Christof Kreutzer wie man ihn kennt: An der Bande, voll in seinem Element ? hier noch als Trainer bei der Düsseldorfer EG. Nun kommt der 50-Jährige als Chefcoach zum heimischen Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. (Foto: dpa)
+
Christof Kreutzer wie man ihn kennt: An der Bande, voll in seinem Element ? hier noch als Trainer bei der Düsseldorfer EG. Nun kommt der 50-Jährige als Chefcoach zum heimischen Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. (Foto: dpa)

Christof Kreutzer

So tickt der neue Trainer des EC Bad Nauheim

Christof Kreutzer ist der neue Trainer von Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim. Doch was ist der Ur-Düsseldorfer, der jetzt in die Kurstadt kommt, für ein Mensch? Ein Weggefährte berichtet.

Von Von Bernd Schwickerath

Plötzlich ging alles ganz schnell. Eine kurze Meldung mit gerade mal neun Sätzen auf der Homepage, und schon war Christof Kreutzers Zeit bei der Düsseldorfer EG offiziell beendet. Der noch bis 2019 laufende Vertrag des längst freigestellten Eishockey-Trainers wurde aufgelöst – weil Kreutzer ein paar Minuten später als neuer Coach beim EC Bad Nauheim vorgestellt wurde. Er, der Ur-Düsseldorfer, kommt in die Kurstadt.

Die Kreutzers und die DEG – das ist eine spezielle Geschichte. So eine wird heute eigentlich gar nicht mehr geschrieben. Weil sie fast kitschig wirkt. Weil der schnelllebige Profisport es kaum noch zulässt. Wo gibt es noch jahrzehntelange Treue über mehrere Generationen? Wo sagt jemand noch "der Verein ist mein Leben"? Und wo glaubt man ihm das dann auch noch?

Im Sonderzug zapfte er hinter dem Altbierfass für die Fans

In Düsseldorf haben sie Kreutzers Satz immer geglaubt. Weil niemand eine solche Verbundenheit vorgaukeln kann. Dafür reichte während der Spiele ein flüchtiger Blick auf die Trainerbank. Da jubelte und schimpfte Kreutzer wie ein Fan. Dann knallte er auch mal die Bandentür zu, zerdepperte eine Wasserflasche oder lief dem Schiedsrichter bis in den Kabinengang hinterher. Bei den anschließenden Pressekonferenzen konnte er emotionale Reden halten, die weit über die üblichen dreieinhalb Phrasen seiner meisten Kollegen hinausgingen. Emotionen waren und sind eben Kreutzers Kerngeschäft. Wenn ein Sponsoren- oder Fan-Termin anstand, nahm er sich Zeit für jeden, der ein Foto, ein Autogramm oder einfach ein Schwätzchen halten wollte. Und wenn die Fans sein Team mit dem Sonderzug zu einem weiten Auswärtsspiel begleiteten, konnte es vorkommen, dass er und die Mannschaft auf dem Rückweg mitfuhren. Dann stellte er sich hinters Altbierfass und zapfte stundenlang für die Fans.

Wir sind buchstäblich im Eisstadion aufgewachsen

Christof Kreutzer

Das alles kam natürlich an. Doch die Verehrung, die den Kreutzers im DEG-Umfeld zuteil wird, erklärt das nur unzureichend. Dafür braucht es schon diese außerordentliche Verbindung zwischen Familie und Verein. Die begann bereits 1968, damals sponserte der Großvater die DEG über seine Metzgerei. Später übernahmen die Eltern die Stadiongastronomie an der legendären Brehmstraße. Das "Sportrestaurant Kreutzer" wurde zur Institution. Und die Söhne Christof und Daniel zum berühmtesten Brüderpaar des Vereins. "Wir sind buchstäblich im Eisstadion aufgewachsen", hat Christof einmal erzählt. Jede freie Minute verbrachten sie auf dem Eis, durchliefen sämtliche Jugendteams und legten Profikarrieren hin, wie es sie nur selten gibt: Daniel Kreutzer hörte vor einem Jahr nach mehr 1000 Spielen und als ewiger Topscorer der DEL auf. Christof wurde fünfmal Deutscher Eishockeymeister.

Aufstieg und Fall des Christof K. in Düsseldorf

Danach übernahm er bis zum Umzug der Profis in die neue Multifunktionshalle selbst das alte Sportrestaurant, doch ohne regelmäßige Spiele war es nicht zu halten. Also konzentrierte er sich auf seine Trainertätigkeit im Nachwuchs, später als Co-Trainer der Profis, 2014 folgte die Beförderung. Und mit ihr eine filmreife Geschichte: Gemeinsam weckten die Kreutzer-Brüder – Daniel als Kapitän, Christof als Trainer – den tief gefallenen Verein wieder auf. Aus dem Tabellenletzten wurde ein Halbfinalist, der sich für die Champions League qualifizierte. Christof Kreutzer wurde "DEL-Trainer des Jahres", "Düsseldorfer des Jahres" und eines der Werbegesichter für ein großes Modehaus. Sein Foto hing an jeder Haltestelle in der Stadt: Kreutzer war ganz oben.

+++ Lesen Sie auch: Für Christopf Kreutzer beginnt beim EC Bad Nauheim ein neuer Lebensabschnitt +++

Doch nach zwei Jahren im Aufwind ging es bergab. Die überalterte Mannschaft kam nicht mehr in die Gänge. Kreutzer litt zusehends darunter, reagierte teilweise aggressiv und wirkte überarbeitet. Weil die DEG für ihn stets mehr war als ein Job und er sich zu sehr als Teil der Mannschaft definierte. Als die Fans die Mannschaft irgendwann verhöhnten, reagierte Kreutzer mit einer regelrechten Wutrede. Sie seien doch alle Teil der DEG, alle doch hätten ein gemeinsames Ziel. Doch es war nichts mehr zu retten. Das Team verpasste die Playoffs, Kreutzer musste gehen.

Er kann es nicht ohne Leidenschaft

Das habe ihn sehr getroffen, hat er bei der Pressekonferenz zur Vorstellung als neuer Trainer des EC Bad Nauheim erzählt. Gemeinsam mit der Familie habe er eine Zeit gebraucht, um das alles zu verarbeiten. Die DEG zu trainieren, sei eben sein "Traumjob" gewesen. Nun fängt er einen neuen an. Und auch wenn seine Verbindung zu Verein, zu Stadt und Fans natürlich eine andere ist, er wird die Aufgabe in Bad Nauheim mit derselben Leidenschaft angehen wie damals bei der DEG. Er kann gar nicht anders.

+++Lesen Sie auch: Christof Kreutzer: Warum der DEL-Trainer des Jahres 2016 zum EC Bad Nauheim kommt +++

Info

Der Autor

Bernd Schwickerath hat Christof Kreutzers Düsseldorfer Zeit aus nächster Nähe erlebt. Anfang der 1990er-Jahre sah er ihn als Zuschauer an der Brehmstraße, die Zeit als Cheftrainer begleitete der Autor schließlich beruflich. Der 37-Jährige schreibt für diverse Zeitungen und Onlineportale über Eishockey, bei der "Westdeutschen Zeitung" ist er zuständig für die Düsseldorfer EG. Er ist Co-Autor eines Buches über den Verein und Teil eines wöchentlichen DEG-Podcasts.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare