+
In der Offensive gefährlich, in der Defensive zweikampfstark: der Frankfurter Turbo Filip Kostic.

Filip Kostic

Filip Kostic: „Leistung ist meine Sprache“

  • schließen
  • Thomas Kilchenstein
    Thomas Kilchenstein
    schließen

Der Frankfurter Flügelsprinter Filip Kostic spricht über sein ruhiges Naturell, die beste Saison seiner Karriere, wie groß der Anteil von Eintracht-Trainer Adi Hütter daran war und wie sehr er seine beiden Kumpels Luka Jovic und Ante Rebic vermisst - und das weitgehend auf Deutsch.

Filip Kostic hat sich bei Eintracht Frankfurt mittlerweile zum besten Mann aufgeschwungen. Der linke Flügelspieler, 26 Jahre alt, in Kragujevac, der viertgrößten Stadt in Serbien geboren, ragt mit seinen unnachahmlichen Läufen heraus. Wenn alle denken, da kann doch kein Sprit mehr im Tank sein, setzt Kostic wie selbstverständlich zum nächsten Spurt an. In bisher 13 Saisoneinsätzen schoss er vier Treffer und bereitete vier weitere für seine Kollegen vor.

Der Beginn dieser herausragenden Entwicklung liegt etwas länger als ein Jahr zurück, am 23. September 2018 bot Trainer Adi Hütter den Nationalspieler im Heimspiel gegen RB Leipzig erstmals als Linksverteidiger auf – ein überraschender Taktikkniff für alle, für Reporter, Fans und zu guter Letzt auch für den Spieler selbst. „Aber mittlerweile ist es meine Lieblingsposition“, sagt Kostic, der ansonsten eher ungern in der Öffentlichkeit spricht, in einem Interview mit der FR. Und schon mal gar nicht auf Deutsch. Für die FR macht der Familienvater, der sich in Frankfurt richtig wohlfühlt („Eine tolle Stadt“), diesmal eine Ausnahme. Die deutsche Grammatik sei nicht einfach, vor allem die richtige Artikelauswahl zwischen Der, Die und Das. „Uiuiui“, sagt Kostic und schmunzelt dabei, „das ist wirklich kompliziert.“

Filip Kostic, mit welchem Teamkollegen spielen Sie denn jetzt Mensch-ärgere-Dich-nicht?
(lacht) Nur mit Mijat, nur mit Mijat (Gacinovic, Anm. d. Red.), der Rest ist ja nicht mehr da. Wir spielen im Moment immer Eins-gegen-Eins, aber vielleicht bekommen wir Dejan (Joveljic, Anm. d. Red.) ja auch bald dazu, dass er gegen uns antritt.

Vermissen Sie Ihre ehemaligen Teamkollegen Ante Rebic und Luka Jovic, mit denen Sie ja nicht nur auf dem Rasen gut harmoniert haben, sondern auch abseits davon, zum Beispiel bei Brettspielen?
Klar, wir haben uns gut verstanden, auf dem Platz sowieso, aber auch nach dem Training haben wir viel Zeit miteinander verbracht. Wir waren oft zusammen unterwegs, haben dann viel über Fußball gesprochen, aber auch über unser Privatleben und unsere Familien. Natürlich vermisse ich sie, doch dass Spieler einen Verein zu verlassen, gehört nun mal im Fußballgeschäft dazu. Wir sind Profis und wissen das. Jetzt haben wir bei der Eintracht neue, gute Spieler in der Mannschaft. So ist das halt.

Fühlen Sie sich denn ein bisschen allein?
Nein, die gesamte Mannschaft hält zusammen. Wir sind wie eine Familie.

Filip Kostic soll vermehrt selbst den Abschluss suchen

Zu den neuen Spielern gehören auch die beiden Angreifer Bas Dost und André Silva. Was zeichnet die Nachfolger von Rebic, Jovic und Sebastien Haller denn aus?

Bas ist dominant mit dem Kopf, Silva ein sehr schlauer Spieler, der sich gut bewegt. Beide brauchen natürlich ihre Zeit, um die beste Leistung bringen zu können, sie sind ja noch nicht so lange hier in Frankfurt. Aber auch bisher haben sie schon gezeigt, dass sie für uns zu sehr wichtigen Spieler werden können.

Flanke Kostic, Kopfballtor Dost: Könnte diese Abfolge eine Waffe des Eintracht-Spiels werden?
Das hört sich gut an, denn für mein Spiel ist es schon wichtig, dass wir Spieler wie Bas im Zentrum haben, die im Strafraum wissen, was sie zu tun haben und wie sie die Flanken verwerten können.

Zuletzt haben Sie auch selbst häufiger den direkten Weg zum Tor gesucht, viel auf den Kasten geschossen. Oder täuscht der Eindruck?
Nein, das stimmt. Manchmal muss ich auch selbst in die Mitte ziehen und nicht nur draußen an der Linie bleiben. Das gehört zu unserer Taktik dazu. Außerdem brauche auch ich noch einen Moment Zeit, um die Laufwege von Bas oder André in der Mitte noch besser kennenzulernen.

