EC Bad Nauheim

Rote Teufel mit Begeisterung und Leidenschaft

  • Michael Nickolaus
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Bad Nauheim im Derby-Rausch: Die Roten Teufel bezwingen Frankfurt mit Vollgas-Eishockey, mit Herz. »Ich bin einfach brutal glücklich«, sagt Torschütze Andreas Pauli.

Cody Sylvester traf ansatzlos aus dem Handgelenk. Wie schon gegen Bayreuth. Wie schon gegen Kassel. Der Treffer des Kanadiers, das Siegtor nach 69 Sekunden der Verlängerung, versetzte Bad Nauheim in einen Rausch. In Ekstase. In Glücksgefühle eines Sieges gegen einen hessischen Rivalen. Zum zweiten Mal binnen 14 Tagen konnte am Sonntag das »Derbysieger«-Banner entrollt werden. Mit 2:1 hatten die Roten Teufel, der Kleinstadt-Klub aus der Wetterau, die Löwen Frankfurt bezwungen. Das Punktekonto steht - zuvor bereits ergänzt durch den Punktgewinn am Freitag in Freiburg (2:3 nach Verlängerung) - bei nunmehr 19 Zählern. Mehr Punkte nach elf Spielen hatte Bad Nauheim seit der Zweitliga-Rückkehr 2013 bislang noch nie auf dem Konto.

Die Roten Teufel hatten den mehr als 4000 Zuschauern Vollgas-Eishockey geboten. Spielerisch limitiert. Aber mit Leidenschaft, mit Emotionen, mit Begeisterung. So, wie sich die Zuschauer das gerade in den Heimspielen wünschen. So, wie dies der Mannschaft vor allem in den beiden hessischen Duellen überaus erfolgreich gelungen ist. Der Sieg - verdient! Das wurde am Ende auch beim DEL2-Meister eingeräumt. Vielleicht hatte das zweite Wochenend-Derby bei den Löwen nach deren Sieg gegen Kassel an Bedeutung verloren; tief im Unterbewusstsein. Eine Erfahrung, die die Roten Teufel beim hessischen Wochenend-Doppelpack im Vorjahr gemacht hatten. Sonntags, in den vier Spielen gegen Kassel, waren die Wetterauer viermal punktlos geblieben.

»Die Löwen haben eine derart große Qualität. Wir wussten, als wir nur über Emotionen und als Team gewinnen können. So sind wir aufgetreten und wurden belohnt«, sagt Radek Krestan. Wie schon am Vorsonntag in Garmisch ist der Stürmer auch diesmal ganz am Ende in den Fokus gerückt. Zunächst mit einem Pfostenschuss (59:55 Minuten), dann mit dem vermeintlichen Lucky Punch; allerdings Sekundenbruchteile nach der Schlusssirene. Ärgerlich: Unmittelbar vor dem letzten Bully war die Uhr erst drei Sekunden nach dem Abpfiff angehalten worden (59:57). Einen entsprechender Einwand, die Uhr manuell zu korrigieren, wurde von den Unparteiischen abgelehnt; exakt jene Sekunden haben am Ende gar zum »Dreier« gefehlt.

»Ich bin einfach brutal glücklich, dass wir nach dem Freitag-Spiel eine Reaktion gezeigt und das Spiel gewonnen haben. Das unterscheidet diese Mannschaft vielleicht vom Team aus dem Vorjahr. Jeder hat sich an die Vorgaben gehalten und bis zum Umfallen gekämpft«, sagt Andreas Pauli, der Bad Nauheim in Führung geschossen hatte.

Am Freitag in Freiburg hatten die Roten Teufel nach Verlängerung verloren; auf den ersten Blick ein wenig enttäuschend. Wieder war es knapp. Ein Auswärtstrauma will sich Petri Kujala, der Trainer, erst gar nicht einreden lassen, verweist auf die Resultate. Einem Sieg stehen hier zwar vier Niederlagen gegenüber; dreimal allerdings mit einer Differenz von nur einem Treffer. »Es ist ein schmaler Grat. Die Liga ist nunmal ausgeglichen, und jedes Spiel muss erst gespielt werden. Zu Hause klappt’s eben momentan etwas besser«, meint Krestan.

Zwischen Krestan und Pauli stürmte am Sonntag Eric Meland. Der Verteidiger schlüpfte in die Rolle von Mike McNamee, und Spötter behaupten mit einem Schmunzeln, dass man angesichts seiner ohnehin offensiven Spielweise nicht habe unterscheiden können, ob er als Stürmer oder Verteidiger eingesetzt werde; außer vielleicht durch seine Teilnahme am Bully. Am Morgen erst hatte der US-Boy von seiner neuen Rolle erfahren. »Ich habe in Lillehammar vor zwei Jahren schon mal als Stürmer ausgeholfen. Ich hab mich schnell wohlgefühlt«, sagt Meland, der mitunter unkonventionell agierte, aber als Marathon-Mann quasi überall auf dem Eis zu finden war. Bis zur Länderspielpause dürfte er wohl auf dieser Position bleiben. Mike McNamee fehlt in dieser Zeit aufgrund eines Muskelfaserbündelrisses, und nach der Rückkehr von Esa Lehikoinen - der Sechs-Wochen-Vertrag wurde wie angekündigt bis 8. November verlängert - stehen acht nominelle Abwehrspieler zur Verfügung; ein Überangebot. Neben Lehikoinen wird auch Maximilian Brandl am Dienstag wieder ins Training einsteigen.

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