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Weihnachten bei den Gurycas: Unser Bild zeigt den Torwart des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim mit seiner Frau Lena, seinen beiden Kindern Ella (7 Jahre) und Mila (3 Jahre) und den Hunden Maia und Balou.

Unterm Weihnachtsbaum

Wie Sportler aus der Wetterau Weihnachten feiern

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  • Philipp Keßler
    Philipp Keßler
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Traditionen spielen an den Weihnachtstagen eine große Rolle. Wir haben uns unter Wetterauer Sportlern mit ausländischen Wurzeln nach deren Gepflogenheiten an den Festtagen erkundigt.

Baum schmücken, Kirchgang, Kartoffelsalat und Würstchen, dann gibt es die Bescherung. So sieht Weihnachten bei vielen Wetterauern vermutlich traditionellerweise aus. Doch gerade im Sport kommen viele Kulturen und Menschen aus den unterschiedlichsten Regionen der Erde zusammen. Und plötzlich sehen der Heiligabend und die Feiertage schon ganz anders aus.?

Terrance Johnson (American Football, Wetterau Bulls)

Weihnachten ist für Terrance Johnson vor allem Erinnerung. Der Sportliche Leiter der Wetterau Bulls ist gebürtiger US-Amerikaner – und liebt Weihnachten. "Weihnachten ist in Amerika etwas Besonderes", sagt er. Dann seien die Straßen und Häuser üppig geschmückt, die Geschäfte bis oben hin voll mit Dekoration und überall höre man Weihnachtslieder, erzählt der Football-Funktionär und -Trainer. Das fehle ihm in Deutschland am meisten. Hierzulande ist es ihm einfach nicht feierlich genug. Aber immerhin etwas hat der Vater einer erwachsenen Stieftochter sich bewahrt: Ein großer Weihnachtsbaum im Wohnzimmer muss schon sein, auch wenn seine Frau das nicht unbedingt gut findet. "Das ist ein Stück Heimatgefühl für mich", sagt er. Zu Weihnachten und Ostern gehöre auch der Gang in die Kirche, auch wenn er nicht streng gläubig sei. Und im Unterschied zu Deutschland hätte es in seiner Kindheit die Geschenke erst am Morgen des 25. Dezembers gegeben, am Heiligabend wären aber bereits das Essen, die Deko und die Geschenke bereits vorbereitet gewesen, sodass es am Weihnachtsmorgen direkt hätte losgehen können. Seinem zweijährigen Enkel wird er davon sicher heute auch erzählen.

Bojan Blagojevic (Fußball, Spvgg. 08 Bad Nauheim)

Bojan Blagojevic hat es gut. Er feiert zweimal Weihnachten – das "deutsche" und das serbische, aus seiner Heimat. Seit 27 Jahren lebt er in Bad Nauheim, ist dort groß geworden, die Tradition hat er aber mit seiner Familie bewahrt. Als orthodoxer Christ gibt es zwar auch Heiligabend und die Weihnachtsfeiertage, doch aufgrund der unterschiedlichen Kalender findet der erst am 6. Januar statt – wenn hier schon alles vorbei ist. "Dann stehst du im Supermarkt und kannst nicht mal mehr Stollen und Gebäck kaufen", sagt der Trainer des Fußball-A-Ligisten Spvgg. 08 Bad Nauheim mit einem Lachen. Denn ansonsten sei Weihnachten in Deutschland und Serbien sich ziemlich ähnlich: Es gebe den Nikolaus, der die Geschenke bringt, einen geschmückten Tannenbaum und gutes Essen. Traditionell serbisch ist dagegen der Einsatz von Weihrauch und ein spezielles Brot, in dem eine Münze eingebacken wird. Wer die Münze in seinem Stück hat, soll im kommenden Jahr Glück haben. Der Einfachheit halber lasse er sich schon seit Jahren doppelt beschenken, sagt Blagojevic und lacht erneut. Deutlich traditioneller – und damit auch etwas altmodischer – geht es nur zu, wenn in Serbien Weihnachten gefeiert wird. Dann wird schon einmal ein Spanferkel oder ein Lamm gegrillt. "Da wird eben alles etwas größer aufgefahren. Hier in Deutschland hat man es aber als Kind natürlich anders mitgekriegt", sagt er.

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Kamber Koc (Fußball, Türkischer SV Bad Nauheim)

Als Moslem hat Weihnachten für Kamber Koc, Torhüter des Fußball-Gruppenligisten Türkischen SV Bad Nauheim, keine besondere religiöse Bedeutung. Dennoch hat er jahrelang Weihnachten gefeiert – mit seiner deutschen Freundin gab es alles rund um Weihnachtsbaum, Dekoration und Geschenke. Mittlerweile sind Weihnachten vor allem drei Feiertage, die er dazu nutzt, um sich mit Freunden und Familien zum treffen. Dann wird zusammengesessen, gegessen und getrunken. "Bei uns in der Kultur gibt es das ja so nicht", sagt der gebürtige Bad Nauheimer mit türkischen Wurzeln. Dafür feiert er dann die muslimischen Feiertage mit seiner Familie. Bei den christlichen "hat man aber auch mal Zeit für sich und die Familie. Von daher nehmen wir das schon gerne mit", sagt er mit einem Lachen. Und spätestens an Silvester ist dann beim Feiern auch wieder richtig dabei.

