EC Bad Nauheim

Wie die Roten Teufel das Mammut-Programm angehen

  • Michael Nickolaus
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Sechs Spiele in 13 Tagen. Ein echtes Mammut-Programm. Matthias Ott, Fitness- und Athletik-Coach des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim, erklärt, worauf es in der Regeneration nun ankommt.

Für Eishockey-Profis in Deutschland rund um Weihnachten und Silvester aber auch schon Gewohnheit. Die Zeit zwischen den Jahren - das hat die Vergangenheit schon mehrfach gezeigt - ist zugleich wegweisend. In der Saison 2015/16 hatte der EC Bad Nauheim mit einer Dezember-Serie (zwischenzeitlich 10:1-Siege in Folge) die Basis für die spätere direkte Viertelfinal-Qualifikation gelegt. In der Vorsaison wiederum (zwischenzeitlich 2:12-Siege) haben sich hier die Playdowns abgezeichnet.

»Zu den Spielen in kurzen Abständen kommen auch die Busreisen zu den Auswärtsspielen. Wir justieren das Training immer wieder nach, reduzieren den Umfang und setzen neue Reize«, sagt Matthias Ott, der Fitness- und Athletik-Coach der Roten Teufel.

Matthias Ott, sechs Spiele in 13 Tagen. Wie bereitet man sich vor? Was ist anders als in der normalen Saison?

Matthias Ott: In der regulären Saison bereiten wir die Jungs auf zwei Spiele am Wochenende vor. Allerdings muss man auch hier - gerade in dieser Saison mit vielen Verletzungen - immer wieder die Trainingssteuerung umstellen, da wir von Woche zu Woche nicht wissen, wer überhaupt zu Wochenbeginn auf dem Eis stehen kann. Jetzt kommen zu dem dichten Terminplan teils auch weite Busfahrten hinzu. Wir justieren das Training immer wieder nach, setzen neue Reize, reduzieren jetzt den Umfang. Die Regeneration und die mentale Frische leiden in einer Phase mit vielen Spielen ab einem bestimmten Umfang.

Welche Bedeutung gewinnen in dieser Phase die Themen Regeneration und Ernährung?

Ott: Regeneration ist eine der wichtigsten Faktoren in diesem Zeitraum. Drei Tage sind nach dem Lehrbuch das absolute Minimum, m sich nach einem Eishockeyspiel physisch komplett zu regenerieren. Das ist in den kommenden Tagen nicht möglich. Bei drei Partien pro Woche muss das Trainingspensum angepasst werden. Hier bin ich im ständigen Austausch mit Trainer Petri Kujala. Zudem müssen die Spieler in ihren Körper hineinhören und ein Gespür entwickeln, was in dieser Phase erforderlich ist. Für den einen ist eine ruhige Fahrt auf dem Rad beser, für den anderen ein Eisbad. Wichtig ist dazu die Arbeit mit unseren Physiotherapeuten und Ärzten. Regenerative Massagen und Behandlungen helfen, um schneller zu regenerieren. Um die hohe Belastung optimal zu meistern, kommt es nun also auf die richtige Regeneration an. Das ist entscheidend. Zudem stellen auch die teils weiten Busfahrten körperlich eine gewisse Anforderung dar.

Ein Spieler verliert in einer Partie mehrere Kilogramm an Flüssigkeit.

Ott: Ja, bis zu fünf Kilogramm. Was ausgeschwitzt wird, muss so schnell wie möglich ersetzt werden. Unmittelbar nach dem Spiel gibt’s deshalb einen Shake mit Kohlenhydraten und Proteinen. Spätestens eine Stunde nach Spielende sollte dann richtig gegessen werden. Die richtige Ernährung ist ein entscheidender Faktor für eine schnelle Regeneration.

Fußball-Profis klagen oftmals über hohe Belastungen. Sind Eishockey-Profis »härter«? Inwiefern unterscheiden sich die Belastungen?

Ott: Die Top-Klubs, die international spielen, haben regelmäßig englische Woche, plus Anreisen, Flügen, Übernachtungen in Hotels. Hier zieht sich das durch die gesamte Saison durch. Da ist eine gezielte Trainingssteuerung erforderlich.

Die Roten Teufel gehen mit schlankem Kader in die kommenden Tage. Inwiefern können sich die Belastungen auf den weiteren Verlauf des Januars auswirken?

Ott: Unser Kader ist derzeit von Verletzungen arg gebeutelt. Aber die Jungs auf dem Eis und wir als Trainer stehen jeden Tag auf und wollen besser sein als am Vortag. Jeder arbeitet und will gewinnen. Die Trainingssteuerung ist nun natürlich umso bedeutungsvoller, um auch für den weiteren Saisonverlauf das Level halten zu können.

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