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Will von seinem Landsmann Silva im Eintracht-Sturm profitieren: Gonzalo Paciencia.

Eintracht Frankfurt

Ein Rucksack mit Vorschusslorbeeren für André Silva

Neuzugang André Silva galt mal als Nachfolger von Cristiano Ronaldo. Jetzt geht es für ihn in Frankfurt erst einmal darum, sich auf Bundesliganiveau zu stabilisieren

Frankfurt - Vor zwei Jahren hat sich der große Cristiano Ronaldo ziemlich weit aus dem Fenster gelehnt: „Wenn ich zurücktrete, ist Portugal in guten Händen. Denn das Team hat bereits einen tollen Stürmer gefunden: André Silva.“ Das war im Juni 2017, und der junge Angreifer, den sich der berühmte CR7 als seinen Nachfolger ausgeguckt hatte, schien auf dem besten Weg zu einer Bilderbuchkarriere - gerade hatte er in 87 Pflichtspielen für den FC Porto 38 Tore geschossen, da klopfte schon der renommierte AC Mailand an, überwies 38 Millionen und André Miguel Valente Silva ward ein „rossonero“, ein rotschwarzer. 

Das war natürlich ein gewaltiger Rucksack voller Vorschusslorbeeren, den Ronaldo seinem Landsmann da so zwischen Tür und Angel auf den Rücken geschnallt hatte, danach wirkte es, als sei der für den aus dem Norden Portugals stammenden Stürmer zu schwer. In Mailand hat der technisch starke und elegante Spieler nicht ganz an diese Leistungen anknüpfen können, zehn Tore in 41 Spielen waren den Italienern zu wenig, sie verliehen ihn zum FC Sevilla. Auch dort kam er auf eine ähnliche Quote, 40 Partien, elf Tore. Allerdings war er auch monatelang an der Patellasehne im Knie verletzt.

Eintracht Frankfurt: André Silva sieht sich als Teamplayer, der der Mannschaft helfen möchte

In Frankfurt verspricht sich der 1,84 Meter große Stürmer einiges, er wolle sich sportlich weiterentwickeln, sagte er in einem ersten Interview dem klubeigenen TV, zudem wolle er „als Persönlichkeit wachsen“. Er selbst sieht sich als „Teamplayer“, der der Mannschaft „helfen möchte, der auf dem Platz viel arbeitet und kämpft.“ Anders etwa als sein Sturmpartner Bas Dost definiere er sich „nicht allein“ über den Torerfolg, betonte der Portugiese, der sich vor seinem Wechsel intensiv mit Landsmann Goncalo Paciencia ausgetauscht hat. Beide hatten alle Jugendmannschaften des FC Porto durchlaufen und viele Erfolge feiern dürfen. „Jetzt wollen wir gemeinsam noch mehr erreichen“, sagte er. Paciencia habe ihm übrigens erzählt, Frankfurt sei ein „sehr reizvoller Ort zum Fußballspielen“.

DFL terminiert Bundesliga-Spiele - Eintracht Frankfurt muss am Montag ran

Eintracht Frankfurt hat - spät, aber noch rechtzeitig - die Lücke geschlossen, die der Weggang der drei Topstürmer Luka Jovic, Sebastien Haller und Ante Rebic gerissen hat, zumindest auf dem Papier. In André Silva, Bas Dost und Goncalo Paciencia scheinen die Frankfurter, zumindest nach allem, was sich bislang sagen lässt, ordentlich aufgestellt - allerdings hatten die glorreichen Drei in der letzten Saison 41 der 60 Frankfurter Tore in der Liga erzielt.

Eintracht Frankfurt: Adi Hütter zufrieden mit seinen drei Mittelstürmern

Aber der Frankfurter Trainer Adi Hütter ist zufrieden mit seinem neuen stürmischen Trio. „Es ist schon schön, einen portugiesischen Nationalspieler vom AC Mailand verpflichten zu können“, sagte der Fußballlehrer, der seine beiden neuen Stoßstürmer in den nächsten zehn Tagen bis zum Auswärtsspiel beim FC Augsburg ins Team integrieren muss. Dazu trifft es sich, dass sowohl Bas Dost als auch André Silva nicht für die Kader ihrer jeweiligen Auswahlmannschaften nominiert wurden, allerdings muss sich Silva auf Abruf bereithalten. Der Niederländer hat ohnehin schon betont, dass für ihn die zwei Wochen Pause ungemein wichtig seien, um körperlich auf den Stand einer ambitionierten Mannschaft zu kommen. „In der Bundesliga muss man mehr laufen.“ Beide könnten womöglich am Freitag, im Testspiel gegen Chemie Leipzig am Bornheimer Hang (20 Uhr), spielen.

Es ist damit zu rechnen, dass Eintracht Frankfurt künftig anders spielen wird und muss. Ohnehin wollte man mehr Variabilität ins Spiel bringen. Die Wucht eines Ante Rebic fehlt jetzt, er war ja ein Spieler, den man gerne auf die Reise hatte schicken können - „Bruda, spiel den Ball lang“ - und der durch seine Aggressivität Räume schuf. Solch einen Akteur haben die Hessen jetzt nicht mehr, weder Silva noch Paciencia und schon gar nicht Dost sind ausgewiesene Sprinter. Dafür können sie gut mit dem Ball umgehen, Bas Dost bringt zudem seine Körperlichkeit und eine enorme Präsenz auf den Rasen.

André Silva verfügt über einen Torriecher – Alle drei Angreifer eher selten in der Startelf

Hütter muss zudem einen Platz für alle drei finden. Das könnte schwierig sein, denn alle Angreifer sind Mittelstürmer, haben ihre Stärken im Zentrum, in Sevilla hatte Silva das Gros seiner Tore aus kurzer Distanz erzielt, er verfügt durchaus über einen Torriecher. Paciencia immerhin weicht zuweilen auf die Flügel auf, legt - wie am Sonntag gegen Düsseldorf - von dort den Kollegen auf. Er ist aber, wie ebenfalls Bas Dost, auch einer, der in der Luft große Vorteile hat. Vermutlich werden alle drei Angreifer eher selten in der Startelf gemeinsam auf dem Platz stehen - aber das hat man in der vergangenen Runde auch gesagt und dann ist das Trio Rebic/Jovic/Haller doch zusammen auf Torejagd gegangen. Und zwar sehr erfolgreich.

Die Offensivabteilung - zu der noch der elegante Techniker Daichi Kamada zählt - könnte also ein Versprechen auf die Zukunft sein. Sofern sie rechtzeitig zueinanderfinden. Dejan Joveljic, der Vierte im Bunde, benötigt noch einige Zeit, sich an das Bundesliganiveau zu gewöhnen. Und hintendran stehen in Sebastian Rode und Djibril Sow, der gegen Fortuna Düsseldorf nach seiner Verletzung bereits seine ersten vielversprechenden Schritte getan hat, ebenfalls Akteure bereit, die mit dem Ball nicht auf Kriegsfuß stehen. Gelegenheit, ihr Potenzial abzurufen, gibt es genug - bis Weihnachten gibt es noch 21 Pflichtspiele.

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