EC Bad Nauheim

Ein Triumph für die Seele des EC Bad Nauheim

  • Erik Scharf
    vonErik Scharf
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Der Sieg vom Sonntag ist Balsam für die Seele des EC. Trotz einer unpopulären Maßnahme begeistert Bad Nauheim derzeit seine Fans. Nun soll der Erfolg gegen die Huskies vergoldet werden.

Am Ende war es die pure Glückseligkeit. Die Spieler des EC Bad Nauheim rutschten erschöpft, aber überglücklich auf den Knien über das Eis. Nach dem dritten Derby-Heimsieg der Saison ließen sich die Roten Teufel zu einer Spielerraupe hinreißen, wie es sie seit einer gefühlten Ewigkeit schon nicht mehr gegeben hat. Rund um das Colonel-Knight-Stadion feierten die Fans bis spät nach dem Spiel eine ausgelassene Party.

Der 4:3-Heimsieg gegen die Kassel Huskies war der krachende Schlussakkord eines fünftägigen Marathons. Und er war Balsam für die Seele von Mannschaft, Fans und Verein. Drei Spiele in fünf Tagen, dazu 1900 Reisekilometer – nur harte Optimisten haben nach den Strapazen für die weiterhin dünne Personaldecke mit einem Sieg gegen die Huskies gerechnet.

Hexenkessel Colonel-Knight-Stadion

Die unkonventionelle Maßnahme, zwischen den Auswärtsspielen in Weißwasser und Dresden innerhalb zweier Tage nach Bad Nauheim zurückzufahren, sorgte nicht überall für Verständnis. Doch darüber redete am Sonntagabend niemand mehr. Schließlich gaben den EC-Verantwortlichen nicht nur die Ergebnisse recht. Vielmehr war es die Art und Weise, wie der EC die Punkte sammelte und wie die Fans das CKS am Sonntag wieder in einen Hexenkessel verwandelten.  

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Nach dem historischen 7:0 in Weißwasser und der 3:4-Niederlage nach großem Kampf in Dresden drückte die Mannschaft von Cheftrainer Petri Kujala gegen Kassel im ersten Drittel das Gaspedal voll durch. Obwohl nur mit drei Reihen agierend, jagten die Roten Teufel jedem Puck hinterher, scheuten keinen Körperkontakt und ließen den Tabellenvierten minutenlang nur durch Befreiungsschläge aus dem eigenen Drittel kommen.

Die Fans honorierten den Auftritt schon früh mit Szenenapplaus. All das, was sie an den teils blutleeren Auftritten im Dezember kritisierten, setzte die Mannschaft auf dem Eis um. Im Hinterkopf stellte sich angesichts des kräftezehrenden Programms aber die Frage: Wie lange reicht der Tank?

Überraschung statt Entscheidung

Mitte des zweiten Drittels schien die Frage geklärt. Die Huskies hatten die zwischenzeitliche Führung erzielt. Zudem standen sie kurz nach dem Führungstor für zwei Minuten mit einem Mann mehr auf dem Eis. Ein 3:1 für Kassel hätte das Spiel entschieden.  

Und wieder überraschte der EC. Entschlossen, willensstark und effektiv sorgten James Livingston in Unterzahl und Cody Sylvester in Überzahl für die Ausgleichstreffer in einem Spiel auf absoluter Augenhöhe. "Es gab heute keine bessere oder schlechtere Mannschaft. Am Ende hatten wir dann eben auch das nötige Quäntchen Glück auf unserer Seite", fasste Siegtorschütze Leon Niederberger die entscheidende Szene recht nüchtern zusammen.

Petri Kujala stolz auf sein Team

Als er in der Verlängerung das Zuspiel von Steve Slaton über Huskie-Torwart Markus Keller zum krönenden Schlusspunkt unter ein packendes und mitreißendes Spiel ins Tor setzte, kannte der Jubel keine Grenzen mehr. Selbst der zurückhaltende Petri Kujala konnte den Stolz auf die Leistung seines Teams nur schwer unterdrücken. Das Mammut-Programm beeindruckend bewältigt, das Band zwischen Mannschaft und Fans ist wieder straff gezogen und nebenbei hat man den Abstand auf Platz elf vergrößert. Zwar seien Kujala "die Ergebnisse der anderen Teams wurscht", seine Freude dürfte sich beim Blick auf die Tabelle dennoch gesteigert haben.  

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Auch ihm wird aufgefallen sein, dass der Abstand auf den EHC Freiburg nun acht Punkte beträgt. Während der EC fünf Punkte sammelte, verlor Freiburg alle drei Partien – zwar auswärts beim heimstarken SC Riessersee, in Dresden und in Kaufbeuren. Im Kampf um die Playoffs könnten diese drei Spiele ein entscheidender Impuls sein. Bislang hat es der EC größtenteils verpasst, Patzer der Konkurrenz zu nutzen oder sie in direkten Duellen auf Distanz zu halten.

EC mit Alltags-Problemen nach Derby-Siegen

Klar ist aber auch: Darauf wird sich der EC nicht ausruhen dürfen. Dafür ist die Liga in dieser Saison einerseits zu verrückt, andererseits folgte auf Derby-Jubel zuletzt immer Alltags-Frust. Nach dem Overtime-Sieg im Oktober gegen die Löwen Frankfurt gingen fünf von sechs Spiele verloren. Nach dem Auswärtssieg in Frankfurt im Dezember setzte es eine 2:6-Niederlage in Heilbronn. Nun müssen die Roten Teufel die Derby-Punkte im Nachgang auch mal vergolden.

Am kommenden Freitag gibt es gegen Crimmitschau die Chance auf den dritten Heimsieg in Folge. Die längste Serie im CKS liegt aktuell bei vier Erfolgen am Stück. Die Gegner: Bayreuth, Kassel, Crimmitschau und Frankfurt. An Bayreuth und Kassel haben sie auf der EC-Geschäftsstelle schon einen Haken gemacht. Und spätestens am vergangenem Sonntag ist wieder klar geworden: Dem EC Bad Nauheim ist alles zuzutrauen.

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