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Turmbau zu Vaduz. Die Eintracht-Profis bejubeln das 5:0.

DFB-Pokal

Eintracht Frankfurt rotiert schon vor dem Start

Wo Eintracht Frankfurt sportlich wirklich steht, ist nach dem lockeren 5:0 gegen Vaduz in der Europa-League-Quali weiter offen. Wird das Pokalspiel in Mannheim zur Standortbestimmung?

Der auf dem Fußballplatz so konsequent aufräumende Dominik Kohr, genannt Hardkohr, hielt sich nach der eindeutigen Ansage der Eintracht in Vaduz verbal eher im Ungefähren auf. Das Ergebnis, ein sattes 5:0, sei deutlich, und natürlich gehe er davon aus, dass „wir das über die Bühne bringen“, aber einem Fußballprofi wird eben gelehrt, sich nur ja nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, weshalb der Neuzugang den Kantersieg in Liechtenstein letztlich reflexartig nur noch als „gute Ausgangslage“ fürs Rückspiel am Donnerstag in Frankfurt wertete.

In Wahrheit ist die Chance, dass der FC Vaduz noch die beiden Playoffspiele um den Einzug in die Europa League erreichen wird, so hoch wie die Wahrscheinlichkeit, dass Ostern und Weihnachten auf einen Tag fällt. Die Eintracht könnte am Donnerstag problemlos die A-Jugend in der Arena im Stadtwald antreten lassen – die Teilnahme an den entscheidenden Ausscheidungsspiele, vermutlich gegen Racing Straßburg (1:0-Sieger in Plowdiw), wäre ihr wohl dennoch nicht zu nehmen.

Das wird sie natürlich nicht tun, das mit der A-Jugend, doch nach dem lockeren Spielchen im Fürstentum ist klar, dass die Eintracht für das Rückspiel andere Reize setzen wird. „Mit dem Ergebnis ist alles klar“, sagt Marketingvorstand Axel Hellmann. „Aber wir werden im Rückspiel dennoch ein volles Haus haben. Und es gilt ja auch, Sebastian Rode und Kevin Trapp bei uns willkommen zu heißen.“ Die Eintracht berauscht sich weiterhin an sich selbst, in Vaduz waren knapp 5000 Frankfurter unterwegs, „unter der Woche“, wie Hellmann anmerkt. „Wir feiern diese Teilnahme an den europäischen Spielen, du erlebst viel, das ist das Besondere.“

Der ganze Klub geht auch die Qualifikationspartien mit größtmöglicher Seriosität an. „Wir sind mit voller Kapelle in Liechtenstein gewesen“, erzählt Hellmann. Und auch zum Rückspiel wird sich an den Abläufen nichts ändern, ein offizielles Mittagessen in gebührendem Rahmen mit den Vertretern des FC Vaduz steht auf dem Plan. „Europa wird bei uns so gelebt“, sagt Hellmann.

Eintracht Frankfurt hat Pflichtspiele als Tests

Adi Hütter steht eher vor der Aufgabe, sein Team auf die nächsten Partien vorzubereiten. Da ist ein wenig Bastelarbeit gefragt. „Der Trainer hat bestimmt einen Plan, was er machen will“, sagt der Bällejäger Gelson Fernandes. In den kommenden beiden Begegnungen bis zum Bundesligastart in acht Tagen gegen Hoffenheim wird er das Ensemble durcheinanderwirbeln. Bereits am Sonntag in der ersten Runde des DFB-Pokals beim Drittligisten Waldhof Mannheim (15.30 Uhr) wird, wie der Trainer anmerkt, „eine andere Mannschaft“ auf dem Platz stehen. Der 49-Jährige will die größere Tiefe im Kader dazu nutzen, die Belastung entsprechend zu steuern und die Spannung seiner Profis hochzuhalten. „Rotation ist wichtig, jeder Spieler muss bereit sein“, begründet der Fußballlehrer, schränkt aber selbst ein: „Man sollte es auch nicht übertreiben mit der Rotation.“

