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Danny da Costa von Eintracht Frankfurt.

Eintracht Frankfurt

Eintracht Frankfurt: Flankenkönige kämpfen um ihre Form

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Eintracht Frankfurt attackiert mehr als jedes andere Bundesligateam über die Außen, manch Profi aber kämpft gerade mit seiner Form.

Frankfurt - Wäre Almamy Touré ein Tennisspieler, er hätte sich am Sonntagabend durchaus über einen schmerzenden Tennisarm beklagen können. Wäre Touré ein Golfspieler, hätte ihm vielleicht auch ein nerviger Golferarm geblüht. Nun ist er aber weder Tennis- noch Golfspieler, auch macht er keine sich ständig wiederholenden Armbewegungen. Selbst beklagen wollte er sich nicht, nicht einmal über ein autschendes Fußballerbein.

Dabei hätte Almamy Touré sich diese der Kreativität entsprungene Blessur durchaus zuziehen können, so groß war beim 2:2 gegen Bremen die Belastung für seinen Oberschenkel. Ein ständiges Ausholen, Schießen und Durchschwingen. Elfmal schlug der Verteidiger von Eintracht Frankfurt den Ball in hohem Bogen von rechts in die Mitte, kein anderer Profi machte das an diesem Abend so häufig wie der 23-Jährige. Der beste Bremer, Leonardo Bittencourt, schaufelte zwei Flanken hinein – geradezu lächerlich im Vergleich.

Eintracht-Trainer Adi Hütter fand hinterher entsprechend lobende Worte für den verteidigenden Franzosen, der sein bestes Spiel im Eintracht-Dress gemacht hatte, weil er eben nicht nur Angriffe des Gegners abwehrte, sondern auch eigene einleitete. „Er hat viel Dampf gemacht. Ich bin froh, wenn Spieler Druck aufbauen“, sagte Hütter und meinte den internen Konkurrenzkampf um den Posten des rechten Innenverteidigers zwischen Touré und David Abraham, den aktuell der zehn Jahre jüngere Profi gegen den Kapitän zu gewinnen scheint.

Touré war nicht nur im Bremen-Spiel der Hereingabenprimus auf dem Rasen, er hat sich dadurch auch ligaweit nach vorne geflankt. Obwohl er in nur vier von sieben Bundesligapartien der Hessen randurfte, listet ihn die Statistik auf Rang zwölf auf. Die Führenden dieser Kategorie sind in Frankfurt ebenfalls wohl bekannte Männer, Filip Kostic und Danny da Costa. Sage und schreibe 35 hohe Bälle haute Kostic während seiner bisher sechs Ligaspiele in die Mitte, da Costa brachte es in vier Partien auf ebenfalls beachtliche 30 Flanken. Werte, die viel über das Offensivspiel der Eintracht verraten.

Eintracht Frankfurt ist spitze

Es ist ja nicht ganz neu, dass die Frankfurter ihre Attacke über die Außen vollführen, das war vergangene Runde ein probates Mittel. Gleichzeitig galt aber auch immer der weite Schlag von hinten auf den vordersten Zentrumsspieler, Mittelstürmer Sebastien Haller, als erfolgsbringende Variante. Diese ist nach dem Wechsel des 1,90-Meter-Hünen weitestgehend weggefallen, zumindest bisher, da der noch sechs Zentimeter größere Bas Dost wegen Trainingsrückstands und eines verletzungsbedingten Päuschens gegen Bremen nicht richtig im Rhythmus ist.

Also tragen die Hessen ihre Angriffe häufiger als früher am Boden vor, passen den Ball von hinten heraus entweder direkt nach Außen oder spätestens dann, wenn Profis wie Sebastian Rode, Djibril Sow und Daichi Kamada im zentralen Mittelfeld am Werk sind. Sie suchen eher selten den direkten Weg zum Kasten und lieber den eingeplanten Umweg über die Seiten. 143 Mal flankten die Eintracht-Profis den Ball bereits in die Mitte, Ligahöchstwert, dahinter kam der FC Bayern gerade mal auf 92 der selbigen Aktionen.

Aber: Noch zu selten finden die Hereingaben passende Abnehmer. In Folge von Tourés Versuchen gegen Bremen köpfte Stürmer Goncalo Paciencia zwar einmal gefährlich auf den Kasten, ein zweites Mal resultierte auch der Führungstreffer von André Silva daraus, neun Flanken jedoch verpufften. Meist blieben sie schon vorne am ersten Bremer Verteidiger hängen.

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Dass bei der Eintracht überhaupt so häufig über die rechte Bahn angriffen wird, hat natürlich auch mit Filip Kostic zu tun. War der Serbe in den Qualispielen zur Europa League noch in bestechender Form, hatte er zuletzt doch arg mit sich selbst zu kämpfen. Der Linksaußen läuft sich zu oft fest, auch kann er sich in den Laufduellen seltener als gewohnt einen Vorteil ersprinten, um für zielgenaue Flanke die nötige Zeit zu haben. Nicht umsonst sucht Kostic momentan häufiger als früher den direkten, kürzeren Weg zum Tor. Seine 22 Schüsse bedeuten die viertmeisten der Liga.

An der Ausführung muss bei Eintracht Frankfurt noch getüftelt werden

Auf der rechten Seite teilen sich gleich drei Profis die Arbeitszeit auf. Platzhirsch da Costa, WM-Goldhamster Erik Durm und Spaßvogel Timothy Chandler. Während Chandler in Leipzig die Flanke zum späten Anschlusstor schlug und Durm noch ohne Assist ist, hinkt vor allem da Costa ein wenig hinter den Erwartungen her, die er durch seine starke Vorsaison selbst weit oben angesiedelt hatte. Der Fan von Dani Alves, beim FC Barcelona jahrelang der offensivstärkste Außenbahnrenner der Welt, befindet sich in einer nur schwer greifbaren Verfassung. Nicht richtig mies, aber auch nicht besonders toll. Der 26-Jährige, der vergangene Runde 50 Pflichtspiele absolvierte, probiert viel, läuft immer wieder an, kommt aber nicht so oft wie gewünscht an seinen Gegnern vorbei. Daher muss er viele Flanken aus dem Halbfeld und/oder dem Stand heraus in die Mitte bringen. Ihm gelang in der Liga bisher eine Vorarbeit.

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Zusammengefasst hat die Eintracht also auf den Außen – und mit Zielspieler Dost im Zentrum – eine Menge Potenzial, sie richtet gar ihr Offensivspiel mehr denn je darauf aus, an der Ausführung sollte aber noch getüftelt werden.

Von Daniel Schmitt

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