Sammelfieber

Sammelfieber in der Kurstadt

Nach wochenlanger Vorbereitungszeit haben die Roten Teufel ein Sammelalbum auf den Markt gebracht. Und natürlich reichlich Sticker-Tütchen – mit vielen bekannten und weniger bekannten Gesichtern. Denn Bilder gibt es von allen Bad Nauheimer Spielern – von der Laufschule bis zu den DEL2-Profis.

Von SRD

Als Daniel Heinrizi am Donnerstagabend den Innenbereich des Colonel-Knight-Stadions betritt, macht sich die DNL2-Mannschaft bereits auf der Eisfläche warm. Eine Trainingseinheit zusammen mit Assistenztrainer Harry Lange steht auf dem Programm. Nichts Besonderes. Doch dieser nasskalte Januartag ist durchaus besonders. Denn der Verkaufsstart des EC-Sammelalbums hatte für Aufsehen gesorgt. Nicht nur bei Fans und Spielern, sondern auch bei Betreuern und Trainern. »Na, willst du deine Doppelten tauschen«, flachst Geschäftsstellenmitarbeiter Tim Talhoff mit Daniel Heinrizi, ehe dieser auf der Eisfläche verschwindet. Mit 600 Sammeltüten (mit je zehn Stickern) und 400 Alben startete der Traditionsverein ein Projekt mit Seltenheitswert. Dass zu großen Turnieren Sammelalben im Umlauf sind, ist zwar gang und gäbe. Dass ein Verein ein eigenes Album herausbringt, kommt allerdings nicht häufig vor. Und meist gehen solche Projekte in kleinem Rahmen über die Bühne. Ende 2015 brach etwa im mittelhessischen Großen-Buseck ein Sammelfieber aus, als der heimische Fußballverein eine ähnliche Idee umsetzte.

»In der deutschen Eishockey-Landschaft sind die Fischtown Pinguins Bremerhaven und wir die einzigen Vereine mit einem eigenen Sammelalbum«, weiß Tim Talhoff, der das Projekt bei den Kurstädtern seit August vergangenen Jahres federführend begleitet hatte. Die Idee stammte allerdings von DEL2-Spieler Harry Lange, der im vergangenen Sommer als Praktikant in der EC-Geschäftsstelle tätig war. »Wir Profis stehen immer im Rampenlicht, unsere Nachwuchsspieler kennen hingegen nur wenige. Ich finde aber, dass sie ebenfalls Aufmerksamkeit verdient haben«, erläutert Lange die Vision zur Aktion, die rund zwei Monate, bis zum 19. März, laufen soll. 200 Alben und 8000 Sammeltüten kann der EC Bad Nauheim bis dahin beim Hamburger Stickerverein nachbestellen, der das Projekt nach den Vorgaben des Vereins umgesetzt hatte. Anfang September schickte das Unternehmen sogar eine Delegation in die Wetterau, um die zahlreichen Nachwuchsspieler abzulichten.

Fast 260 Bildmotive (darunter auch viele historische Aufnahmen) umfasst das rund 45 Seiten starke Album, das den EC Bad Nauheim nur wenig Geld gekostet hat. Denn der Verein muss nur die Kosten für die Alben (fünf Euro je Stück) und Sticker (ein Euro pro Tüte) tragen, die konzeptionelle und grafische Beratung schlägt hingegen nicht zu Buche. »Das ist eine Win-win-Situation«, sagt Talhoff und erläutert: »Der Stickerverein freut sich, dass er jetzt einen DEL2-Club im Portfolio hat. Und wir freuen uns, dass wir auf unsere Marke aufmerksam machen können.« Nichts anderes bezweckt der EC Bad Nauheim mit dem Projekt. Denn in Zeiten expandierender Freizeitangebote muss der Traditionsverein um die Gunst von Zuschauern und Nachwuchsspielern kämpfen. »Ein solches Sammelalbum ist eine gute Gelegenheit, bei Kindern zu punkten«, glaubt Marco Veith, der seit Oktober vergangenen Jahres als Beirat des Bad Nauheimer Nachwuchsvereins fungiert und das Projekt in der Vermarktungsphase begleitet hat.

»In den letzten Wochen wurden Kinder und Eltern immer ungeduldiger«, erzählt Veith und schiebt nach: »Mittlerweile können sich auch unsere Trainer für das Projekt begeistern.« Für ein Projekt, dass die Verantwortlichen auch Nerven gekostet hat. Weil ein Großteil der abgelichteten Spieler minderjährig ist, mussten Einverständniserklärungen der Eltern eingeholt werden. »Das hat sich über einen Monat hingezogen«, berichtet Talhoff. Die Zusammenarbeit mit dem Stickerverein gestaltete sich hingegen als unkompliziert, wenngleich die Vorstellungen nicht von Beginn an identisch waren. »Wir wollten ein Album, das zu unserer Corporate Identity passt«, erläutert Talhoff. Es ging um viel Detailarbeit, unter anderem um Schriftarten und -schrägen. Herausgekommen ist ein facettenreiches Album, das in konzeptioneller und grafischer Hinsicht den Verkaufsschlagern vor großen Turnieren in nichts nachsteht. »Es entspricht genau unseren Vorstellungen«, freut sich Talhoff, der eine Fortführung des Projekts für möglich hält: »Man könnte etwa Bilder von Spielerlegenden und Geschäftsstellenmitarbeitern einbauen.«

In seiner jetzigen Form würdigt das Sammelalben aber primär die Leistungen des Nachwuchses. So wie es sich Harry Lange im Sommer 2016 vorgestellt hatte. »Bestimmt holen sich auch einige Großeltern das Album«, sagt Lange mit einem breiten Grinsen. Dann verschwindet er auf der Eisfläche, wo die DNL2-Nachwuchsspieler warten. Die dürfen in diesen Tagen schon einmal in die Rolle eines Eishockey-Stars schlüpfen.

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