Radu Balazs (Handball, TG Friedberg)

Radu Balazs, der Torhüter der TG Friedberg aus der Handball-Landesliga, fährt über Weihnachten in seine rumänische Heimat. Dort sind die Feiertage traditionell aufgeteilt: Während die Gläubigen, also meist die älteren Menschen, an Heiligabend in die Kirche gehen, treffen sich die Jüngeren, um vom Haus des einen zum nächsten zu ziehen, einzukehren und zu essen und zu trinken – vorher muss aber im Vorgarten ein traditionelles rumänisches Weihnachtslied gesungen werden, sonst erhält man keinen Einlass. Am ersten Weihnachtsfeiertag geht es dann mit der ganzen Familie essen, zum Beispiel bei den Großeltern. Am zweiten Feiertag wird dann im engsten Kreis eher entspannt. Das ist auch nötig, denn gerade an Heiligabend und dem ersten Feiertag kommen immer wieder Freunde und Bekannte vorbei. Deshalb wird im Vorfeld viel gekocht. Traditionelles Gericht: Sauerkraut mit Hackfleisch, dazu Polenta und Rotwein. Die Geschenke werden übrigens erst aufgemacht, wenn alle zusammen am Weihnachtsbaum sitzen, entweder am 24. Dezember abends oder am morgen danach.

Andrej Bires (Eishockey, EC Bad Nauheim)

Heimspiel am Sonntag, Auswärtsspiel am Mittwoch. Dazwischen noch eine Trainingseinheit. Tücken der Berufswahl. Der gebürtige Slowake Andrej Bires ist Eishockey-Profi beim Zweitligisten EC Bad Nauheim. Acht Spiele in 17 Tagen stehen auf dem Programm. In diesem Jahr kommen seine Eltern und seine Schwester zu Besuch in die Wetterau. Der Baum ist bereits gekauft, wird am Vormittag des Heiligabend geschmückt. Um 19 Uhr wird gegessen. Traditionell stehen eine Kräutersuppe mit Wurst, Kartoffelsalat sowie Fisch auf dem Speiseplan. Die Schuppen des Fischs werden unter den Teller gelegt. "Das soll Geld bringen", sagt Bires und lacht. Nach der Bescherung geht’s traditionell in die Kirche. "Wenn andere viel Zeit mit der Familie verbringen, dann haben wir volles Programm. Aber das ist eben so. Ich habe mich entschieden, Eishockey-Profi zu sein. Und dann gehört dies eben auch dazu", sagt Bires.

Harez Habib (Fußball, FC Karben)

Weihnachten hat für den Spielertrainer des Fußball-Kreisoberligisten FC Karben, Harez Habib, eine besondere Bedeutung – allerdings nicht aus religiösen Gründen. Denn der gebürtige Afghane ist wie die große Mehrheit in seinem Heimatland Moslem. Dennoch sind die Weihnachtsfeiertage für ihn und seine Familie besonders: "Drei freie Tage hintereinander sind ein schöner Anlass, dass die Familie aus dem In- und Ausland mal wieder zusammenkommt", sagt Habib. Dann wird schön essen gegangen oder man sitzt einfach mal gemütlich zusammen und redet – ganz ohne Ablenkung durch Arbeit oder Trubel. "Man kann sich mal wieder auf sich und seine Lieben konzentrieren", sagt Habib. Allerdings: Die westlichen Weihnachtstraditionen haben inzwischen auch in seiner Familie Einzug erhalten, den kleineren Nichten und Neffen sei Dank. So steht dann doch mal ein Weihnachtsbaum im Wohnzimmer und es gibt ein paar Geschenke für die Kinder. "Es ist nicht schlecht, die Traditionen zu übernehmen. Denn unser Vorteil ist doch jetzt, dass wir die westlichen und unsere muslimischen Traditionen gleichermaßen feiern können. So hat man mehr Anlässe, Zeit mit der Familie zu verbringen", sagt er – und darauf kommt es an Feiertagen wie Weihnachten doch an.

Jan Guryca (Eishockey, EC Bad Nauheim)

Jan Guryca trifft dasselbe Schicksal wie Andrej Bires – schließlich ist der Torhüter auch Profi beim Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim. Ein Vorteil für den Routinier. Er wohnt mit seiner Frau Lena, seinen beiden Kindern Ella (7 Jahre) und Mila (3 Jahre) und den Hunden Maia und Balou gemeinsam mit seinen Eltern in einem Haus in Bad Nauheim. Trotzdem sei Weihnachten und Silvester meist auch Alltag. Das einzige Mal, dass er frei war hatte, war im vergangenen Jahr, als er verletzungsbedingt mit dem Sport pausieren musste. "Da merkt man schon, dass die Feiertage eigentlich eine besinnliche und erholsame Zeit sind, aber das gehört zu meinem Beruf dazu – und ist es ja auch nicht für immer", sagt Guryca. An Weihnachten in diesem Jahr gibt es gleich mehrere neue Traditionen: Da wäre einerseits der Kirchgang, denn die beiden Kinder sind als Maria und als Engel Teil eines Krippenspiels, außerdem gibt es statt Gans, Rotkraut und Knödeln ein französisches Essen aus seiner Heimat: ein Käsefondue. Nach dem Essen gibt es die Bescherung. Eine Besonderheit: Die Erwachsenen beschenken immer nur jeweils einen anderen aus der Familie. Denn bei Gurycas wird gewichelt. "Wir wollten so die Geschenkeflut etwas eindämmen", sagt Gurcya. "Und wir Anfang Dezember meist schon losen, hat man noch genügend Puffer, sich etwas zu überlegen oder dem anderen einen Wunsch zu entlocken."

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