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Harry Lange (links) im Gespräch mit WZ-Sportredakteur Michael Nickolaus.

EC Bad Nauheim

Trainer Harry Lange: »Die Saison kann wegweisend sein«

  • Michael Nickolaus
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Harry Lange, Trainer des DEL2-Klubs EC Bad Nauheim, spricht über Kaderplanung, Playoff-Sehnsüchte und Kredit bei den Fans.

Harry Lange genießt das Vertrauen. Der Fan-Liebling, 2012 nach Bad Nauheim gekommen, mit den Roten Teufeln aufgestiegen und hier längst auch familiär verwurzelt, führt den EC als Chef-Trainer in die Deutsche Eishockey-Liga 2. Im Interview spricht der 37-Jährige über die Kaderplanung, Playoff-Sehnsüchte und erklärt, warum die Saison 2021/22 für den Standort wegweisend sein kann.

Sie haben erstmals hauptverantwortlich einen Kader zusammengestellt. Was war Ihnen wichtig?

Zwei Dinge: Die Jungs müssen schnell auf den Schlittschuhen sein, und es muss charakterlich passen. Bestenfalls - und das ist uns gelungen - sind das Spieler, die schon einmal einen Titel gewonnen haben, denn diese wissen, wie sie mit Hochs und Tiefs umgehen müssen. Zudem sind wir etwas breiter aufgestellt, um nicht mehr in diesem Maße von unserem Kooperationspartner in Köln abhängig zu sein. Dass der Austausch während der Vorbereitung aufgrund von Verletzungen in Köln nicht zustande kam, wie wir uns das erhofft hatten, war nicht vorhersehbar.

Wo sehen Sie den Kader gegenüber der Vorsaison verbessert?

In der Defensive und bei den deutschen Spielern. Was die Kontingentspieler angeht, wird man sehen. Wir hätten Cason Hohmann und Jamie Arniel gerne gehalten, das war wirtschaftlich nicht möglich. Nun haben wir drei gestandene Spieler, von denen wir wissen, was wir erwarten können, und einen jungen, hungrigen. Wir sind der EC Bad Nauheim. Da muss man auch hoffen, dass der Hungrige einschlägt.

Welches Puzzleteil hat Ihnen am meisten Kopfzerbrechen bereitet?

Die letzte Kontingentposition. Wir hatten nach einem Mittelstürmer geschaut. Da war der Markt für unsere wirtschaftlichen Verhältnisse aber nicht gegeben. Deshalb haben wir entschieden, mit Jordan Hickmott auf der Center-Position zu planen und haben einen Flügelstürmer gesucht. Ja, da haben wir uns lange Zeit gelassen, aber mit Jerry Pollastrone aber auch den besten für uns erschwinglichen Spieler verpflichtet.

Hätte der Spieler Harry Lange unter dem Trainer Harry Lange einen Platz im Kader?

Absolut. Gerade der junge Harry Lange, der noch schneller auf den Schlittschuhen unterwegs war. Mir ging es immer um 100 Prozent Einsatz, darum Druck auf den Gegner auszuüben.

Der Klub hat sich in der Vergangenheit gerne als Ausbildungsverein und Sprungbrett gesehen. Jetzt wurden gleich vier Ü 30-Spieler verpflichtet - ein Philosophiewechsel?

Nein. Und das eine schließt das andere auch nicht aus. Wenn ein Christoph Körner noch einmal ein gutes Jahr haben sollte - warum soll er dann nicht den Sprung in die DEL schaffen? Ein Max Hadraschek hat bewiesen, dass das in diesem Alter geht. Das Regelwerk macht’s uns nicht einfach, die jungen Top-Spieler zu holen. Die DEL greift die 19- und 20-Jährigen ab, dann kommen Mannheim und Berlin mit ihren DEL 2-Partnern als erste Anlaufstationen, aber dann kommt auch schon die Schiene mit Köln und Bad Nauheim. Andererseits: Wir müssen aber auch schauen, was andere Klubs machen und erkennen, dass auch diese investieren.

Sie haben die kompletten Zweitliga-Jahre in Bad Nauheim erlebt. Finden die Teufel den Anschluss nach vorne, oder werden sie abgehängt und durchgereicht? In den vergangenen beiden Jahren wurde das Viertelfinale verpasst.

Im zweiten Jahr unter Christof Kreutzer haben wir Platz sechs am letzten Spieltag vergeigt und sind auf einen Pre-Playoff-Gegner getroffen, der uns nicht gelegen hat. Aber war deshalb alles schlecht? Bis zum Winter Game lief es gut, dann haben sich plötzlich alle vier Kontingentspieler verletzt, es kam eines zum anderen. Letztes Jahr - na ja. Ich glaube, die kommende Saison kann wegweisend sein. Alle Klubs investieren, auch wir. Das Argument, die Mannschaft sei teuer wie nie - das können wahrscheinlich 13 andere Klubs auch sagen. Nur weil wir mehr investieren heißt das nicht, dass wir automatisch in der Tabelle höher stehen. Ich selbst bin von der Mannschaft überzeugt, aber das werden alle anderen ebenfalls von sich behaupten.

In acht DEL-Spielzeiten konnte nur ein einziger Playoff-Sieg gefeiert werden

Ja, natürlich, jeder wünscht sich jetzt mal zumindest ein Spiel sechs oder sieben. Aber ganz oben, wenn’s gegen die Top-Klubs geht, ist die Luft aber auch sehr, sehr dünn. Landshut, Kassel, Frankfurt, Ravensburg - die Mannschaften sehe ich weit vor allen anderen. Dann gibt’s sicher noch eine Überraschungsmannschaft. Wir reden immer über Top 6, dabei wird’s schon schwer genug, die Top-Ten zu erreichen. Auf der Torwart-Position und bei den Deutschen sehe ich - außer den vier Top-Vereinen - keinen wirklich besser besetzt als uns. Es wird auf die Ausländer ankommen. Die müssen produzieren.

Wie hat sich der Markt nach dem Corona-Tief entwickelt?

Die Preise sind nach oben gegangen. Fakt ist: Drei von vier Kontingentspielern aus dem Vorjahr hätten wir uns in diesem Jahr nicht leisten können. Wir hätten Arniel und Hohmann gern gehalten, konnten aber nicht zahlen, was andere geboten haben - im Fall Kelsey Tessier ebenso.

Sie haben sich in den vergangenen neun Jahren bei den Fans sehr viel Kredit erarbeitet. Macht dies Ihre Aufgabe leichter oder schwerer?

Das macht’s schwerer. Das Standing bei den Fans habe ich nicht geschenkt bekommen, sondern mir aufgebaut. Jetzt bin ich in einer anderen Position, in der ich neu bin und noch nichts erreicht habe. Ich gebe mein Bestes, darauf kann sich jeder verlassen. Und natürlich will ich lange in Bad Nauheim bleiben, aber ich kenne auch die Mechanismen, wenn es einmal nicht so läuft. Ich weiß: Das Team hat den richtigen Charakter. Ob das am Ende reicht, ist aber von vielen Faktoren abhängig.

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