Der deutsche Profisport, wie etwa das Eishockey, leidet - ausgenommen vom Fußball - unter der überraschenden Beitragserhöhung der Berufsgenossenschaft.
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Der deutsche Profisport, wie etwa das Eishockey, leidet - ausgenommen vom Fußball - unter der überraschenden Beitragserhöhung der Berufsgenossenschaft.

Berufsgenossenschaft wird teurer

Zusatzlast Berufsgenossenschaft - Wie eine Beitragserhöhung Klubs wie den EC Bad Nauheim in die Klemme bringt

  • vonred Redaktion
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Profivereine wie der EC Bad Nauheim leiden unter der Coronavirus-Krise. Doch nun erhöht auch noch die Berufsgenossenschaft ihre Beiträge - und bringt Klubs damit in finanzielle Probleme.

Stephan Osnabrügge ist Schatzmeister des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Aktuell macht er sich zum Anwalt des unteren Profi-Bereichs: 3. Liga, die Regionalligen, die Frauen-Bundesliga. Sie alle hätten zu leiden, weil die Verwaltungsberufsgenossenschaft ihre Beiträge erhöhen wird. Fällig werden sie zum 15. Mai für das jeweilige Vorjahr. Ausgerechnet jetzt - mitten in der Corona-Krise, die sowieso schon allen Vereinen zusetzt.

Fast alle Sportarten sind gleichermaßen betroffen

Die 3. Liga im Fußball kann man von der Größenordnung in etwa vergleichen mit den deutschen Spitzenligen im Eishockey, Basketball, Handball, Volleyball. Auch sie, die derzeit nicht spielen und damit so gut wie nichts einnehmen und die nicht wissen, wann sich das wieder ändert, sind betroffen. Alleine im deutschen Eishockey, das auf die Playoffs verzichten musste, wird mit einer Zusatzlast im sechsstelligen Bereich gerechnet.

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Man vertrete 1,2 Millionen Arbeitnehmer, heißt es aus der VBG-Zentrale in Hamburg - auch der Sport sei angegliedert. Die Mischung ist bunt: Architekturbüros, Ballettschulen, Fitnessstudios. Jedes Unternehmen muss seine Arbeitnehmer in dieser gesetzlichen Unfallversicherung anmelden. Ein Merksatz der Berufsgenossenschaften lautet, man sei "die kleine Schwester der Krankenkasse". Letztere bezahlt für die Behandlung bei Grippe, die Berufsgenossenschaft beim Arbeits- oder Wegeunfall.

Beitragsfuß zum ersten Mal seit zehn Jahren angehoben - die Beitragssätze steigen aber seit Jahren

Was der Sport zu zahlen hat, wird durch Einstufung in Gefahrenklassen ermittelt. Die einzelnen Sportarten unterscheiden sich in ihrer Gefährlichkeit aber gar nicht so sehr voneinander, denn sie sind mit höheren Risiken verbunden als die meisten anderen Tätigkeiten. Die VBG schreibt: "Während sich in Deutschland über alle Branchen durchschnittlich etwa ein Arbeitsunfall pro Arbeitsleben ereignet, können es im bezahlten Sport mehr als zwei Unfälle pro Jahr sein. Mit dem Gefahrtarif wird das aktuelle Risiko dargestellt, d. h. die Vereine zahlen für das Risiko, das die Sportler haben. Gemessen wird dieses Risiko aus dem Verhältnis aktueller Leistungen zu den beitragspflichtigen Entgelten. Auf dieser Basis wird für alle vertretenen Branchen die Gefahrklasse berechnet und regelmäßig überprüft." Zum ersten Mal seit zehn Jahren steige nun der Beitragsfuß. Allerdings: Bereits seit Jahren wird auf den Beitragssatz, die zweite Größe in der Rechnung, jährlich fünf Prozent Aufschlag erhoben.

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"Diese nun doppelte Erhöhung bringt die Klubs auf die Palme", wie Andreas Ortwein, Geschäftsführer des Wetterauer Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim erklärt. Er geht davon aus, dass es am Ende eine zweistellige prozentuale Erhöhung im Vergleich zum Vorjahr geben wird. "Damit hat keiner gerechnet und das wird - neben der Corona-Krise - alle hart treffen", sagt er. Alleine beim EC Bad Nauheim sind 140 000 Euro im Etat für die neue Saison für die BG eingestellt - doch nun braucht es weiteres Geld.

Berufsgenossenschaft kommt Klubs entgegen: Ratenzahlung bis Ende des Jahres möglich

Ob dieser Anstieg auf die Aktivitäten von "Alpha Sports" zurückzuführen ist, darüber will die VBG nicht reden. Der Gründer und Chef von Alpha, Ernst Köpf junior, einer der besten deutschen Eishockeyspieler in den 1990er-Jahren, finanziert Prozesse von Sportlern gegen die VBG. Alpha vertritt quasi den gesamten deutschen Berufssport, hat 10 000 Kunden, die Räumlichkeiten am Berliner "Kudamm" sind voller Trikots und Dankesschreiben. Das System der Berufsgenossenschaften hält Köpf aber für sehr gut. Es sichert Sportler ab. Denn: Ab der siebten Woche eines Ausfalls muss nicht mehr der Arbeitgeber zahlen, sondern die BG. Der Höchstsatz sind 8000 Euro pro Monat - unabhängig von weiteren privaten Versicherungen. DFB-Schatzmeister Osnabrügge sieht die BGs als "Teil des Staates". Und der Staat müsse nun eben denen, die durch die Corona-Krise angeschlagen sind, entgegenkommen.

Die VBG, die wie alle Berufsgenossenschaften selbstverwaltet ist und in deren Gremien auch Vertreter des Sports sitzen, hat trotz der Intervention vieler Verbände keine Aussichten gemacht, die Änderung auszusetzen. Immerhin hat sie wegen der Pandemie Zahlungserleichterungen verkündet. Bis zum 15. Mai, dem Tag, an dem die Beiträge fällig werden, genügt eine Abschlagszahlung, danach ist eine Ratenzahlung bis 15. Dezember möglich.

gk/phk

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