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Hat zurzeit Schwierigkeite, sich zu behaupten: Eintracht-Angreifer Goncalo Paciencia (links), hier im Duell mit dem Mainzer Moussa Niakhate. Bild: dpa

Eintracht Frankfurt

Eintrachts Stotter-Sturm trifft nicht mehr: Woran es in Frankfurt hakt

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Bei Eintracht Frankfurt drückt der Schuh zurzeit vor allem im Angriff, die Stürmer treffen nicht, die Gründe dafür sind vielfältig – und alles andere als einfach zu beheben

Frankfurt - Es ist ja nicht so, dass sie es nicht versuchen würden. Satte 210-mal haben die Fußballspieler aus Frankfurt auf des Gegners Kiste geballert, nur die Bayern habe es öfter probiert. Herausgesprungen sind für die Eintracht bisher 22 Tore, das sind mehr als fast alle anderen Teams aus der unteren Tabellenhälfte der Bundesliga, aber auch weniger als die Spitzenmannschaften erzielt haben. Es ist, wie so vieles in dieser Saison, leicht gehobenes Mittelmaß.

Was auffällt: In den zurückliegenden drei Ligaspielen hat die Eintracht nur ein einziges Törchen fabriziert, in Freiburg (0:1) und zu Hause gegen Wolfsburg (0:2) ging sie leer aus, in Mainz (1:2) schaffte sie immerhin einen Treffer, den zur Führung durch Verteidiger Martin Hinteregger. Noch auffälliger: Die Stürmer treffen nicht mehr.

Eintracht Frankfurt: Stürmer treffen nicht mehr

In den vergangenen fünf Begegnungen kommen die Frankfurter auf genau ein Tor eines Angreifers, Goncalo Paciencias Treffer zum 5:1-Endstand gegen die Bayern ist die einzige Bude einer Spitze in mehr als 450 Spielminuten – das ist natürlich zu wenig, um oben attackieren zu können. „Uns fehlt die Durchschlagskraft“, sagt Trainer Adi Hütter.

Die Flaute lässt sich aber durchaus erklären, denn im Kern ist der Portugiese Paciencia der einzige Offensivspieler, der regelmäßig aufläuft. Der 25-Jährige ist auch stets bemüht, reibt sich auf, aber dreht so ein bisschen im Leerlauf, er wirkt überspielt, seine Frühform hat er eingebüßt. 

Eintracht Frankfurt: Bas Dost kämpft mehr mit sich selbst

Das Vertrackte: Alternativen sind rar gesät. Bas Dost hat sich mal wieder verletzt abgemeldet, seit der Partie in Freiburg klagt er über muskuläre Probleme, die das neue Ärzteteam offenbar nicht in den Griff bekommt. Der Sturmtank ist nicht fit, sein Auftritt im Heimspiel gegen Wolfsburg, als er sich angeschlagen zur Verfügung stellte, sprach Bände: Da zeigte der 30-Jährige eine denkbar matte Leistung, wirkte schwerfällig und träge, hatte ganz 17 Ballkontakte in 90 Minuten. 

Seitdem ist er wieder außen vor, stand weder in der Europa League in London noch in der Liga in Mainz im Aufgebot. Sein körperlicher Zustand ist seltsam schlecht – obwohl er schon länger als ein Vierteljahr in Frankfurt weilt und die Defizite aus seiner Zeit bei Sporting Lissabon aufgearbeitet haben sollte. Wie wertvoll der Niederländer sein kann, wenn er physisch besser drauf ist, zeigte er bereits, gegen Leverkusen oder Bayern lieferte er klasse Darbietungen ab. Er ist der Stürmertyp, den die Eintracht bei ihrer auf vielen Flanken fußenden Spielweise braucht.

Rebic-Ersatz André Silva kommt bei Eintracht Frankfurt nicht in Fahrt

Auch André Silva, der Dritte im Bunde, kommt nicht recht auf Touren, sein bislang letztes Tor schoss der portugiesische Nationalspieler beim 2:2 gegen Werder Bremen – das liegt zwei Monate zurück. Die hartnäckige Achillessehnenreizung habe ihn „zurückgeworfen“, wie Coach Hütter zu bedenken gibt. „Er ist nicht so weit, dass ich ihn von Anfang an bringen kann.“ 

Das hatte der Fußballlehrer in London versucht, nach einer unterirdischen und fast schon lustlosen Vorstellung blieb der 24-Jährige in der Kabine. In Mainz saß er 90 Minuten auf der Bank, selbst als die Eintracht zum Schluss noch mal alle Kräfte mobilisierte, um doch noch den Ausgleich zu erzielen, durfte Silva nicht mittun; Hütter schöpfte das Auswechselkontingent gar nicht aus. Das sagt auch einiges.

