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Kandidat für die Startelf? Neuzugang Andre Silva.

Fußball-Bundesliga

Eintracht Frankfurt in Augsburg: Von Reue und Ehrgeiz

Der hessische Bundesligist tritt in Augsburg mit dem Sorgenkind Martin Hinteregger und einer Menge Selbstvertrauen an.

Frankfurt/Augsburg - Sehr sicher wird Adi Hütter gestern Mittag um kurz vor eins wie immer eine Unterhaltung mit dem für ihn zuständigen Pressesprecher geführt haben, sehr sicher wäre jene Routine vor Pressekonferenzen von Eintracht Frankfurt diesmal aber kaum nötig gewesen. Denn der Trainer des Fußball-Bundesligisten wird gewiss gewusst haben, was da wenige Minuten später, pünktlich um 13 Uhr, bei der Unterredung mit den Reportern vor dem Auswärtsspiel der Hessen am Samstag (15.30 Uhr) beim FC Augsburg auf ihn zukommen würde: Martin Hinteregger, was auch sonst? Das Thema dieser Tage.

Adi Hütter zu Martin Hinteregger: "Natürlich bin ich nicht erfreut gewesen"

Tatsächlich waren kaum zehn Sekunden vergangen, da wurde Hütter mit dem zum wiederholten Male aus dem Gleichgewicht getorkelten Hinteregger, der am vergangenen Wochenende just vor dem wichtigen Länderspiel des österreichischen Nationalteams gegen Polen die Nachtruhe zwecks seiner eigenen Geburtstagsfeierlichkeiten um schlappe zehn Stündchen überzogen hatte, konfrontiert. Wie er mit diesem Fall denn umgegangen sei, wurde Hütter gefragt. 

Der 49-Jährige lächelte, um dann anzusetzen: „Total unerwartet jetzt die Frage.“ Ein weiterer Schmunzler, gefolgt von einem Schulterzucker und einer vorher vermutlich bestens zurechtgelegten Erklärung: „Ich wurde am Sonntagvormittag vom österreichischen Sportdirektor Peter Schöttel darüber informiert, was vorgefallen ist. Am Mittag habe ich noch mit Teamchef Franco Foda telefoniert. Nach der Rückkehr nach Frankfurt wurde Martin am Mittwoch der freie Tag gestrichen und ich hatte mit ihm ein Gespräch. Er hat sich sehr reuig gezeigt, aber natürlich bin ich nicht erfreut gewesen. Doch die Sache wurde intern bei der Nationalmannschaft gelöst, deshalb gibt es von meiner Seite dazu nichts mehr weiter zu sagen.“ Punkt. Thema erledigt. Zumindest vorerst. Denn klar ist, einen weiteren feuchtfröhlichen Vorfall dieser oder ähnlicher Güteklasse sollte sich Hinteregger so schnell nicht mehr leisten, dann würde wohl auch bei seinem Landsmann Hütter der Geduldsfaden reißen.

Eintracht Frankfurt: Martin Hinteregger gegen den FC Augsburg in der Startelf

Abschließend bestätigte der Fußballlehrer der Eintracht noch das, was bereits alle Beobachter der Trainingseinheiten in dieser Woche selbst sehen konnten. Die vermeintliche Wadenverletzung, die ja anfangs vom österreichischen Verband für die Nichtnominierung des Verteidigers vorgeschoben wurde, ist keine mehr. Gegen seinen Ex-Verein aus Augsburg wird Hinteregger daher mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Startelf stehen. Oder wie Hütter es formulierte: „Es ist so, dass Martin für das Wochenende ein Thema ist.“

Ebenfalls ein Thema, das vor dem 1700. Bundesligaspiel der Frankfurter zu besprechen war, ist die Besetzung der restlichen Positionen. Wie üblich ließ sich Hütter dabei nicht zu definitiven Aussagen hinreißen. Das macht er quasi nie, selbst der letzte Bankplatz soll für den kommenden Gegner eine Überraschung bleiben, so auch diesmal. Drei Antworten auf drängende personellen Fragen ließen sich aber zumindest in den Zwischentönen erahnen.

