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Dieter Jehner hat 15 Jahre lang für den VfL Bad Nauheim und später fünf Jahre für Eintracht Frankfurt gespielt.

Eishockey

Wie ein Ur-Nauheimer im Eintracht-Tor das Derby erlebt hat

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Dieter Jehner hat für den VfL Bad Nauheim und Eintracht Frankfurt gespielt. Das Derby kennt der Torwart aus vielen Perspektiven.

Irgendwann kommen dann die alten Geschichten wieder auf den Tisch. Natürlich. Dann wird bei den gelegentlichen geselligen Treffen der Ehemaligen zu den Heimspielen ein bisschen gefrotzelt und gestichelt. Ist ja alles auch schon lange lang her. "Bill Lochead wollte unbedingt ein Tor gegen mich erzielen. Das ist ihm aber nicht gelungen. Das hat ihn früher schon ordentlich fuchsig gemacht. Und damit ziehe ich ihn heute schon noch gerne auf", sagt Dieter Jehner mit einem Schmunzeln. 15 Jahre lang hatte der Ober-Mörler beim VfL Bad Nauheim in der Bundesliga gespielt, war für fünf Spielzeiten zum damaligen Ober- und Zweitligisten Eintracht Frankfurt gewechselt und schließlich zum EC Bad Nauheim zurückgekehrt. Jehner kennt das Derby aus beiden Perspektiven - und er weiß auch, was es bedeutet, als Ur-Nauheimer im Eintracht-Trikot vor der Fankurve im Colonel-Knight-Stadion spielen zu müssen. Vor dem Spiel der Roten Teufel und der Löwen Frankfurt spricht der 70-Jährige über die Duelle von einst, Rivalitäten und den Derby-Moment, den er nie vergessen wird.

Dieter Jehner, mit welchen Gefühlen sind Sie damals in die Derbys gegangen?

Dieter Jehner: Das waren die Spiele auf die man sich besonders gefreut hat. Da musste vor dem Spiel keiner mehr etwas sagen. Da hatte man sich innerlich schon seit Tagen vorbereitet.

Wurde seitens der Vereine oder vielleicht auch der Sponsoren mit Extra-Prämien gelockt?

Jehner:Der damalige Stadion-Gastronom in Frankfurt hat vor solchen Spielen schon mal eine Prämie in Aussicht gestellt. Letztlich hat er, wenn wir dann gewonnen haben, davon aber auch selbst profitiert. Aber ehrlich gesagt: Vor solchen Spielen hat niemand eine Extra-Motivation gebraucht.

Sie haben in den 80er-Jahren als Eintracht-Torhüter in Bad Nauheim gespielt? Erzählen Sie mal. . .

Jehner:Was da los war, wenn man als Nauheimer im Eintracht-Trikot dasteht - das kann sich jeder vorstellen. Als Torwart hat man drei Meter hinter sich die Stehplatz-Kurve. Damals gab es kein Plexiglas, sondern nur Fangnetze. Da bekommt man an so einem Abend einiges zu hören. Das lassen sich die Ohren auch nicht einen Abend lang auf Durchzug stellen, um das auszublenden. Und wenn es vor Tor eng zuging, wurde es ja gleich noch lauter.

Früher standen gerade im Kader der Roten Teufel sehr viele Einheimische. War die Rivalität, die Brisanz unter diesen Voraussetzungen noch eine andere?

Jehner:Ich denke, der Derby-Gedanke war ein anderer, weil wir eben viele Nauheimer im Kader hatten. Natürlich wird auch heute jeder Spieler gewinnen und vielleicht persönlich glänzen wollen. Sicher lässt sich auch der eine oder andere von der Atmosphäre anstecken und pushen - ob das aber mit der Emotionalität und Anspannung von früher vergleichbar ist, weiß ich nicht.

Sie sind - mit anderen Einheimischen - beim VfL 1981 aussortiert worden und haben sich der Eintracht angeschlossen. Konnten Sie sich in Bad Nauheim seinerzeit blicken lassen?

Jehner:Ja. Den einen oder anderen Spruch von einem eingefleischten Fan gab es, aber überwiegend war es ruhig. Jeder wusste: Wir wollten damals einfach noch irgendwo Eishockeyspielen und waren beruflich hier in der Region gebunden. Die Alternativen waren Lauterbach und Limburg - die waren damals allerdings sportlich ganz unten.

War die Rivalität damals größer?

Jehner:In den Anfangszeiten war die Rivalität sicher ein bisschen größer. Aber es war nie wirklich giftig. Am Ende des Spiels hat man sich die Hand gegeben.

Gab es auch in der damaligen Zeit private Kontakte zum Rivalen?

Jehner:In Bad Vilbel ist damals die Schranke runtergegangen (lacht). Private Kontakte nach Frankfurt waren eher selten. Das war zu meiner Eintracht-Zeit in Richtung Bad Nauheim dann natürlich wieder anders.

Welche Szene kommt ihnen in Bezug auf das Derby als erstes in den Sinn?

Jehner(lacht): Darüber dürfte ich eigentlich gar nicht sprechen, auch wenn seitdem schon mehr als 30 Jahre vergangen sind. Das Stadion war rappelvoll. Ich wollte einen harmlosen Weitschuss über meinem Kopf fangen, der Puck fällt mir dabei aus dem Handschuh auf den Rücken und kullert ins Tor. Ausgerechnet vor der Kurve. Was ich zu hören bekam, kann sich jeder denken.

In Bad Nauheim wurde in diesem Jahr die Diskussion um ein neues Stadion angestoßen. Wie sehen Sie dieses Thematik?

Jehner:Das hätte man schon viel früher anschieben können; damals, als um das Stollgelände diskutiert wurde. Am Standort im Kurpark, sind die Kapazitäten ausgereizt. Das Drumherum ist doch eher bieder und lässt nicht mehr zu.

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