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Der Schlüsselspieler der Roten Teufel: Felix Bick. Der Torwart will mit dem EC Bad Nauheim in das Viertelfinale der Deutschen Eishockey-Liga 2.

EC Bad Nauheim

Stadt, Stadion, Struktur: Bad Nauheim und Dresden im Pre-Playoff-Vergleich

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Bad Nauheim gegen Dresden. Ab Freitag (19.30 Uhr) stehen sich Kleinstadt und Landeshauptstadt in den Pre-Playoffs der Deutschen Eishockey-Liga 2 gegenüber. Wir haben die Standorte verglichen.

Die Roten Teufel haben durch fünf Niederlagen aus den letzten sechs Hauptrundenspielen die direkte Viertelfinalqualifikation verspielt. Die Dresdener Eislöwen wiederum - gerne als DEL-ambitioniert bezeichnet - haben abermals den ihnen prognostizierten Top-Sechs-Rang verpasst. WZ-Redakteur Michael Nickolaus vergleicht die beiden Standorte vor dem Serienauftakt im Colonel-Knight-Stadion.

Kader

Bad Nauheim/ Das Verletzungspech auf den Kontingentpositionen hat die Saison geprägt. Insgesamt sieben "Ausländer" hatten die Roten Teufel unter Vertrag. Zudem wurde die Partnerschaft mit DEL-Klub Köln in einem außergewöhnlichen Maß gelebt. Insgesamt elf Förderlizenzspieler aus dem Rheinland liefen für Bad Nauheim auf. Dem sportlichen Höhenflug im Herbst folgte eine verkrampfte zweite Saisonhälfte. In der Kritik stehen vor allem die offensiven Kontingentspieler.

Dresden/ Der Kader ist sehr offensiv ausgerichtet. Mehr als 200 Gegentore - das kennt man in Dresden nicht und wäre den Eislöwen beinahe zum Verhängnis geworden. Elvijs Biezias ist das Bauernopfer als fünfter Kontingentspieler, nachdem die Sachsen im Januar auf der Torwartposition mit dem Finnen Riku Helenuis reagiert haben. Wie schon in der Vorsaison blieb die Mannschaft in der Hauptrunde deutlich hinter den Erwartungen zurück.

Tradition

Bad Nauheim/ Seit 1946 wird in Bad Nauheim Eishockey gespielt. Den größten Erfolg feierten die Roten Teufel in der Saison 1973/74 mit Platz drei in der Bundesliga. Nach der Insolvenz 1982 war Bad Nauheim nie mehr erstklassig.

Dresden/ Eishockey wurde in Dresden bereits 1909 gespielt. Dennoch sollte sich die Tradition auf die vergangenen 30 Jahre beschränken. 1990 wurde der ESC gegründet. Aus ihm sind im Jahr 2000 die Eislöwen hervorgegangen.

GmbH

Bad Nauheim/ Andreas Ortwein ist Geschäftsführer des EC Bad Nauheim. Der 42-Jährige ist - mit kurzer Unterbrechung - seit Dezember 2008 der Spitzenfunktionär der Roten Teufel. Ihn kontrolliert ein zehnköpfiger Aufsichtsrat. Rund 50 Kommanditisten sind zudem an der GmbH beteiligt.

Dresden /Maik Walsdorf hat im Jahr 2018 die Geschäftsführung übernommen. Im sportlichen Bereich ist seit Dezember vergangenen Jahres Macro Stichnoth (einst Meister mit Hannover) tätig. Mehrheitseigner der GmbH ist der Stammverein.

Stadion

Bad Nauheim/ Das Colonel-Knight-Stadion wurde 1946 erbaut, ist für 4445 Zuschauer (1625 Sitzplätze) zugelassen und an drei Seiten offen. Tickets gibt’s über die Homepage www.ec-bn.de. Für die Pre-Playoffs wurden die Eintrittspreise um einen Euro erhöht.