Eintracht Frankfurt: Welche Stürmer stehen gegen den FC Augsburg von Beginn an auf dem Platz? 

Erstens: Wird Mittelfeld-Zugang Djibril Sow nach überstandener Verletzung sein Debüt von Beginn an geben? Hütter: „Er ist zu 100 Prozent hergestellt und hat sehr gut trainiert.“ Klingt verdächtig nach einem Ja.

Zweitens: Werden die beiden Sturm-Zugänge Bas Dost und André Silva möglicherweise gemeinsam vom Start weg attackieren? Hütter: „Wir haben mit Bas und André, aber auch mit Dejan Joveljic und natürlich Goncalo Paciencia, der einen großen Sprung gemacht hat, vier gute Stürmer zur Verfügung. Wir haben viel Qualität hinzugewonnen und vor allem auch in der Breite ordentlich zugelegt.“ Klingt verdächtig nach einen Jein; und bedeutet wohl, dass anfangs nur einer der beiden neuesten Neuen neben dem zuletzt treffsicheren Paciencia auflaufen wird.

Drittens: Ist die Aufbietung von allen drei Stürmern eine Option? Hütter: „Sag‘ niemals nie. Aber wir haben ja mit Daichi Kamada dahinter einen Spieler gefunden, der die Qualität besitzt, in die Spitze zu gehen und den letzten Pass zu spielen. Wir wollen variabel bleiben.“ Klingt nach einem deutlichen Nein. So werden die Hessen beim schlecht gestarteten Tabellen-16. aus Augsburg also aller Voraussicht nach mit Kamada als Zehner hinter zwei Spitzen beginnen.

Mijat Gacinovic muss gegen den FC Augsburg angeschlagen passen

Verzichten muss Trainer Hütter dagegen auf die angeschlagenen Mittelfeldspieler Jonathan de Guzman und Mijat Gacinovic. Letztgenannter war zwar vergangene Woche noch für die serbische Nationalmannschaft am Ball, verspürte dann aber zum wiederholten Male Schmerzen an den Adduktoren und wird nun ein, zwei Wochen zur Sicherheit aus dem intensiven Trainings- und Spielbetrieb herausgenommen.

Gleichwohl sieht Hütter seine Mannschaft gut gerüstet für das Duell in der Fuggerstadt, wo die Eintracht vergangene Saison mit 3:1 gewonnen hatte. Es war der erste Sieg beim FCA in der Bundesligageschichte, im Rückspiel in Frankfurt gab es eine 1:3-Niederlage, die schmerzte, wähnten sich die Frankfurter damals doch noch auf Champions-League-Kurs. „Ich will nicht von einer Revanche sprechen“, so Hütter, der es damit doch tat, „aber wir können unseren guten Saisonstart in Augsburg bestätigen.“

Der Anspruch bei Eintracht Frankfurt ist extrem gewachsen

Zwar sieht der Coach seine Mannen nicht als Favorit, „bei dieser Einschätzung würde ich widersprechen“, die Spieler aber tragen ihre gewachsenen Ansprüche vermehrt an die Öffentlichkeit. Allen voran Torhüter Kevin Trapp, der via „Bild“ gar die Königsklasse ins Visier nahm: „Ich bin hier mittlerweile in einer Mannschaft, die sagt: Egal gegen wen – wir können gewinnen.“ Der Anspruch sei extrem gewachsen. „Und wenn das gelingen sollte mit einem Verein, der noch nie in der Champions League dabei war, und du quasi Legendenstatus kriegst, das ist unersetzbar. Diesen Ehrgeiz in der Mannschaft spürst du.“ Klingt verdächtig nach einer ganzen Menge Selbstvertrauen.

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