Die Spieler selbst wissen, dass das Team, zumindest auf gewissen Positionen, häufiger mal verändert wird. „Wir können jetzt rotieren, damit wir frisch in die Bundesliga starten“, prophezeit Dominik Kohr, und Nebenmann Fernandes schreibt seinen Mitstreitern hinter die Löffel, nur ja bereit zu sein, wenn die Chance kommt. „Wir haben viel zu tun in dieser Saison“, sagt er, und deshalb müsse sich niemand zurückgesetzt fühlen, wenn er mal nicht in der ersten Elf stehe. „Wir haben keine B-Mannschaft, wir brauchen alle Spieler.“

Nur wenige Akteure, wie Makoto Hasebe oder die beiden Flügelspieler Danny da Costa und Filip Kostic, scheinen von größeren Umbaumaßnahmen verschont. Das wird ab sofort natürlich auch für Torwart Kevin Trapp gelten.

In Liechtenstein genügte der Eintracht eine „konzentrierte und fokussierte Leistung“ (Sportvorstand Fredi Bobic), um das Liechtensteiner Team auf schlechtem Geläuf locker abzufiedeln. Die Mannschaft war in der Tat mit größtmöglicher Ernsthaftigkeit am Start, schon nach 43 Sekunden hatte sie zwei Möglichkeiten gehabt, in Führung zu gehen. „Das hat mir gut gefallen“, sagt der Trainer. „Und wir haben auch so gut wie keinen Torschuss des Gegners zugelassen.“ Auch da: Daumen hoch.

Hütter aber relativiert, ohne dem minderbemittelten Kontrahenten allzu dolle vors Schienbein zu treten: „Das hat jetzt nichts mit Vaduz zu tun, aber gegen einen Schweizer Zweitligisten will ich einfach einen Klassenunterschied sehen.“

Was die bisherigen drei Qualispiele generell wert sind, vermag niemand mit absoluter Gewissheit zu sagen. Fast alle Protagonisten sind jedoch der Meinung, dass der in dieser Spielzeit so früh eingetretene Ernstfall hilfreich sein könnte. „Unsere Testspiele waren Pflichtspiele“, merkt Fredi Bobic an. Was der Ex-Nationalspieler meint, erklärt Mittelfeldmann Kohr: „Das ist nicht wie ein Freundschaftsspiel, in dem du vielleicht 80 Prozent gibst. Das sind Spiele, in denen du 100 Prozent abrufst. Das wird uns weiterbringen, solche Partien sind Gold wert.“ Das ist eine absolut nachvollziehbare Einschätzung, die mentale Bereitschaft und eine seriöse Herangehensweise sind vorteilhaft, die Spieler werden nicht von Null auf 100 katapultiert, sondern haben schon unter Wettkampfbedingungen gespielt und sich durchgesetzt.

Doch es bleiben ein paar Fragezeichen, denn so richtig gefordert wurde die Mannschaft natürlich noch nicht. Flora Tallinn und erst recht der FC Vaduz sind nicht die Kragenweite eines deutschen Bundesligisten, haben nicht das erforderliche Level, um auf diesem Niveau mitzuhalten und ein annähernd gleichwertiger Gegner zu sein.

Da ist Waldhof Mannheim schon ein anderes Kaliber, „das wird zu 100 Prozent ein anderes Spiel“, sagt Hütter, der Drittligaaufsteiger habe ein robustes, zweikampfstarkes Team beisammen, das am vergangenen Wochenende nach „einer tollen Leistung“ 1860 München 4:0 geschlagen hat. Dennoch werde der Bundesligist die Aufgabe in Mannheim wie in Liechtenstein hochseriös angehen, „wir sind ein gebranntes Kind“, erinnert Hütter an die 1:2-Pokalpleite vor einem Jahr in Ulm. Für Sebastian Rode kommt ein Einsatz nach seiner Knie-OP wohl zu früh, „bei ihm möchte ich vorsichtig sein“. Ante Rebic und Kevin Trapp dürften dagegen in der Startelf stehen. Am Sonntag (15.30 Uhr) wartet also die nächste Standortbestimmung auf die Eintracht. „Da“, sagt der Coach, „müssen wir an unsere Leistungsgrenze kommen.“ Wo auch immer diese zurzeit anzusiedeln ist.

(Ingo Durstewitz)

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