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Fredi Bobic von Eintracht Frankfurt. 

Eintracht Frankfurt

Bundesliga Re-Start: Bobic rechnet mit „anderer Art von Fußball“

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Sportvorstand Fredi Bobic erwartet beim Re-Start der Bundesliga besonders motivierte Profis. Zudem verteidigen die Eintracht-Bosse erneut die Wiederaufnahme des Spielbetriebs.

  • Bobic, Sportvorstand von Eintracht Frankfurt, verteidigt den Neustart der Bundesliga
  • Vorstandskollege Hellmann sieht keine seriöse Alternative zum Weiterspielen
  • Sebastian Rode ist angeschlagen

Frankfurt - Die beiden meinungsstärksten Vertreter von Eintracht Frankfurt haben in diesen Tagen dezidiert den Re-Start der Bundesliga an diesem Wochenende verteidigt, was naturgegeben keine große Überraschung war, denn Fredi Bobic und Axel Hellmann sind Partei. Sportvorstand Bobic also sagte Radio FFH, man kämpfe „wie jeder Gastronom oder jedes Unternehmen auch“ um „unseren Wirtschaftszweig“ - mit den klitzekleinen Unterschied, dass für die Fußballer auf dem Platz die Abstandsregel, anders als etwa bei Gastronomen, eben nicht gilt. „Was wir gemacht haben, ist legitim.“

Eintracht Frankfurt: Hellmann sieht keine Alternative zum Weiterspielen

Sein Frankfurter Vorstandskollege Axel Hellmann sieht zum Weiterspielen seriös keine Alternative. Sollte der Betrieb nicht wiederaufgenommen werden, wäre „der Schaden für das Gesamtsystem immens, ein Nutzen marginal“, schrieb der Marketingexperte in einem Gastbeitrag für den „Kicker“. Es könne daher „nur bei dem Prinzip bleiben: Jedes sportliche Ergebnis ist besser als eine nichtsportliche Lösung. Dies wird nur durch eine Fortsetzung des Ligabetriebs sichergestellt“, selbst mit Spielverlegungen werde man leben müssen. „Es wird Härtefälle geben und am Ende gefühlte Ungerechtigkeiten.“ Wer sich aber gegen das Konzept der DFL für den Re-Start ausspreche und darin einen massiven Eingriff in die Integrität des Wettbewerbs sehe, müsse eine Antwort darauf geben, „ob und wie überhaupt noch ein sportlicher Wettbewerb existieren wird“, schrieb Hellmann, denn die Corona-Krise sei in der nächsten Spielzeit noch nicht beigelegt.

Hellmann verschloss in diesem Beitrag auch nicht die Augen vor Themen, die die Zukunft des durch die Pandemie stark in die Kritik geratenen Konstrukts Profifußball betreffen. Fragen „bezüglich der Ausgabenpolitik der Klubs, ihrer Finanzierungsstruktur und der Verteilung der Erlöse müssen wir uns stellen“. Man müsse Lösungen finden, „den Profifußball sturm- und bestandsfest“ zu machen.

Eintracht Frankfurt: Rode angeschlagen

Mit einiger Spannung und einer ordentlichen Portion Ungewissheit blicken nicht nur die beiden Frankfurter Macher auf die Partie am Samstag (18.30 Uhr) im bis auf knapp 300 Personen, die den Betrieb aufrecht erhalten sollen, menschenleeren Stadion im Stadtwald. Was also kann man erwarten von dem ersten von sehr vielen Geisterspielen? „Es wird anders werden, es wird komisch aussehen“, sagt Bobic, er rechnet mit einer „anderen Art von Fußball“. Vermutlich werden die Profis, die gut zwei Monate mit gebremsten Schaum üben durften, „vielleicht sogar übermotiviert aufeinander losgehen“, wie junge Hunde, „und hintenraus extrem müde sein“. Gerade den Eintracht-Spielern wird die Unterstützung durch ihr Publikum fehlen, das ihnen oft eine zweite Luft verschafft hat. Wenn Profis nach 60, 70 Minuten „einen Hänger“ gehabt hätten, sagt Bobic, dann hätten ihnen die Zuschauer über die Müdigkeit hinweggeholfen. Jetzt, bei dieser schaurigen Atmosphäre in einer leeren, kalten Arena, in der man jedes Wort hört, „muss jeder mit sich selbst klar kommen“. Immerhin können die Trainer in diesen Zeiten fünf Spieler ein- und auswechseln, bei weiterhin nur drei Wechselvorgängen.

An die veränderte Lage werde man sich gewöhnen müssen. Auch das wird über Erfolg oder Misserfolg entscheiden: Wer diese Ausnahmesituation mental am ehesten annimmt, wird Vorteile haben. „Wir machen das doch, damit irgendwann wieder Zuschauer erlaubt sein werden“, sagt Bobic. Ob das in diesem Jahr noch sein wird?

Eintracht Frankfurt: Prognose unmöglich

Rein sportlich ist eine Prognose zum Ausgang dieses Spiels zur Primetime nahezu unmöglich, kein Mensch vermag seriös vorherzusagen, wo die einzelnen Teams überhaupt stehen. Selbst nach einer Sommerpause waren in der Vergangenheit die Voraussagen von größerer Seriosität umweht, denn immerhin absolvierten die Bundesligisten eine Reihe von Testspielen. Auch die fehlen jetzt komplett. Der Neustart gleicht für alle einer Wundertüte. Dazu befindet sich die Eintracht erst seit acht, neun Tagen in einem geordneten Mannschaftstraining, aber natürlich ist Trainer Adi Hütter zuversichtlich, alles andere wäre ja kontraproduktiv: „Wir möchten sofort ein gutes Ergebnis erzielen.“ Er sei sogar überrascht gewesen, auf welch hohem Niveau die Mannschaft, trotz wochenlangen Übens bestenfalls in Kleingruppen, in puncto Technik und Tempo schon funktioniere. Allerdings haben die Hessen die letzten drei Bundesligaspiele vor der Zwangspause allesamt verloren bei einem Torverhältnis von 1:10 - der Trend spricht Bände.

Ob morgen gegen den Tabellenvierten Borussia Mönchengladbach eine Trendwende eingeleitet werden kann, bleibt abzuwarten. Wie auch, ob Sebastian Rode mit von der Partie sein kann. Wie es heißt, soll der defensive Mittelfeldspieler Probleme mit dem Knie haben.

Von Thomas Kilchenstein

Unterdessen vermeldet Eintracht Frankfurt die Verpflichtung eines großen Talents. Der junge Österreicher wechselt zur kommenden Saison an den Main. Bruno Hübner, Sportdirektor von Eintracht Frankfurt, bereitet sich durch die Corona-Auswirkungen auf den schwierigsten Transfermarkt vor, den er in seiner Karriere je erlebt hat.

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