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Der blaue Brief in Eintracht-Rot

Offener Brief an die SGE

Schrei doch nicht gleich so, liebe Eintracht!

Wer die Dauerkarte nicht bezahlt, bekommt einen roten Brief von der Eintracht. Wir antworten stellvertretend für alle vergesslichen Fans der SGE.

Liebe Eintracht,

zuvorderst: Ich schreibe für einen Freund. Bitte nimm das nicht zum Anlass, meine Dauerkarte zu kündigen. Ich bin nur der Bote. Der Freund möchte anonym bleiben. Meinem Freund tut es leid. Ja, er hat seine Dauerkarte nach Erhalt Eurer Rechnung nicht direkt bezahlt. Es tut ihm leid, dass er das versäumt hat und Du ihm eine Mahnung schicken musstest. Das war sein Fehler.

Heute möchte ich mit Dir aber über etwas anderes sprechen. Du ahnst es vielleicht schon. Es geht um das rote Warnschreiben, das Du ihm inklusive der Mahnung postalisch hast zukommen lassen. Dort steht geschrieben, in schwarzen Versalien auf rotem Grund, als Überschrift und unterstrichen: „WICHTIGE INFORMATIONEN ZUR DAUERKARTENMAHNUNG!!!“ Das Ganze dann nochmal unterhalb des Textes.

Wer in Großbuchstaben schreibt, der schreit

Wie wichtig, wird durch die Dopplung und die drei Ausrufezeichen deutlich. Drei Ausrufezeichen in Verbindung mit Großbuchstaben lösten bei ihm das Gefühl aus, als würdest Du ihn anschreien, meinen Freund.

Das muss doch nicht sein. Ihr kennt Euch schon so lange, fast zehn Jahre, da kann man doch normal miteinander umgehen, auch wenn der eine dem anderen mal Geld schuldet. Durch dick (die letzten zwei Jahre) und dünn (fast alle anderen Jahre) seid Ihr gegangen. Und, unter uns: Dünn war häufiger als dick*.

Ob Meier, Nikolov oder Thurk - beim Schreien geht es um den Ton

Sicherlich hat er auch mal geschrien in der Zeit, aber eher aus Verzweiflung, aus Liebe gar, so im Sinne von „(S)AUF JETZT!!!“ oder „KÄMPFEN EINTRACHT, KÄMPFEN!!!“, und meistens sowieso eher so „NIKOLOV!!!“ und „FUßBALLGOTT“ und „THURK DU TYP*“ (leicht abgeändert). Niemals, oder fast nie, so anprangernd, wie das jetzt bei Dir gerade rüberkommt.

Der blaue Brief in Eintracht-Rot

Mein Freund weiß ja, dass er verpflichtet ist, „die erlangten Nutzen der Eintracht Frankfurt Fußball AG anteilsmäßig zu erstatten“, wie Du weiter unten ausführst, und er fühlt sich durch das anteilsmäßig irgendwie als Teil der AG, als ob ein Stück der Eintracht ihm gehört. Dafür soll ich Dir danke sagen. Auch wenn er nicht ganz versteht, wie man erlangte Nutzen anteilsmäßig erstatten kann, rein grammatikalisch jetzt.

Technisch betrachtet sollte außerdem darauf hingewiesen werden, dass er diese Nutzen bislang noch gar nicht erlangt hat, waren ja noch keine Heimspiele, gell?

105 Millionen Euro sind eine ganze Menge Geld

Außerdem wissen wir doch alle, er und ich und der Rest der Welt, aus der Berichterstattung über Dich*, liebe Eintracht, dass Du ca. 105 Millionen Euro auf dem Konto hast. Das entspricht in etwa der Quadratmeterzahl des Saarlands oder einem bayerischen Festgeldkonto*. Da kann man doch entspannt bleiben. Also einfach mal den Bimmbamm baumeln lassen, und die Kohle, die ja da ist, locker flockig investieren, bevor man die eigenen Fans aus dem Briefkasten anschreit und noch mehr Geld will.

Geld anlegen in neue Spieler vielleicht. Ich kann das zwar nicht mit Sicherheit sagen, wenn Du aber, liebe Eintracht, von den 105 Millionen schon mal 40 oder so in einen neuen Stürmer investiert hättest, ich bin mir sicher, dass mein Freund die Kohle voller Überschwang und Vorfreude fristgerecht bezahlt hätte.

Kommt jetzt Zlatan Ibrahimovic? Ja? Bitte!

Hat er ja auch in Zwischenzeit, keine Panik also. Hätte übrigens gereicht, der Hinweis, dass Du ihn sonst „zukünftig vom Kauf von Tickets auf Rechnung ausschließt“. Da ist sein Hinterteil schon auf Grundeis gegangen, wie man so sagt. Das stand aber auch schon auf der Mahnung selbst. Den blauen Brief in Eintracht-Rot hättest Du Dir irgendwie sparen können. Nur so. Ist jetzt aber auch egal. Wie gesagt: Die Kohle ist raus, schau bitte mal auf dem Konto nach. Und jetzt, liebe Eintracht, präsentiere meinem Kumpel den Zlatan. Den wollte er nämlich schon immer mal bei der Eintracht sehen. Die Dauerkarte darf er ja jetzt behalten.

*fr.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Redaktionsnetzwerks.

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