Eishockey

Schneller, attraktiver, sicherer: Das sind die neuen Eishockeyregeln für die Saison 2018/19

  • Philipp Keßler
    vonPhilipp Keßler
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Die deutschen Eishockeyligen haben zum Start der neuen Saison die Regeln überarbeitet. Hier schätzt der Bad Nauheimer DEL- Schiedsrichter Benjamin Hoppe die Neuheiten ein.

Eishockey ist schnell, hart und nicht immer ungefährlich. Um für die Zuschauer attraktiver zu werden, gleichzeitig die Sportler aber besser vor Verletzungen zu schützen, hat die International Ice Hockey Federation (IIHF) das Regelwerk zur neuen Saison überarbeitet. Die beiden höchsten deutschen Spielklassen, die DEL und die DEL 2, haben daraufhin auch ihr Regelwerk angepasst. Die wichtigsten Änderungen mit Einschätzung des Bad Nauheimer DEL-Schiedsrichters Benjamin Hoppe sind nachfolgend erklärt:

Eishockey: Das ist im Regelwerk der DEL und DEL2 alles neu

Regel 19 – Markierungen auf der Eisfläche: Die wohl offensichtlichste Änderung ist die Neugestaltung des Torraums. Dieser bildet keinen Halbkreis mehr um das Tor, sondern ist rechts und links "abgeschnitten" worden. Damit ist der geschützte Bereich nur noch 2,44 Meter statt 3,60 Meter breit, dafür aber nach vorne 3 Zentimeter länger (insgesamt 1,83 Meter). "Das macht die Aktionen vor dem Tor noch interessanter", sagt Schiedsrichter Hoppe. Aber: Für die Unparteiischen würden die Szenen noch unübersichtlicher, wenn es um die Frage der Behinderung des Keepers oder eine Torentscheidung geht.

Eishockey: Kein Münzwurf mehr beim Penaltyschießen

Regel 63 – Penaltyschießen: Das Heimteam fängt bei Gleichstand nach der regulären Spielzeit automatisch mit dem Penaltyschießen an. Es gibt keinen Münzwurf mehr. "Das macht die Sache einfacher und schneller und es gibt keine Diskussionen mehr, ob der Sieger des Münzwurfs anfängt oder bestimmen darf, welches Team anfängt. Das war nie richtig geregelt", sagt Hoppe.

Regel 116 – Übergriffe gegen Offizielle: Hier gibt es gleich mehrere Änderungen. Die wichtigste aus Hoppes Sicht: Statt einer Disziplinarstrafe gibt es jetzt eine persönliche Strafe gegen Spieler, die sich gegenüber den Offiziellen nicht korrekt verhalten. Das bedeutet, dass die Mannschaft dann in Unterzahl spielen muss, anstatt dass der Spieler mittels Disziplinarstrafe aus dem Verkehr gezogen wird, die Mannschaft auf dem Feld aber aufgefüllt werden darf. "Das macht es wertvoller, eine disziplinierte Mannschaft zu haben", meint Hoppe.

Eishockey: Neue Regel in Sachen Behinderung des Spiels

Regel 141 – Faustkampf: Hierbei wurden die Regeln aus Sicht Hoppes präzisiert. Die Faustkampf-Regel (doppelte kleine Strafe und Disziplinarstrafe) wird nur benutzt, wenn die Konfrontation "ausgedehnt" ist und es zu wiederholten Faustschlägen kommt. Es gibt zudem keine zusätzliche Disziplinarstrafe mehr für das Ausziehen der Handschuhe. Alles andere wird als übertriebene Härte (Regel 158) gewertet, was mit einer kleinen oder zwei kleinen Strafen geahndet wird. "Das macht es für uns Schiedsrichter einfacher", sagt Hoppe.

Regel 149 – Behinderung: Neu ins Regelbuch aufgenommen wurde die Behinderung durch Spieler von der Bank, die mit einer kleinen Strafe geahndet wird. "Es kommt nicht so oft vor, aber jetzt gibt es eine klare Regel, auch wenn das vorher schon immer irgendwie geahndet worden ist", sagt Hoppe.

Eishockey: Der späte Check und weniger strenge Regeln beim Slew Footing

Regel 153 – Später Check: Dieser Regelverstoß ist ebenfalls neu. Passend dazu gibt es auch ein neues Regelzeichen. Früher wurde bei Situationen, in denen der Puck bereits abgespielt war, aber nach zwei oder drei Sekunden immer noch gecheckt wurde, mit Behinderung als Strafe agiert, nun sei dies präzisiert worden, sagte Hoppe. Hintergrund sei der höhere Schutz der Spieler.

