinen Reihen. Vor fünf Jahren besuchte dessen Vater ein Kicker-Turnier und war begeistert. »Ich habe mir gesagt: So lasse ich mich nicht mehr abziehen.« Er fragte in Staufenberg nach – dort wird schon seit 1972 im Verein Tischfußball ausgeübt. Letztlich entschied sich Droese dazu, eine eigene Abteilung in Rodheim zu gründen. Während der VfB auch auf Gastspieler (in dieser Saison aus Siegen) setzt, spielen in Staufenberg nur heimische Akteure. In dieser Saison ist der TFC wieder aus der 2. Bundesliga aufgestiegen. »Das ist eine eingeschworene Gemeinschaft«, zollt Droese Respekt. Das Ziel für den Aufsteiger ist klar: »Das kann nur der Klassenerhalt sein«, sagt Mark Rubner aus dem Vorstand des TFC.

Wie laufen die Wettkämpfe in der höchsten Spielklasse ab?

An zwei Wochenenden werden elf Vorrundenspiele sowie Playoffs und Playdowns absolviert. Insgesamt gibt es somit nur vier Tage, an denen sich die Ligazugehörigkeit für die kommende Spielzeit entscheidet, aber alleine in der Vorrunde 55 Doppel und 22 Einzelduelle für jedes Team. Das erste von zwei Wettkampfwochenenden steigt an diesem Samstag und Sonntag im Center Parcs Hochsauerland, das zweite im August. Die Bundesligisten werden in zwei Vorrundengruppen mit je zwölf Teams aufgeteilt – das macht elf Partien. Diese bestehen aus je fünf Doppeln und zwei Einzeln mit jeweils zwei Sätzen. Für einen Sieg benötigt man fünf Tore. Zusätzlich zu 1. und 2. Bundesliga gibt es die Ligen der Landesverbände (Bezirksliga, Verbandsliga, Landesliga), in denen regelmäßig Spieltage anstehen – dort sind Staufenberg und Rodheim/Horloff ebenfalls vertreten und kommen so auch zu Heimspielen. Haftet dem Tischfußball zu Recht das Kneipenimage an?

»Der Sport ist völlig unterbewertet«, meint der 50-jährige Droese. »Das Spiel ist geprägt von viel Taktik und Schnelligkeit. Du musst nachdenken. Ein Beispiel: Wenn der Gegner den Ball hinten hin- und herlaufen lässt, musst du im Verbund Stürmer/Verteidiger im gleichen Rhythmus abdecken. Es gibt Spieler, die können einen verzweifeln lassen, weil sie so gut im Durchlassen von Fünfer- zu Dreierkette sind oder einfach extrem gut blocken können.« Auch Rubner aus Staufenberg weiß um die Komplexität in den höheren Ligen: »Das ist eine ganz andere Sache als in der Kneipe, wo meistens nur draufgehauen wird. Im Training übst du auch Sachen wie das Durchlegen oder das Ballgefühl.« In der Bundesliga gibt es in den Hallen ein Alkoholverbot. Zuschauer kommen zu den Veranstaltungen allerdings selten. Wer betreibt die Sportart, aus welchen Ländern kommen die Spieler?

In Staufenberg setzt man auf die Lokalität und agiert ausschließlich mit Spielern aus dem Verein. »Das ist bei uns so Tradition, wir wollen immer wieder versuchen, auch so konkurrenzfähig zu sein. Und das klappt ja auch, sonst hätten wir nicht den Wiederaufstieg geschafft«, sagt Mark Rubner. In Rodheim/Horloff nimmt man auch Gastspieler auf. Die stärksten Bundesligisten lassen für die Wochenenden Ausländer kommen. So sind bei Eintracht Frankfurt unter anderem Robert Atha (Großbritannien), Martin Dousa (Tschechien), Pascal Salzgeber (Schweiz) und Tony Spredeman (USA) gelistet. Bis vor zwei Jahren spielten die Frauen auch bei den Männern mit. »Es gibt beim Tischfußball echt gute Frauen«, meint Droese. Sie wurden mittlerweile aber ausgegliedert, spielen in ihrer eigenen Konkurrenz.

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