Dominik Kohr wundert sich über die „komische Situation.“
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Dominik Kohr wundert sich über die „komische Situation.“

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt in der Corona-Krise: Spieler machen sich ihre Gedanken

  • Thomas Kilchenstein
    vonThomas Kilchenstein
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Bei der Eintracht stellt man sich auf eine lange Durststrecke ein - und setzt bei möglichen Geisterspielen auch auf die Macht der Fantasie.

  • Mijat Gacinovic genießt das Wetter am Main
  • Spieler von Eintracht Frankfurt machen sich Gedanken
  • An Spiele ohne Publikum gewöhnen

Frankfurt - Das schöne Wetter am Wochenende hat Mijat Gacinovic zu einem kleinen Bummel mit Gattin und Nachwuchs am Main genutzt, natürlich im vorgeschriebenen sicheren Abstand zu anderen Spaziergängern. Und ganz sicher komplett anders als jene Gruppe von jungen Leuten, die Eintracht-Vorstand Fredi Bobic ebenfalls an diesem Wochenende ebenfalls am Mainufer beobachtet hatte. „Zu zehnt“ hätten sie da auf „einer Decke gesessen und Party gemacht“, sagte der direkt am Fluss wohnende Bobic. Der überwiegende Teil freilich hätte sich „sehr pflichtbewusst und diszipliniert“ gezeigt.

Eintracht Frankfurt: Spieler machen sich Gedanken

So wie sich auch die Profis von Eintracht Frankfurt gezwungenermaßen auf diese Situation eingestellt hätten, was sollten sie auch anderes tun? In vielen Gesprächen mit den Spielern habe er herausgefiltert, dass sie sich durchaus Gedanken machten: „Da hörst du dann raus, dass der eine oder andere nicht so sicher ist, wie er damit umgehen soll.“ Und sich frage: „Ist es richtig, wieder zu spielen, kann ich wirklich Zweikämpfe machen? Das alles ist verständlich. Sie sind ja auch nur Menschen.“ Manche gingen mit der aktuellen Situation lockerer um, die meisten fühlten sich bei Eintracht Frankfurt optimal aufgehoben und umhegt.

Dominik Kohr zum Beispiel, der defensive Mittelfeldspieler, verspürt keine Angst, über kurz oder lang wieder Fußball zu spielen. „Ich mache mir keine Sorgen über eine Fortsetzung der Saison, denn wir wurden auch von unserem Arzt über alles aufgeklärt. Wir Spieler gehören nicht zur Risikogruppe, und ich weiß, dass ich hier in den besten Händen bin, falls doch etwas sein sollte.“ Eine „komische Situation“, darüber gibt es keine zwei Meinungen, sei es natürlich, bestenfalls in Kleinstgruppen trainieren zu können, selbst wenn positionsspezifisch gearbeitet werde könne. „Das ist für den Kopf nicht leicht.“ Und im Kern kann sich der 26-Jährige, dessen Stärken in der rustikalen Zweikampfführung liegen, nicht vorstellen, „von heute auf morgen wieder Fußball zu spielen.“ Eine gewisse Zeit müsse die Mannschaft auf alle Fälle gemeinsam mit dem Ball trainieren können, bestimmt zwei Wochen, und ohne ein Training elf gegen elf sei es unvorstellbar, in der Liga Pflichtspiele zu absolvieren. Nach und nach müsse man „die Pumpe ordentlich steigern“, sagt Kohr. Immerhin sei er sich bei einer Sache sicher: „Zweikämpfe verlernt man nicht.“

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Eintracht Frankfurt: Wertschätzen, was fehlt

Dass man indes „lernen“ muss, Fußball zu spielen ohne Zuschauer, glauben die bei der Eintracht sportlich Verantwortlichen allerdings. Es werde „noch eine ganze Ecke dauern“, sagt Marketingvorstand Axel Hellmann, ehe Fußball möglich sei, „so wie wir ihn lieben“. Und Geisterspiele ohne frenetische Unterstützung der Fans könnte gerade für ein Team wie Eintracht Frankfurt, das wie kaum ein anderes von „Emotionen, Leidenschaft und dem Stadiongefühl“ (Hellmann) getragen werde, zu einem gravierenden Nachteil werden. „Dieses Zusammenfügen von Menschen und Mannschaft zu einem ganz besonderen Erlebnis“ werde definitiv fehlen, befürchtet der 48-Jährige. Er empfiehlt, die momentane Situation als eine Art „Zwischenstation“ zu sehen, als „Übergangsszenarium“, damit „Fußball überhaupt weiter bestehen kann“. An diese gespenstisch anmutende Lage ohne Publikum „werden wir uns gewöhnen müssen“, sagt Fredi Bobic, wohl oder übel.

Das ginge einfacher, vermutet der Vorstand im Gespräch mit dem HR, wenn man sich vergegenwärtige, wie es war, als Spiele noch mit 50 000 Zuschauern im Rücken möglich waren. Man benötige diesen Blick, „diesen Traum - Augen zumachen und sagen: Wir arbeiten jetzt darauf hin, wenn das Stadion wieder voll ist. Diese Bilder müssen wir im Kopf behalten.

Diese Vorstellung von Normalität könne helfen, all die Einschränkungen, die künftig auf die Protagonisten zukämen, ertragen zu können. Und man könne jetzt vielleicht noch ein bisschen mehr wertschätzen, was es bedeute, in einem vollen Stadion ganz normal Fußball zu spielen - ohne Masken, Tests oder möglicher Quarantäne.

Und mit Torjubel ohne Zuschauer musste sich einer wie Dominik Kohr bislang ohnehin nicht ernsthaft auseinandersetzen. In seinen 29 Pflichtspielen für die Hessen ist dem Mittelfeldakteur gerade einmal ein Treffer gelungen, beim 5:0 gegen den FC Vaduz. „Bisher wusste ich sowieso nie, was ich machen soll, wenn ich mal ein Tor geschossen habe“. Es passierte ja so selten.

Von Thomas Kilchenstein

Unterdessen spricht Alex Meier über seinen Status als Fußballgott in Frankfurt, frühere Beschimpfungen vor dem Fanblock, seine Lieblingstrainer und weshalb es ihm vor allem Sergej Barbarez angetan hat. Jonathan de Guzman verlässt die SGE wahrscheinlich.

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