Dresden/ Die Energie-Verbund-Arena besteht aus der eigentlichen Arena, einer Trainingseishalle, einer Dreifeld-Ballspielhalle sowie einer 333 Meter langen Eisschnelllaufbahn im Außenbereich. Tickets gibt’s über die Homepage www.eisloewen.de. Die Ticketpreise sind gegenüber der Hauptrunde unverändert.

Stadt

Bad Nauheim/ Eishockey, Elvis Presley und Jugendstil prägen die 32000-Einwohner-Stadt. Presley hatte zu seiner Militärzeit in Bad Nauheim gelebt. Noch heute wird zu Ehren des Musikers, Schauspielers und Sängers das Elvis-Festival gefeiert.

Dresden/ In Dresden leben rund 550 000 Einwohner. International bekannt ist die sächsische Landeshauptstadt durch die Frauenkirche, die prachtvolle Semperoper, den angeschlossenen Zwinger und das Residenzschloss sowie den Fußball-Klub Dynamo.

Trainer

Bad Nauheim/ Christof Kreutzer ist im zweiten Jahr Trainer der Roten Teufel. Die Punkte-Rekord-Saison im Vorjahr (90 Zähler) hatte mit einer 0:4-Viertelfinal-Niederlage gegen Ravensburg geendet. Im Januar wurde der Wechsel des 53-Jährigen zurück in die DEL bekannt. Er wird zur neuen Saison Sportlicher Leiter bei den Schwenninger Wild Wings.

Dresden/ Rico Rossi kennt die zweite deutsche Liga in- und auswendig. Seit 2007 ist er ununterbrochen als Trainer oder Sportlicher Leiter hier tätig; bis 2014 in Heilbronn, bis 2019 in Kassel. Im Herbst vergangenen Jahres hat Rossi, der mit den Huskies 2016 DEL2-Meister geworden war, in Dresden die Nachfolge von Brad Gratton angetreten.

Konkurrenz

Bad Nauheim/ In Frankfurt, Gießen und Wetzlar - jeweils rund 35 Kilometer entfernt - sind Fußball-, Basketball- und Handball-Bundesligisten zu Hause. In der Wetterau selbst regiert - das Fan-Interesse betreffend - aber allein der Eissport; und das schon seit mehr als 70 Jahren.

Dresden/ Die Konkurrenz in der Landeshauptstadt ist groß. Über allem schwebt Dynamo, der Fußball-Klub. Der achtfache Meister der DDR-Oberliga und einstige Bundesligist spielt aktuell in der zweiten Liga, bestimmt die Schlagzeilen und zieht die Massen an. Die Eislöwen konkurrieren in erster Linie mit dem Zweitliga-Handballern des HC Elbflorenz, ihrem unmittelbaren Nachbarn, sowie den Zweitliga-Volleyballerinnen des Dresdener SC und natürlich mit dem kulturellen Angebot, das eine Großstadt zu bieten hat.

Nachwuchs

Bad Nauheim/ Der Stammverein (rund 300 Mitglieder) nimmt mit einer Amateur- sowie sechs Nachwuchsmannschaften am Spielbetrieb teil. Zudem gibt’s eine starke frequentierte Laufschule. Die älteste Nachwuchsmannschaft, die U20, spielt in der Division III Nord der Deutschen Nachwuchs-Liga und belegt dort den siebten und letzten Platz.

Dresden/ Der Stammverein nimmt mit sechs Nachwuchsmannschaften am Spielbetrieb teil und betreibt eine Laufschule. Die U20 spielt in der Division II Nord, die U17 in der höchsten Leistungsklasse. Neben Hobbymannschaften geht auch die Para-Mannschaft der Dresden Cardinals auf das Eis. In der seit 1994 paraolympischen Disziplin gibt es deutschlandweit nur sechs Mannschaften. Dresden hat als einziger Zweitligist die "Fünf-Sterne-Auszeichnung" des Deutschen Eishockey-Bundes erhalten.

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