War die vergangene Saison die bisher beste Ihrer Karriere?
Ja, das war meine beste. Persönlich habe ich viele Tore geschossen und Vorlagen gegeben. Und auch insgesamt als Mannschaft hatten wir viel Spaß zusammen, haben oft gewonnen und gute Leistungen gezeigt. Die Saison war super für alle.

Nicht ganz unwichtig, vielleicht sogar entscheidend für den Erfolg der Vorsaison war Ihre Nominierung als linker Verteidiger mit einer Menge Offensivdrang. Hat Sie diese Entscheidung von Trainer Adi Hütter vor ziemlich genau einem Jahr denn überrascht?
Alle haben damals gesagt, der kann nicht defensiv spielen, der ist Offensivspieler. Aber der Trainer und die Mannschaft haben an mich geglaubt. Und ich habe gezeigt, dass ich es kann. Es war natürlich hilfreich, dass die ersten Spiele für mich gut gelaufen sind, dadurch habe ich an Selbstvertrauen gewonnen.

Eintracht Frankfurt: Ins Abseits gestellt

Und jetzt ist es Ihre Lieblingsposition…
Genau, jetzt ist es meine Lieblingsposition.

Es ist aber doch schon einigermaßen erstaunlich, wie schnell Sie als Flügelstürmer die Abwehrarbeit gelernt haben, oder?
Das kommt durch den Trainer und die gesamte Mannschaft, wir üben das ja ständig. Wichtig ist natürlich, sehr konzentriert, immer bereit und fit zu sein. Ich gebe auf dem Platz immer 100 Prozent, um dem Team zu helfen. Ich will meine Qualitäten für die Mannschaft einbringen.

Eintracht Frankfurt: Filip Kostic ist happy am Main

Bei Ihren vorherigen Stationen in Deutschland, beim VfB Stuttgart und dem Hamburger SV, lief es ja nicht so toll. Sie stiegen mit beiden Klubs ab, hatten auch selbst nicht gerade das beste öffentliche Image.

Ja, ich weiß, dass viele Menschen nicht so positiv über mich gedacht haben. Aber ich konnte ja in Stuttgart und Hamburg nicht allein etwas daran ändern, wir haben im Kollektiv nicht so gut gespielt. Ich habe in dieser Zeit viel gelernt, und jetzt bin ich in Frankfurt und hoffe, dass wir wieder eine gute Saison spielen. Ich bin richtig happy in dieser Stadt.

Ist es schwierig, diese kritischen Töne zu verarbeiten?
Das ist normal im Fußball. Es kann nicht immer alles positiv sein, ich arbeite professionell und muss auf dem Platz immer 100 Prozent geben. Das ist mein Job und darauf habe ich mich konzentriert.

Vor dem Spiel gegen Werder Bremen: Makoto Hasebe wieder eine Option

In Frankfurt haben Sie im Sommer Ihren Vertrag bis Sommer 2023 verlängert. Wie lange bleiben Sie denn wirklich bei der Eintracht? Auch Jovic, Haller und Rebic hatten ja eigentlich noch gültige Verträge, sind nun aber weg.

In diesem Moment weiß ich das nicht. Nach der vergangenen Saison haben Trainer Adi Hütter und Sportvorstand Fredi Bobic mit mir gesprochen und mir beide gesagt, dass ich bleiben soll. Das war auch gut so, denn ich bin sehr glücklich bei der Eintracht. Wir haben hier die besten Fans, das beste Stadion und das beste Umfeld.

Almamy Touré: Der Verteidiger ist im Aufwind

Gab es denn, wie berichtet, ein konkretes Angebot für Sie von einem anderen Verein? Inter Mailand soll ja Interesse gezeigt haben.

Da müssen Sie Fredi fragen. (lacht) Nein, aber im Ernst: Der Verein hat mir viel gegeben. Der Trainer, Fredi und viele andere haben sofort an mich geglaubt, als ich vergangenes Jahr kam. Deshalb will ich ihnen nun auf dem Platz etwas zurückgeben.

Eintracht Frankfurt gegen Werder Bremen: Das Spiel live in TV und im Internet

Im vergangenen Ligaspiel bei Union Berlin hat sich Torwart Kevin Trapp an der Schulter verletzt, er wird monatelang fehlen, damit fällt er auch als Führungsspieler aus. In welcher Rolle sehen Sie sich innerhalb der Mannschaft?

Ich bin kein Spieler, der extrem viel redet. Das sicher nicht. Mein Job ist es, immer 100 Prozent zu geben. Ich probiere, mit Leistung auf dem Platz zu führen. Das ist meine Sprache. Aber wenn mir etwas wichtig ist, wenn es mal Probleme gibt, sage ich natürlich auch, was ich darüber denke.

Interview: Daniel Schmitt und Thomas Kilchenstein

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare