Andreas Ortwein stellt als Vorsitzender der DEL2-Kommission Wirtschaft und Marketing sowie als Geschäftsführer des EC Bad Nauheim die Weichen für die Saison 2021/22.
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Andreas Ortwein stellt als Vorsitzender der DEL2-Kommission Wirtschaft und Marketing sowie als Geschäftsführer des EC Bad Nauheim die Weichen für die Saison 2021/22.

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Wenn der April zum Februar wird - wie die Roten Teufel die Saison 2021/22 planen

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Im Februar werden im Profi-Eishockey sportlich und kaufmännisch die Weichen gestellt. Doch in diesem Jahr ist aufgrund der Coronavirus-Pandemie alles anders.

Februar. Zeit der intensiven Kommunikation mit Sponsoren, Spielern und deren Beratern. Zeit für Budgetplanung mit einem zunehmend konkreteren Zahlenwerk. Zeit, um den organisatorischen, wirtschaftlichen und sportlichen Rahmen zu schaffen. Die Corona-Krise hat Takt und Rhythmus im Profi-Eishockey allerdings durcheinandergewirbelt. »Erst der April wird unser Februar werden«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer des EC Bad Nauheim.

EC Bad Nauheim: Mehr Entscheidungen in kürzerer Zeit

In der vergangenen Woche erst (und nicht wie üblich bereits in der Vorweihnachtszeit) haben die Roten Teufel ihr 26. Pflichtspiel und damit die Hälfte der Hauptrunde in der DEL 2 absolviert. Voraussichtlich im Juni werden Lizenzierungsunterlagen abgegeben werden müssen. Doch: Wie plant man einen siebenstelligen Etat inmitten einer Pandemie mit alle ihren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Konsequenzen, mit offenen Fragen und Ungewissheit? Wie reagieren Partner? Wie verhalten sich die Berufssportler? In welchem Maß werden Fans wiederkommen (dürfen)? Und inwiefern ist noch einmal mit Staatshilfen zu rechnen?

»Das Zeitfenster wird kleiner. Viele Dinge verschieben sich erstmal nach hinten. Wir werden in diesem Jahr mehr Entscheidungen in einem kürzeren Zeitraum treffen«, sagt Ortwein, der als Vorsitzender der DEL 2-Kommission Wirtschaft und Marketing maßgeblich an der Ausarbeitung der jüngsten Zweitliga-Beschlüsse (unter anderem: Aussetzung des Abstiegs) beteiligt war und dies als unumgänglich betrachtet. Man wolle die Klubs einerseits nicht zum Harakiri im Abstiegskampf verleiten, nicht womöglich eine Team-Quarantäne über das sportliche Schicksal im Kampf um den Klassenerhalt entscheiden lassen und den Klubs Vorlaufzeit gewähren, um einen »Corona-Etat« aufzustellen.

Ortwein spricht von einem »gewaltigen Verwaltungsaufwand«, der zu betreiben sei, von einem »hochkomplexen Verfahren mit Rechtsberatung und Wirtschaftsprüfern«, um auch spätere Prüfmechanismen zu bestehen. Das brauche seine Zeit.

EC Bad Nauheim: Viele Gespräche in den kommenden vier bis sechs Wochen

Offene Fragen der Zulassung von Zuschauern im Herbst, nach möglichen (neuerlichen) Einschränkungen und auch nach dem Fan-Interesse unter Corona-Bedingungen, lassen aktuell mehr Annahmen denn konkrete Planungen zu. »Wir waren und bleiben geordnet und strukturiert unterwegs. Das ist kein Blindflug«, betont Ortwein.

In den kommenden vier bis sechs Wochen wollte man seitens der Spielbetriebs GmbH mit allen größeren Partner sprechen, Finanzpläne verfeinern und Marketing-Konzepte aufstellen, »um die Menschen abzuholen«. Die hohe Identifikationen, die emotionale Bindung in der Region, wie man diese aus guten wie auch schlechten Zeiten kennt, ist für Bad Nauheim sicherlich ein Standort-Vorteil. Klar ist: Fixe Einnahmen durch Sponsorenverträge oder Dauerkarten werden im Lizenzierungsverfahren eine besondere Rolle spielen. Und klar ist auch: Die Liga wird Empfehlungen aussprechen, ihre Budgets prozentual herunterzufahren.