Regel 160 – Slew Footing: Das Treten von hinten gegen die Schlittschuhe, sog. Slew Footing, sei in der Vergangenheit nicht immer so hart gewesen, als dass eine Matchstrafe, also die Höchststrafe, automatisch angemessen gewesen sei. Nun wird eine große Strafe (fünf Minuten) plus Spieldauerdisziplinarstrafe verhängt. Bei einer rücksichtslosen Gefährdung können die Schiedsrichter aber weiterhin die Matchstrafe aussprechen.

Eishockey: Mehr Tore durch neue Penalty-Regel?

Regel 167 – Beinstellen: Neu in der Definition des Beinstellen ist neben Stock und Bein der Arm. "Das wurde schon immer gepfiffen, stand aber nie im Regelbuch", sagt Hoppe. Wichtig sei dabei, dass der Spieler von seinem Foul profitiere, indem sein Gegner den Puck oder sichtbar an Tempo verliere. Verschärft wurde Abschnitt zwei der Regel, wodurch nun die Strafe auch gegeben wird, wenn der Puck zwar gespielt wurde, der Gegner aber dennoch fällt. "Da hatten wir ein riesiges Problem, wenn der Spieler nach dem Puckspielen in die Bande gerauscht ist, wir aber keine Strafe geben durften", sagt Hoppe. Dies ist nun beseitigt. Bei einem Konter, einer sog. Breakaway-Situation, wird zudem zwingend eine kleine Strafe verhängt wird, jedoch kein Penalty.

Regel 176 – Ablauf eines Penaltys: Nach einem Foul in einer Breakaway-Situation musste früher der Gefoulte den Penalty selbst ausführen. Dies kann nun jeder Spieler seines Teams auch tun. Dies mache den Verstoß teurer und erhöhe die Wahrscheinlichkeit von Toren, erklärt Hoppe.

Eishockey: Das ist sonst noch im Regelwerk neu

Grundsätzliche Neuerungen: Ebenfalls neu ist, dass das Entweder-oder-Merkmal bei einer großen Strafe und automatischer Spieldauerdisziplinarstrafe wegfällt. Voraussetzung waren bislang eine rücksichtslose Gefährdung und/oder eine Verletzung. Nun reicht die rücksichtslose Gefährdung. "Das macht es uns einfacher, denn als Schiedsrichter sind wir keine Ärzte", sagt Hoppe. "Zudem nimmt es die Gefährlichkeit etwas raus." Ebenfalls anders ausgelegt wird der Stockschlag, wenn dieser in Richtung der Hände des Gegners geht. "Das ging in den letzten Jahren in die falsche Richtung", sagt Hoppe. Es ist nun egal, ob der Spieler bei einem Stockschlag den Puck verliert (bisheriges Merkmal) oder nicht – in beiden Fällen kann eine rücksichtslose Gefährdung vorliegen. Neu ist auch, dass die Schiedsrichter die Drittelpause um zehn und nicht mehr nur um fünf Minuten vorziehen dürfen, wenn etwa eine Plexiglasscheibe gebrochen oder das Eis in einem schlechten Zustand ist. Die verlorene Zeit wird nach einer Pause nachgespielt, in der eigentlichen Drittelpause werden nur die Seiten gewechselt. So soll das Verletzungsrisiko durch Unterkühlung der Muskulatur bei einer längeren Pause auf dem Eis gesenkt werden.

Eishockey: Das ist das Fazit des DEL-Schiedsrichters

Fazit: "Die Richtung ist seit Jahren diesselbe: Der Eishockeysport soll sicherer, fairer und durch mehr Tore attraktiver für die Zuschauer werden. Das Spiel wird durch die neuen Regeln schneller, aber das Verletzungsrisiko wird gesenkt", bilanziert Hoppe.

Info

Zur Person: Benjamin Hoppe

Der Bad Nauheimer Benjamin Hoppe geht bereits in seine dritte Saison als Hauptschiedsrichter in der ersten deutschen Eishockeyliga DEL. Selbst als Spieler in der Jugend des EC Bad Nauheim groß geworden, entschloss er sich mit 16 Jahren für die Schiedsrichterei. Seit 2010 war er als Linienrichter in der DEL und DEL 2 tätig, ab 2015 für eine Saison als Hauptschiedsrichter in der zweiten Liga, ehe er den Aufstieg in die DEL schaffte. Er hat darüber hinaus schon mehrere internationale Einsätze wie die U 18-WM in Russland im vergangenen Jahr und das Champions-Hockey-Halbfinale in Finnland absolviert. Der 29-Jährige arbeitet hauptberuflich in der Verwaltung eines großen Groß- und Außenhandelsbetriebs in Frankfurt.

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