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Umstrittene Personalie der SGE: Andreas Möller.

Eintracht Frankfurt

Trotz Protesten der Ultras: „Andy Möller wird dem Verein guttun“

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Erwartungsgemäß wird Andreas Möller trotz aller Proteste der Ultras künftig das Nachwuchsleistungszentrum der SGE leiten.

Es war bei einem der letzten Europapokal-Auftritte der Eintracht in der vergangenen Saison, als Fredi Bobic den zur Frankfurter Delegation gehörenden Andreas Möller zur Seite nahm, er habe etwas mit ihm zu besprechen. Ob er es sich denn zutrauen würde, irgendwann einmal das Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) am Riederwald zu leiten, fragte der Sportvorstand. Das höre sich gut an, entgegnete der Welt- und Europameister, mittlerweile auch schon 52 Jahre alt, er werde es sich durch den Kopf gehen lassen.

Jetzt, mehr als ein halbes Jahr später, hat Andreas Möller bei der Eintracht einen Kontrakt bis 2022 unterschrieben. Darauf haben sich das Präsidium des Vereins, formell zuständig für das NLZ, und der Vorstand der Fußball AG einstimmig geeinigt. Möller folgt damit Armin Kraaz, der 16 Jahre im Leistungszentrum gearbeitet hatte, neun davon als dessen Leiter. Der ehemalige Profi wird künftig den Aufbau von „Fußballakademie- und Sportkooperationsprojekten in Nord- und Mittelamerika“ übernehmen. Der 54-Jährige wechselt somit vom Verein in die Fußball AG.

In der Fanszene der SGE sorgt Andreas Möller für Wirbel

Die Personalie hat in den letzten Wochen in der Fanszene für einigen Wirbel gesorgt, die Ultras hatten sich vehement gegen Andreas Möller ausgesprochen, hatten ihn auf Plakaten als „Hurensohn“ beleidigt und ihm ein angebliches Zitat von 2017 vorgehalten: „Zur Eintracht habe ich keine Verbindung, mit Frankfurt habe ich nichts zu tun“. Von derlei Missfallenskundgebungen („Möller ist ein absolutes No-Go“) aus dem Block hat sich Bobic zu Recht nicht beirren lassen. Wäre er eingeknickt, hätte er komplett sein Gesicht verloren. Als Chef eines Unternehmens mit einem Jahresumsatz von mehr als 200 Millionen Euro kann sich Bobic bei Personalentscheidungen nicht von Stimmungen aus dem Block leiten lassen – unabhängig von der Frage, ob Möller für diese Aufgabe geeignet ist oder nicht. Bobic, der mit Möller 1996 in England den Europameistertitel geholt hatte, ging viel mehr die Ultras frontal an, sagte, „wer gegen Möller ist, ist auch gegen mich“. Der Nordwestkurven-Rat nannte ihn „Sonnenkönig“ und warf ihm vor, „eine seltsame Vorstellung von Demokratie“ im Klub zu haben. Zudem warfen sie ihm vor, einer „Verwässerung der Eintracht-DNA“ Vorschub zu leisten. Möller ist auch deswegen bei den Fans zur Reizfigur geworden, weil er, mehr noch Freund und Berater Klaus Gerster, zu Frankfurter Zeiten stets mehr an das gemeinsame Wohl bedacht waren als an das des Klubs – und Treuebekenntnisse nicht immer ernst gemeint zu haben..

Bobic begründete am Samstag in einer ausführlichen Pressemitteilung, warum er seinen ehemaligen Mitspieler aus der Nationalmannschaft für genau den richtigen Mann erachtet: „Mit Andreas Möller holen wir nicht nur einen der erfolgreichsten Fußballer Deutschlands zu uns, sondern einen erwiesenen Fachmann, der die erklärte neue Schwerpunktsetzung im deutschen Nachwuchsfußball auf individuelle spielerische Klasse und Tempofußball verkörpert wie kaum ein anderer. Mit ihm wollen wir ein klares Signal setzen, auf welche Elemente wir in Zukunft im Nachwuchsfußball ein besonderes Augenmerk legen wollen.“

136 Bundesligaspiele für Eintracht Frankfurt

Der fünffache Vater Möller, im Besitz der Fußballlehrerlizenz, zeitweise bei Kickers Offenbach als Sportmanager und bei Viktoria Aschaffenburg als Trainer tätig, spielte seit der C-Jugend am Riederwald. Er absolvierte insgesamt 136 Bundesligaspiele für die Eintracht, spielte dann bei Borussia Dortmund, Juventus Turin und Schalke 04. Zudem wurde der 85-fache Nationalspieler Weltmeister (1990), Europameister (1996), Champions-League-Sieger (1997), Uefa-Pokalsieger (1993), zwei Mal Deutscher Meister und drei Mal DFB-Pokalsieger. Der Frankfurter Bub, er stammt aus dem Stadtteil Sossenheim und lebt seit 18 Jahren in Bad Homburg, hat im Grunde als Aktiver alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Auch der DFB hatte versucht, ihn in die Nachwuchsarbeit einzubinden. Zuletzt war Andy Möller Co-Trainer von Bernd Storck bei der ungarischen Nationalmannschaft (von 2015 bis 2017). Dort war der 52-Jährige auch für die Betreuung der ungarischen U17 und U19 verantwortlich und hatte die Aufgabe, neue Strukturen im Nachwuchsbereich, dem Scoutingsystem und der Trainerausbildung zu schaffen. Dies wird sicherlich auch sein Aufgabenfeld im NLZ sein, dazu soll er die Verzahnung zu den Profis verbessern und dafür Sorge tragen, dass künftig zwei, drei Spieler aus der Jugend in die Profimannschaft durchkommen. Möller, so sagt man, habe ein gutes Auge für Talente, kenne sich in der Branche aus, habe gute Kontakte. In den nächsten Tagen wird er den Betrieb am Riederwald erst einmal kennenlernen wollen.

Vereinsboss Peter Fischer macht kein Hehl daraus, dass die Eintracht im Nachwuchsbereich „neue Akzente setzen muss“, vor allem mehr Topleute aus der Region gewinnen. Möller „wird dabei in ein neu strukturiertes Team eingebettet sein“, das weiter personell verstärkt werde, erläuterte Fischer. Möller, der sich im Gespräch mit der FR nicht weiter äußern mochte, ließ sich so zitieren: „Die Entwicklung der Eintracht in den vergangenen Jahren ist in allen Bereichen beachtlich.“ Er wolle seine Erfahrungen einbringen, vor allem der „Förderung der individuellen spielerischen Qualität des Eintracht-Nachwuchses“ wolle er sich verstärkt zuwenden.

Vorstand Fredi Bobic ist sich sicher, dass die Verpflichtung von Andy Möller „dem Verein guttun wird.“ Die Ultras sahen das sicher anders. Am Sonntag beim Spiel gegen Werder Bremen klebten sie hunderte von Flyern mit dem durchgestrichenen Konterfei von Möller und dem Aufdruck „persona non grata“. Vor dem Anpfiff entrollten sie zudem ein Spruchband: „Zu Andy Möller haben wir keine Verbindung, mit Verrätern haben wir nichts zu tun.“

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