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Abgang des Perlentauchers bei der Eintracht

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Von: Ingo Durstewitz

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Wird in England mehr im Fokus stehen: Ben Manga (rechts, neben Eintracht-Vorstand Axel Hellmann,
Wird in England mehr im Fokus stehen: Ben Manga (rechts, neben Eintracht-Vorstand Axel Hellmann, © imago images/Kessler-Sportfotografie

Bald wird es offiziell verkündet: Kadermanager Ben Manga verlässt die Eintracht und wird Sportdirektor in Watford.

Frankfurt – Eine Überraschung ist es beileibe nicht mehr, doch nun naht der Vollzug. Eintracht Frankfurt und Kadermanager Ben Manga werden künftig getrennte Wege gehen, die Vertragsauflösung zum 30. November mit dem angesehen 48-Jährigen soll in diesen Tage bekanntgegeben werden.

Ben Manga, der erst vor eineinhalb Jahren durch das Vakuum in der Sportliche Leitung (Sportvorstand Bobic weg, Trainer Hütter weg, Manager Hübner weg) zum Direktor Profifußball befördert wurde und einen Vertrag bis 2026 unterschrieben hat, wird den Klub auf eigenen Wunsch verlassen und auf die Insel zum FC Watford wechseln. Der erfahrene Talentespäher wird beim englischen Zweitligisten als Sportdirektor firmieren. Das ist für den früheren Profi der nächste Schritt auf der Karriereleiter, allerdings auch Neuland. In der Außendarstellung wirkt Ben Manga eher ungelenk, die Öffentlichkeit meidet er weitgehend. Zu seinen Stärken zählt es sicher nicht, langfristige Strategien zu entwickeln und diese wortreich zu erklären. In der großen Managerwelt wirkt er mitunter eher verloren.

Ben Manga zieht es von Eintracht Frankfurt zu den „Hornets“

In England wird er mit der vollen Machtfülle ausgestattet, die „Hornets“ streben mit aller Macht in die Premier League, wollen den Aufstieg unbedingt schaffen. Zurzeit liegen sie auf Rang vier, fünf Punkte hinter Sheffield United auf Platz zwei. Ben Manga soll mit seinem Team schon jetzt im Winter die Weichen stellen und die Mannschaft von Trainer Slaven Bilic so verstärken, dass sie ganz oben angreifen kann. Dafür steht dem Manager eine Stange Geld zur Verfügung, er kann das Team mit vielen Millionen aufpimpen. Ben Manga, seit 2016 in Frankfurt, wird nicht alleine gehen, sondern einige Scouts mitnehmen.

In seinem Kontrakt ist eigentlich eine Ausstiegsklausel in Höhe von 2,5 Millionen Euro verankert, die Eintracht lässt den verdienten Kaderplaner aber ablösefrei ziehen, legt ihm keine Steine in den Weg. Sie spart lediglich das Gehalt, das sich auf 800 000 Euro jährlich belaufen soll.

Das Adlerauge, in Bata in Äquatorialguinea geboren, hat in Frankfurt lange Zeit sehr gute Arbeit geleistet, einst Spieler wie Tuta, Evan Ndicka, Ante Rebic, Luka Jovic oder Sebastien Haller entdeckt und damit Werte geschaffen. Als Beispiel: Jovic, heute in Florenz angestellt, wechselte 2019 für rund 65 Millionen Euro zu Real Madrid. Viel Geld, das die Eintracht klug reinvestierte und sich so Richtung Bundesligaspitze orientierte. Auch ein Verdienst des Mannes, der die Trüffel sucht.

Eintracht Frankfurt: Kein gutes Verhältnis zwischen Krösche und Manga

Doch der Einfluss des Perlentauchers schwand zusehends, mit der Inthronisierung des neuen Sportvorstands Markus Krösche wurde seine Expertise weniger gefragt. Das Verhältnis zwischen der Sportführung um Krösche sowie Lizenzspielerleiter Timmo Hardung und Ben Manga gilt als belastet, beide Seiten haben nicht zusammengefunden. Sie verfolgen auch einen anderen Ansatz. Ben Manga ist ein Scout alter Prägung, reist um die Welt und macht sich so ein umfassendes Bild von den Spielern, das auf seinen eigenen Eindrücken vor Ort basiert. Krösche geht mit seinem Team neue Wege, setzt verstärkt auf Daten und lässt die potenziellen Zugänge quasi durchleuchten. Auch stimmte die Chemie nicht wirklich.

Zudem: Lizenzspielerleiter Hardung gewinnt an Bedeutung, bei der Vorstellung des Neuzugang Paxten Aaronson vor wenigen Tagen war er mit auf dem offiziellen Foto bei der Vertragsunterschrift und gab im klubeigenen TV sein Statement zum talentierten US-Amerikaner ab. Deutliche Fingerzeige für ein verändertes Standing, ein sichtbarer Aufstieg in der Hierarchie.

Ben Manga, ein Zögling von Ex-Sportvorstand Fredi Bobic, war in die Kaderplanung immer weniger eingebunden, immerhin wirkte er noch an einem extrem wichtigen Transfers mit: Senkrechtstarter Randal Kolo Muani hatte er schon sehr früh auf der Liste. (Ingo Durstewitz)

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