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Spektakulär, weil quasi blind mit einem Rückhandschuss, trifft Marcel Kahle für den EC Bad Nauheim am Sonntag zum 5:1-Zwischenstand beim 9:5-Erfolg gegen die Heilbronner Falken. (Foto: Chuc)

EC Bad Nauheim

Tage der Glückseligkeit beim EC Bad Nauheim

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Die Erfolgsserie des EC Bad Nauheim in der DEL2 wächst und wächst, sodass es manchem Fan schon unheimlich wird. Am heutigen Dienstag geht es für die Kufencracks in Dresden weiter.

Jetzt wird’s langsam unheimlich! Der EC Bad Nauheim geht mit einem Neun-Punkte-Polster (!) auf einen Pre-Playoff-Rang in das letzte Hauptrundenviertel der Deutschen Eishockey-Liga 2. Nach einer Serie von elf Siegen aus den letzten 13 Spielen sind die Roten Teufel heute Abend um 19.30 Uhr in Dresden zu Gast.

EC Bad Nauheim: Nur ein Gegner wurde in dieser Saison noch nicht bezwungen

Bad Nauheim schunkelt dem Playoff-Viertelfinale entgegen. Arm in Arm auch als optische Einheit hat sich die Mannschaft der Roten Teufel am Sonntagabend von den Fans in der Kurve feiern lassen. Nach dem Sieg gegen Heilbronn bleibt von den Konkurrenten einzig noch Kaufbeuren, das in dieser Saison noch nicht bezwungen werden konnte. Das Lied vom "Deutschen Meister ECN" wurde von den Anhängern zwischenzeitlich angestimmt. Dem Überschwang mag dies geschuldet sein. Doch erlebt die Eishockey-Region derzeit Tage der Glückseligkeit, einen Höhenflug, den man über einen solchen langen Zeitraum nicht gewohnt ist. Seit vielen Jahren nicht mehr. In den soziale Netzwerken gehen die Form-Tabellen der letzten zehn, 20 und 30 Spiele entsprechend viral. Immer an der Spitze: der EC Bad Nauheim, die zudem beste Heimmannschaft - auch dank Topscorer Dustin Sylvester.

Zehn der letzten elf Spiele im Colonel-Knight-Stadion haben die Kurstädter gewonnen (und einmal zumindest gepunktet). In der vergangenen Woche hat Bürgermeister Klaus Kreß (hier im Interview) die Idee eines zukunftssicherndes Arena-Projekt vorgestellt, und jetzt wurde der Vorsprung auf Platz sieben, die erste Pre-Playoff-Position, auf neun Zähler ausgebaut. "Wir haben einen guten Lauf, und es tut gut, in dieser Saisonphase nicht über die Playdowns nachdenken zu müssen. Aber noch ist nichts erreicht", sagt Matthias Baldys, der Sportliche Leiter. Man spüre in vielen Gespräche die "positiven Emotionen. Aber wir müssen auch die Kirche im Dorf lassen und uns immer wieder vor Augen führen, wer wir sind, woher wir kommen, und was uns in diese Position gebracht hat."

EC Bad Nauheim: Trainer Christof Kreutzer versucht trotz aller Euphorie die Konzentration hochzuhalten

Bad Nauheim liefert derzeit zweifellos Spektakel, begeistert gerade die Gelegenheitsbesucher im Stadion mit Torefestivals, mit Siegen, Ehrenrunden und guter Laune. Aber: Am Freitag in Crimmitschau (4:3) hatte nach einer 4:1-Führung nur die Torlatte den späten Ausgleich der Eispiraten verhindert, und auch gegen Heilbronn (9:5) wurde es nach einer 7:3-Führung plötzlich noch einmal eng (7:5). "Das zeigt, wie schnell Nachlässigkeiten bestraft werden. Wir müssen die Zügel immer angezogen haben, sonst werden wir schnell auf dem Boden der Tatsachen landen", sagt Baldys.

Trainer Christof Kreutzer ist bemüht, die Konzentration in der Kabine hochzuhalten. Keine leichte Aufgabe, da Bad Nauheim derzeit selbst gegen die Großen der Liga auf Augenhöhe und nicht als Außenseiter in die Partie geht. Ein sehr ungewohntes Selbstverständnis in der Wetterau. "Dass die Zuschauer schon jetzt ein bisschen träumen, ist doch etwas Schönes. Aber noch haben wir nichts erreicht." Begriffe wie "Den Moment genießen" oder "in Ruhe arbeiten" hat der Trainer aus dem Wortschatz verbannt. "Natürlich ist die momentane Entwicklung sehr erfreulich. Die Jungs belohnen sich. Und natürlich fällt die Arbeit leichter, wenn Erfolg da ist", sagt der Trainer. "Aber wenn man fünf Gegentore bekommt, dann sieht man auch Dinge, die einem nicht gefallen, Fehler, die wir uns in anderen Spielen nicht erlaubt haben." Zweimal ist das jetzt gut gegangen.

EC Bad Nauheim: Mit einem Sieg in Dresden würde der Abstand nach hinten noch größer

Am Dienstag geht’s nun nach Dresden. Mit einem Sieg könnte der Vorsprung auf die Eislöwen (Rang acht, derzeit 15 Punkte) vergrößert werden. Dann wäre den Hessen schon mal das Pre-Playoff-Heimrecht kaum noch zu nehmen. Ein lohnendes Ziel. Zuhause haben die Eislöwen zuletzt Kaufbeuren und Kassel bezwungen, in Deggendorf und zuletzt am Sonntag in Freiburg musste sich die Mannschaft geschlagen geben. Einen gelungenen Einstand bei den Blau-Weißen hat Stefan Della Rovere gefeiert. Der Vorjahres-Kasselaner ist aus Sheffield in Großbritannien in die DEL 2 zurückgekehrt und hat am Wochenende dreimal getroffen. "Dresden ist offensiv stark besetzt; mit Jordan Knackstedt als Führungspersönlichkeit. Über die Defensive müssen wir das Spiel eng halten und vorne unsere Chancen nutzen", sagt Kreutzer. Die Roten Teufel haben zwei der bisherigen drei Saisonduelle mit den Sachsen gewonnen, in Dresden gab’s aber ein 1:3.

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