Jung, entwicklungsfähig: Evan Ndicka ist ein typische Entdeckung von Eintracht-Scout Ben Manga.

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Eintracht-Chefscout Ben Manga: Kreativität auf dem Transfermarkt beweisen

  • Ingo Durstewitz
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Der Transfermarkt wird sich durch Corona verändern, und die Eintracht und ihr Chefscout Manga werden wieder kreativ handeln müssen. Marcus Thuram war im Sommer im Fokus.

  • Eintracht Frankfurt muss auf dem Transfermarkt kreativ sein
  • Ben Manga hat engmaschiges Netzwerk im Scouting aufgebaut
  • Thuram war an der Angel

Frankfurt - Das Leben, so wie es die meisten Menschen auf diesem Planeten kannten, ist zum Erliegen gekommen, was für manche – neben Einschnitten und Problemen vieler Art – zwar Zeit zur Entschleunigung bietet, für andere aber eine harte Probe darstellt. Nehmen wir Ben Manga, den Chefscout und Kaderplaner von Eintracht Frankfurt, ein rastloser Charakter, umtriebig, immer unterwegs, ein Mann, der aus dem Koffer lebt. „Ich bin im Monat vielleicht fünf, sechs Tage zu Hause“, sagt der 46-Jährige. Das ist momentan erzwungenermaßen anders, auch Ben Manga ist, zumindest reisetechnisch, zur Untätigkeit verdammt. Das fällt ihm, dem modernen Globetrotter, nicht leicht.

Eintracht Frankfurt: Engmaschiges Netzwerk im Scouting

Es hilft ihm jetzt umso mehr, dass er sich im Laufe der Jahre ein engmaschiges Netzwerk aufgebaut hat, er ist bestens verdrahtet und informiert, hat einen klaren Plan, selbst in Zeiten des Stillstands gibt es keine interessanten Spieler, die nicht auf seinem Radar erscheinen, auch nicht solche, die nicht in der ersten Reihe stehen und die die Manager mit anderen wirtschaftlichen Möglichkeiten deshalb vielleicht gar nicht so wirklich auf dem Zettel haben. Ben Manga hat vorgearbeitet. „Ich habe viele Vergleichsmöglichkeiten durch meine Erfahrung“, sagte er.

Der frühere Profi, dessen aktive Karriere durch drei Kniescheibenbrüche vorzeitig beendet wurde, weshalb er es lediglich auf drei Bundesligapartien für Fortuna Düsseldorf brachte, ist für Eintracht Frankfurt Gold wert, er ist der Jäger der Talente, der Späher, das Adlerauge.

Ben Manga, in Äquatorial-Guinea geboren und im Rheinland aufgewachsen, hat gerade den ausländischen Markt im Blick, Spanien, Südamerika, Portugal, Frankreich, auch Italien. „Ich muss Nischen suchen in den Ländern“, bekundete er. Seine Muttersprache, Spanisch, öffnet ihm so manche Tür, die sonst vielleicht verschlossen bleiben würde.

Keine Reise ist ihm zu beschwerlich, kein Stadion fremd, kein Trainingsplatz zu abgelegen, egal in welch entlegenem Zipfel der Erde er sich gerade befindet. Er ist der, der die Trüffel sucht, selbst wenn sie tief vergraben sein sollten. „Ich behaupte, dass ich mehr sehe als andere“, sagte er einst der „FAZ“. „Wenn einer drei Tore schießt, war er gut, das sieht jeder. Meine Aufgabe ist es, kleinste Sachen zu erkennen.“ Dass er das kann, hat er oft genug bewiesen.

Ben Manga hat sich für die Verpflichtung von Jesus Vallejo oder Omar Mascarell stark gemacht, er empfahl Luka Jovic, Evan Ndicka und Almamy Touré, genauso wie Sebastien Haller, Goncalo Paciencia oder André Silva. Günstige und gute Spieler, die zumeist voll einschlugen. Das waren strategisch kluge Deals. Und Ausdruck der Philosophie, die Fredi Bobic seit 2016 implementiert hat: Junge, talentierte, ambitionierte Fußballer suchen und finden, solche, die noch nicht so im Fokus standen oder gerade in einer Schaffenskrise steckten, sie im nächsten Schritt entwickeln und für viel Geld in den Markt geben. Das hat bisher herausragend gut geklappt, allein vor dieser Saison verkaufte der Klub Jovic und Haller für rund 120 Millionen Euro.

Eintracht Frankfurt: Thuram war an der Angel

Kurioserweise ist die Transferpolitik gerade in dieser Spielzeit nicht aufgegangen, obwohl der Verein sehr viel Geld zur Verfügung hatte und auch ausgegeben hat. Es wurde zu sehr auf Altbewährtes gesetzt, weniger auf Jungprofis, die geführt und geformt werden müssen, deren Potenzial erst noch gehoben werden muss. Es scheint, als sei der Einfluss des Spähers Ben Manga im vergangenen Sommer nicht so groß gewesen wie zuvor. Ein Beispiel: Der Chefscout schlug vor, Stürmer Marcus Thuram von EA Guingamp zu holen. Doch letztlich blieb es beim Gedankenspiel, Thuram ging zu Borussia Mönchengladbach und startete dort durch.

Ben Manga braucht seine Freiheiten. Er muss spüren, dass ihm und seinem Urteil vertraut wird, in Fredi Bobic hat er daher einen Sportvorstand an seiner Seite, der ihn und seine Expertise über die Maßen schätzt. Kein Wunder, dass Mangas Vertrag bis 2023 ausgedehnt wurde.

Eintracht Frankfurt: Kader täte Verjüngung gut

Für Ben Manga und Fredi Bobic, die beide schon beim VfB Stuttgart gemeinsame Sache machten, ist die jetzige Corona-Krise eine spannende Zeit, weil zwar niemand genau weiß, wie sich der Transfermarkt verändern wird, aber sicher ist, dass er sich verändern wird. Die richtig großen Deals werden eher ausbleiben, es wird nun wieder darauf ankommen, findig zu sein, gewitzt, etwas zu riskieren, Transfers mit Fantasie und Entwicklungspotenzial einzufädeln. Die Eintracht wird sich, gezwungenermaßen, rückbesinnen und kreativ sein müssen, nicht nur, aber auch, weil der Kader mit 27,5 Jahren der zweitälteste der Bundesliga ist.

Vorbereitet ist die Sportliche Leitung, gerade Sportvorstand Bobic brennt darauf, aus dieser misslichen Situation das Beste zu machen und die Eintracht gestärkt aus der Corona-Krise hervorgehen zu lassen. Klar ist, dass es ein Geduldsspiel wird, weil gar nicht klar ist, wann das Transferfenster öffnen und wie lange es geöffnet bleiben wird.

Von Vorteil ist eben das große Netzwerk, der eine oder andere junge, talentierte Spieler ist bereits ins Visier genommen worden. Nicht unerheblich ist in diesem Zusammenhang, dass viele Großklubs ihre Kader werden verkleinern müssen. Gerade im Ausland ist es ja keine Seltenheit, dass die Spitzenvereine annähernd 50 Profis beschäftigen. Da tummeln sich auch in der zweiten Reihe ein paar Perlen, die man womöglich abstauben kann – und sei es durch eine Leihe plus Kaufoption. So hat die Eintracht Luka Jovic und Filip Kostic an Land gezogen, die beiden Toptransfers der letzten Jahre.

Von Ingo Durstewitz

Unterdessen spricht Alex Meier über seinen Status als Fußballgott in Frankfurt, frühere Beschimpfungen vor dem Fanblock, seine Lieblingstrainer und weshalb es ihm vor allem Sergej Barbarez angetan hat. Jonathan de Guzman verlässt die SGE wahrscheinlich.

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