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Unter Beobachtung.

Hüttenzauber

Eintracht im Trainingslager: Berichte mit großer Liebe zum kleinsten Detail

Seit 2008 versorgen der Enkhaamer und der Exil-Bischemer die Eintracht-Online-Gemeinde mit ihren Beobachtungen und Gedanken.

Der Mann wählt seinen Platz auf der Tribüne sorgsam, er setzt sich niemals mitten hinein in einen Pulk, sondern platziert sich etwas abseits. Ablenkung mag er gar nicht, am liebsten möchte er nicht mal angesprochen werden, er spricht ja auch niemanden an. Er schaut, späht, beobachtet, mit Adleraugen. Er ist voll fokussiert, höchst konzentriert, ihm entgeht nichts, keine Bewegung, kein Flachschuss, kein Hammer von Moppes, kein Hackentrick von Gonzo, kein Winkelschuss von Johnny. Ihm darf nichts entgehen, gerade jetzt nicht, da sein Kompagnon nicht vor Ort ist, sein kongenialer Partner weilt im Urlaub in der Toskana, weit weg von Thun, 650 Kilometer so alles in allem.

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Für die FR macht er eine Ausnahme, der Mann, den alle nur als Enkhaamer kennen und schätzen und, ja lieben. Doch im Gespräch braucht er seine Pausen, schaut gebannt aufs Feld, tippt schnell in sein Handy. Der Enkhaamer, in Abwesenheit seines Kumpels Exil-Bischemer, ist in eigener Mission unterwegs, sein Hobby-Job?

Mit großer Liebe zur Eintracht - und zum Detail

Er verfasst Berichte aus den Trainingslagern der Eintracht, präzise und lückenlos, mit großer Liebe zum kleinsten Detail. Und mit Wortwitz, Finesse, Ironie. „Im dritten Kreis mit acht Jungs haben Russ und Haller auf jeden Fall die Haare schön. Nicht so schön, wie Müller und Willems umherstolpern“, schreibt er dieser Tage vom Aufgalopp in Thun. Auch Taleb Tawatha hat es ihm angetan. „Der läuft praktisch die ganze Zeit nur auf der Tartanbahn und macht einen auf Dieter Baumann. Hoffentlich ist die Zahnpasta im Mannschaftshotel in Ordnung.“ Oder Ante Rebic. „Er läuft schon heiß, er hat sich die Hemdsärmel zum Muscle-Shirt hochgekrempelt“, bei den Laufübungen zum Schluss aber sei „Lokomotivführer Lucas Torro immer einen Ticken vor der Zeit am Ziel, Rebic dagegen tänzelt auffallend arrogant des Öfteren als letzter Richtung Box.“

Die Ausführungen kommen an, sie haben mitten ins Herz des offiziellen Eintracht-Forums getroffen, wo die beiden Männer, beide Jahrgang 1972, beide in Frankfurt geboren, beide Hardcore-Eintracht-Fans, aber schon lange nicht mehr in Frankfurt lebend, für ihre Ergüsse regelmäßig abgefeiert werden. Völlig zu Recht. „Vielen Dank, ihr Quartals-Irren, Lesespaß pur“, lautet nur einer von vielen anerkennenden Kommentaren.

Beobachtungen zur Eintracht seit 2008

Seit 2008 versorgen der Enkhaamer und der Exil-Bischemer die Eintracht-Online-Gemeinde mit ihren Beobachtungen und Gedanken, damals reisten sie dem Team hinterher nach Zell am Ziller, der erste Text ging tatsächlich über das einstige Wunderkind Caio, der das mit den Stabi-Übungen nicht so ganz hinbekommen hat. „Er konnte es halt einfach nicht“, erzählt der Enkhaamer. Ihre Einlassungen sind pfiffig, auch mal provokant oder ironisch, aber nie unter die Gürtellinie. Sie haben ihre Nische gefunden zwischen professionellen Beobachtern (Journalisten), die ja nicht immer können, wie sie wollen, weil sie abwägen und dosieren, eher distanziert sind. Und auch den vereinseigenen Medien, die einen klaren Auftrag im Sinne des Klubs haben. „Wir können auch mal foppen, sarkastisch sein“, sagt der Enkhaamer. „Das ist unsere besondere Form.“

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Ihr Highlight erlebten sie, als sie 2009 im portugiesischen Vale do Lobo die Spieler Nikos Liberopoulos, Martin Fenin und Habib Bellaid in ihrem Mietwagen vom Trainingsplatz ins Hotel chauffierten, „weil die Jungs einfach zu faul zum Gehen waren“, wie der Enkhaamer anmerkt. Beinahe hätte es den guten Habib erwischt, weil Chauffeur Enkhaamer schon aufs Gas gestiegen war, die Seitentür aber noch offen stand. Nix passiert. „Friedhelm F. schien trotzdem not amused, als der Miet-Mini mit zwei Unbekannten und seinen drei Hoffnungsträgern an ihm vorbeibretterte – fortan mussten dann alle Frankfurter einträchtig laufen ;-) Fanmobil-Verbot!“

So beschreiben die beiden die Szene in ihrem Buch, das sie – auf vielfachen Wunsch – tatsächlich in Eigenregie herausbringen werden. Mehr als 500 Seiten, sämtliche rund 130 Trainingslagerberichte werden enthalten sein. Wer möchte, kann sich so ein Teil schon jetzt vorbestellen, unter twitter.com/Enkhaamer1 gibt es alle Infos. Ende Oktober soll das Werk, von Fans für Fans, veröffentlicht werden. Es lohnt sich, die Adleraugen haben genau hingesehen und es noch genauer aufgeschrieben. Seit elf Jahren nun schon. Ende nicht in Sicht.

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