In Bad Nauheim, sagt Ortwein, wolle man die Strukturen der GmbH erhalten. »Es wird wirtschaftliche Rezessionen auf der Einnahmenseite geben. Das wird die Standorte unterschiedlich hart treffen.« Im Etat der Roten Teufel stehen Personalkosten für rund 56 Prozent der Ausgaben, was gerade in der Kaderfrage eine Planung mit Weitblick, Sorgfalt und Balance erfordert. »Wir werden mit allen Spielern eine offene Kommunikation führen und unsere Perspektive und unsere Einschätzung für 2021/22 widerspiegeln.« Frühe Personal-Entscheidungen im Bereich Trainer/Spieler sind - von wenigen Ausnahmen abgesehen - in Bad Nauheim nicht zu erwarten.

EC Bad Nauheim: Chance auf sportliche Verbesserungen der Deutschen Eishockey-Liga 2

In der Fachzeitung »Eishockey News« spricht Martin Anicicka als Spielerberater über die Marktlage im deutschen Profi-Eishockey. Er sagt: »Die Lage ist wirklich schwer. Viele Klubs sind in den Verhandlungen sehr defensiv und warten ab, was mit der Wirtschaft und dem Sport passiert. Vertragunterzeichnungen werden sich in diesem Jahr verzögern.«

Sportlich ist unter diesen Voraussetzungen, die nicht nur den deutschen, sondern den gesamten Profi-Eishockey-Markt betrifft, eine abermalige Aufwertung der DEL 2 zu erwarten, wird in der kommenden Saison vielleicht noch der eine oder anderen Profi in die zweite deutsche Liga folgen, der außerhalb der Corona-Pandemie wohl nicht zu haben gewesen wäre.

Zu Saisonbeginn 2021/22 hatten im übrigen die Eispiraten Crimmitschau im Pokerspiel mit sinkenden Gehaltsforderungen und viel Geduld den längsten Atem bewiesen. Und aktuell belegen die Sachsen - seit 2014 zum Rundenende nie besser als auf Position zehn platziert - Rang sechs.

Heimspiel-Doppelpack: Samstag gegen Kaufbeuren, Sonntag gegen Frankfurt

Heimspiel-Doppelpack binnen 48 Stunden! Am Samstag (19.30 Uhr) trifft der EC Bad Nauheim auf den ESV Kaufbeuren, am Montag (19.30 Uhr) sind dann die Löwen Frankfurt im Colonel-Knight-Stadion zu Gast. Kaufbeuren kämpft aktuell mit Problemen auf der Torwart-Position. Zuletzt kassierten die Allgäuer zweimal sieben Gegentore (in Tölz und gegen Frankfurt). Stefan Vajs, die Nummer eins, fehlt seit Wochen verletzungsbedingt. Jan Dalgic, sein Vertreter, ist außer Form und erfährt deutliche Kritik. Aus Füssen wurde Max Meyer geholt, und der Oberliga-Goalie überraschte alle - bis er sich vergangenen Woche am Fuß verletzte. Wieder kam Ersatz vom Altmeister aus der Nachbarschaft. Benedikt Höltzinger heißt der 24-Jährige, dem zu seinem DEL 2-Einstand am Donnerstag gleich sieben Gegentreffer von den Löwen Frankfurt eingeschenkt wurden. Als Stellvertreter saß Dominic Guran aus dem eigenen Nachwuchs im Kader. Sein Einstand nur zwei Tage zuvor: zwei Gegentore binnen elfeinhalb Minuten. Dalgic, den er nach drei Gegentreffern abgelöst hatte, kehrte daraufhin nach 20 Minuten zurück ins Tor.

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