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Lieber einen Neubau oder doch das altehrwürdige Colonel-Knight-Stadion noch einmal sanieren? Die Meinung scheint inzwischen festzustehen. (Foto: Nici Merz)

EC Bad Nauheim

Die Stadionfrage beim EC Bad Nauheim: So haben andere Städte es gemacht

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Die Stadionfrage rund um den EC Bad Nauheim bewegt die Wetterau. Wir haben uns exemplarisch an zwei anderen traditionsreichen Eishockey-Standorten nach möglichen Lösungen umgeschaut.

Die Stadion-Frage bewegt Bad Nauheim. Schon seit vielen Jahren. Und sie ist aktueller denn je. Bürgermeister Klaus Kreß und Andreas Ortwein als Geschäftsführer des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim hatten beim Neujahrsempfang der Roten Teufel ihre Idee von der Zukunft des Eissports in der Wetterau vorgestellt. Ein Projekt im zweistelligen Millionenbereich: eine Multifunktionsarena mit angeschlossener zweiter Eisfläche an der Stadtgrenze zu Friedberg.

Wir haben uns einmal umgehört: Wie kommt die Projektidee an – bei jahrzehntelangen Dauerkartenbesitzern, bei den Fanclubs, bei Werbepartnern und bei ehemaligen Profis, die die Eishallen der Republik kennen? Und wir blicken zu anderen Standorten: Wie haben vergleichbare kleinere Städte auf die zunehmend wachsenden Anforderungen an eine Spielstätte reagiert? Warum beispielsweise wurde in Kaufbeuren eine neues Eisstadion gebaut – ohne zweite Eisfläche oder multi­funktionellen Charakter? Und warum hat man sich in Straubing, seit 2006 der DEL angehörend, für einen sukzessive Modernisierung anstelle eines Neubaus ausgesprochen? Eine Spurensuche in und außerhalb der Wetterauer Kurstadt.

So haben andere Städte reagiert / 1. Beispiel Kaufbeuren: Aufschwung nach Neubau

Der DEL 2-Standort Kaufbeuren wird in Bad Nauheim gerne zum Vorbild genommen. In der Vorsaison wurde im Allgäu die neue reine Eissporthalle eingeweiht. Der Zuschauerschnitt konnte annähernd verdoppelt werden. Nie war die Zahl der Eissport treibenden Kinder und Jugendlichen beim ESV höher.

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Vor dem ersten Spatenstich waren viele Hürden zu überwinden. Das alte Stadion (1958 erbaut) war 2012 quasi über Nacht aufgrund eines baulichen Gutachtens gesperrt worden. Eine Million Euro wurden daraufhin in die Immobilie gesteckt, um die Zeit bis zur Eröffnung eines Neubaus zu überbrücken. Eine Komplettsanierung war nie eine Alternative, da die Kosten in keinem Verhältnis zu einem Neubau gestanden hätten. Das letztlich 24 Millionen Euro teure Projekt war in der Bevölkerung auf Widerstand gestoßen. Ein Bürger­entscheid brachte aber schließlich ein klares Votum.

Beispiel Kaufbeuren: Verkehrsgünstig gelegen, aber kein multifunktionaler Charakter

3 100 Plätze fasst die neue Arena, die alle Zweitliga-Standards erfüllt. Auf eine höhere Zuschauerkapazität und mögliche Extras wurde bewusst verzichtet, um die Kosten gering zu halten. Die neue Arena wurde, angrenzend an ein Wohngebiet, in den bereits bestehenden Sportpark integriert; fußläufig und damit verkehrsgünstig in Bahnhofs­nähe gelegen. Die Nachbarschaft zur alten Halle ermöglicht zudem die Nutzung der bereits bestehenden Parkplätze.

Eine zweite Eisbahn sowie ein multifunktionaler Charakter waren schon aus Kostengründen nicht vorgesehen. Eine Karthalle etwas außerhalb des Zentrums kann alternativ kulturelle Veranstaltungen mit rund 1 500 Besuchern beherbergen. Im 35 Kilometer entfernten Kempten bietet die bigBox Allgäu Platz für Großveranstaltungen bis 9 000 Personen.

Der Eishockeysport in Kaufbeuren hat einen enormen Schub bekommen. Der VIP-Bereich (Kapazität: 220 Personen) ist regelmäßig ausverkauft und längst zu klein. Auch dank des nun sportlichen Erfolges wird das Projekt in der Bevölkerung heute positiv wahrgenommen.  

Beispiel Straubing: Modernisierung für die DEL

Das Stadion am Pulverturm – zentrumsnah gelegen – wurde 1967 erbaut, wird ausschließlich vom Eissport genutzt und fortlaufend modernisiert. Infolge des DEL-Aufstiegs (2006) hat sich die Stadt ganz bewusst für die kostengünstigste DEL-taugliche Variante entschieden. Die letzte noch offene Stadionseite wurde geschlossen. Quasi unterm Dach wurde ein Oberrang mit Sitzplätzen eingezogen. Unterhalb der Tribünen ist ein neuer Kabinentrakt geschaffen worden. Die Lichtanlage musste TV-gerecht erneuert werden. In einem umgebauten Eingangsbereich vor der Halle sind VIP-Raum, Geschäftsstelle und Fanshop untergebracht. Die Gesellschafter des DEL-Klubs haben zudem einen Videowürfel finanziert. Maßnahmen, die allesamt ohne DEL-Qualifikation sicherlich nicht ergriffen worden wären. Wieder und wieder stößt man allerdings auch an architektonische Grenzen. Logen, wie sie beispielsweise im Curt-Frenzel-Stadion in Augsburg (eröffnet 1938, renoviert 1978) nachträglich integriert wurden und den Verein natürlich wirtschaftlich vo­ranbringen, können in Straubing nicht reali­siert werden.

Mit Containerlösungen werden aktuell fehlende Kapazitäten im Bereich der Kabinen kompensiert. Eine zweite Eisfläche existiert nicht, obwohl ein benachbartes Grundstück die Möglichkeit dazu böte. Eine Realisierung scheitert aber in erster Linie an wirtschaftlichen Aspekten.

Trotz der "Dauerbaustellen" – im kommenden Sommer soll nun die Eispiste mit 3,2 Millionen Euro saniert werden – gab und gibt es keine Planungen für eine neue Spielstätte oder eine multifunktionale Arena. Die Stadthalle, wenige Jahre vor dem Höhenflug der Eishockey-Mannschaft und der Volleyball-Damen (inzwischen Bundesligist) gebaut, dient als Veranstaltungsstätte für Messen und Konzerte. Ein Umbau  dieser Halle zu einer Sportarena ist nicht möglich. Parkplätze rund um das Stadion gibt es in ausreichender Zahl. Neben dem Stadion in Straubing wurden auch die Hallen in Iserlohn, Schwenningen und Augsburg nachträglich auf DEL-Standard getrimmt.

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