Eintracht Frankfurt: Dejan Joveljic spielt noch keine Rolle

Und Dejan Joveljic? Der voreilig als Nachfolger von Luka Jovic ausgerufene Serbe spielt momentan noch keine Rolle, kam in den zurückliegenden zehn Ligaspielen auf einen siebenminütigen Kurzeinsatz beim 2:4 in Mönchengladbach, der lernwillige und aufgeschlossene 20-Jährige muss sich noch akklimatisieren. „Er ist ein junger Spieler, er braucht aber auch Zeit, um sich an das Tempo und die Robustheit in der Bundesliga zu gewöhnen“, bekundet Trainer Hütter. Der schmächtige U-21-Nationalspieler muss körperlich zulegen.

Eintracht Frankfurt: Wo ist die neue „Büffelherde“?

Klar ist, dass niemand erwarten konnte, dass die Eintracht ihr gesprengtes magisches Dreigestirn nahtlos würde ersetzen können, dazu waren Ante Rebic, Luka Jovic und Sebastien Haller zu außergewöhnlich und – auch in dieser speziellen, sich ergänzenden Konstellation – zu gut. Es ist auch nicht ratsam, den drei Topstürmern, die bei ihren neuen Arbeitgebern übrigens fortwährend (Jovic bei Real Madrid, Rebic beim AC Mailand) oder neuerdings (Haller bei West Ham United) auf der Bank sitzen, nachzutrauern oder sich verklärten Blickes der Vergangenheit zuzuwenden.

Denn es ist mitnichten so, dass die aktuellen Stürmer nicht genügend Qualität mitbringen würden, sie müssen sie halt nur auf den Platz bringen (können). Das ist eine Aufgabe für die medizinische Abteilung und schließlich für den Trainer, der seine Angreifer, wenn sie denn fit sind, ins Laufen bringen muss. Dass sie durchaus Tore machen können, auch wenn sich die Frankfurter Angriffsformel generell verändert hat, haben sie schon bewiesen.

Eintracht Frankfurt: Spiel ist berechenbarer

Generell ist das Spiel nicht mehr so wuchtig und unberechenbar, die Dynamik und das Tempo der vergangenen Spielzeit fehlen. Das lässt sich auch mit gesunden Paciencias und Dosts und Silvas nicht kompensieren. Aus dem Spiel heraus sind die Frankfurter ohnehin nicht mehr so zwingend, dafür nach Ecken extrem gefährlich, haben schon fünf Tore nach einem ruhenden Ball von der Eckfahne aus gemacht. Auch international haben sie auf diese Weise bereits fünfmal zugeschlagen – das ist Spitze in der Europa League.

Coach Hütter ist auf der Suche nach der rechten Balance und einer konstant schlagkräftigen Formation, beides ist schwierig zu finden. Der 49-Jährige muss nicht nur vorne improvisieren (und oft genug Spielmacher Daichi Kamada in die Spitze beordern), auch in der Abwehr und im Mittelfeld wechseln die Besetzungen häufiger mal, entweder durch Rote Karten (Fernandes, Abraham, Kohr) oder Verletzungen und Krankheiten (Rode, Touré, Hasebe). „Wir haben mit unglücklichen Situationen zu kämpfen“, sagt der Österreicher daher ganz nüchtern, „wir sind ein bisschen unglücklich unterwegs.“ Jammernd sollte sich das freilich nicht anhören.

Von Ingo Durstewitz 

Vorne hakt es derzeit etwas, hinten gibt Frederik Rönnow alles, um seinen Kasten sauber zu halten. Im Exklusivinterview spricht er über die Schnelllebigkeit des Geschäfts, sein Verhältnis zu Kevin Trapp und Starkult. 

Besonders hakt es bei der Eintracht momentan im Sturm. Ein spektakulärer Rücktausch könnte hier Abhilfe schaffen - und neben der Eintracht auch dem AC Mailand nutzen. Ein Kommentar.

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