EC Bad Nauheim

Mit Playoff-Potenzial und offenen Fragen

  • Michael Nickolaus
    VonMichael Nickolaus
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Schnell, motiviert, hungrig! Diese Attribute sollen den Kader des EC Bad Nauheim charakterisieren. Der Umbruch sei letztlich größer ausgefallen als geplant, räumt Petri Kujala, der Trainer, ein.

Die Roten Teufel, die in der letzten Saison den angestrebten zehnten Platz um Nuancen verfehlt hatten, planen auf dem Vorjahres-Level. Mit einem 2,5 Millionen-Budget. Dies setzt sich unter anderem aus 900 000 Euro an Sponsoren-Einnahmen, 700 000 Euro aus dem Ticketverkauf und 100 000 Euro aus dem Bereich Merchandising zusammen. Demgegenüber stehen unter anderem Ausgaben für den Kader (samt Trainer und Betreuer) in Höhe von 930 000 Euro.

Der Kader-Umbau ist umfangreicher als geplant ausgefallen. 14 neue Spieler sind zu integrieren. Auffallend: Die Roten Teufel setzen auf den Kontingentpositionen vorwiegend auf Nordamerikaner. Im Vorjahr waren die Badestädter zum ersten Mal nach 1978 ohne einen in Kanada geborenen Spieler in die Saison gestartet. Ein wesentliches Kriterium bei der Planung: »Wir haben keinen Spieler geholt, der mit einem DEL2-Vertrag zufrieden ist. Egal, ob Ausländer oder junge Deutsche: Bad Nauheim kann ein Sprungbrett sein«, sagt Kujala. Die Mannschaft habe das Zeug, einen Playoff-Platz zu erreichen. Und dann sei ohnehin alles möglich.

Tor: Die Roten Teufel setzen nach zwei Jahren mit Mikko Rämö nun auf eine deutsche Nummer eins. Felix Bick, die letztjährige Nummer zwei bei Kooperationspartner Düsseldorf, ist nach Bad Nauheim gewechselt. Dort kennt man den 24-Jährigen aus acht Einsätzen als Förderlizenzspieler der Spielzeit 15/16. Der junge Schlussmann genießt in der Wetterau eine sehr große Wertschätzung und muss nun zeigen, dass er in der DEL2 mit dem Druck, 40 und mehr Spiele zu bestreiten, umgehen kann. Jan Guryca, der Bick hätte entlasten können, hatte sich Anfang August am Kreuzband operieren lassen. Sein Ausfall wird durch ein Dreier-Konstrukt kompensiert. Nominelle Nummer zwei ist Ansgar Preuß, der vom Oberligisten Hannover gekommen ist. Zudem können Timo Herden (Düsseldorf) und Patrick Klein (Krefeld) eingesetzt werden.

Verteidigung: Die Schlüsselpositionen wurden neu besetzt. Kontingentspieler Joel Johansson sowie Marcus Götz haben Angebote ausgeschlagen und sich für einen Wechsel innerhalb der DEL2 entschieden. In ihre Fußstapfen treten Eric Meland (drei Klubs in drei Ländern während der vergangenen beiden Jahre) und Alexander Trivellato, ein aktueller italienischer Nationalspieler. Wie lange er den Roten Teufeln erhalten bleibt, ist angesichts einer DEL-Ausstiegsklausel noch offen. Der dritte Neue in der Abwehr heißt Daniel Stiefenhofer. Bad Nauheim könnte für den 24-Jährigen eine Durchgangsstation sein; das Potenzial für die DEL bringe er mit, heißt es. Aber: Stiefenhofer, der erstmals in der zweiten Liga unter Vertrag steht, hatte im Vorjahr auf Grund zweier aufeinanderfolgender Schulterverletzungen kein einziges Pflichtspiel bestreiten können. Daniel Ketter und Steve Slaton stehen für Erfahrung und solides Abwehr-Handwerk, dahinter wird Marc Kohl seinen Platz, den er an Marius Erk verloren hatte, zurück erkämpfen wollen. Mit Niklas Mannes, Johannes Huß und Garret Pruden stehen drei U-Nationalspieler per Förderlizenz zur Verfügung. Auf die Verletzung von Meland wurde mit der Verpflichtung von Esa Lehikoinen reagiert.

Angriff: Bad Nauheim geht mit drei offensiven Kontingentspielern in die Saison. Die drei Kanadier spielen allesamt ihre erste Saison in der DEL2. James Livingston (mehr als 400 AHL-Spiele) und Cody Sylvester (einst Iserlohn) kamen gemeinsam aus Dornbirn (EBEL), während Mike McNamee erstmals in Europa unter Vertrag steht. Mit dem Team Kanada holte der Mittelstürmer, der nach vier College-Jahren noch zwölf AHL-Partien bestritten hat, im Februar die Bronzemedaille bei der Universiade. Maximilian Brandl bringt Erfahrung aus mehr als 500 Zweitliga-Spielen (Ravensburg/Landshut) mit nach Bad Nauheim, wo man Noureddine Bettahar, die »Leihgabe« aus Iserlohn, noch aus Nachwuchsspielen kennt. Bettahar soll in Bad Nauheim Spielpraxis sammeln und im nächsten Jahr an den Seilersee zurückkehren. Zudem erhält U20-Nationalspieler Marvin Ratmann die Möglichkeit, sich drei Monate lang für einen Anschlussvertrag zu empfehlen. Die Routiniers Radek Krestan, Dusan Frosch und Harry Lange sind ebenso wie Andreas Pauli und Dominik Meisinger geblieben. Nach einem Jahr »Leihe« an Leipzig erhalten nun Niko Kolb und Maurice Keil die Möglichkeit, in Bad Nauheim den nächsten Entwicklungsschritt zu gehen.

Fazit: Die Playoff-Teilnahme ist das Ziel, und der Kader hat sicherlich das Potenzial, um Platz zehn mitzuspielen. Allerdings sind auch Fragen offen: Wie geht Felix Bick – auf die komplette Saison gesehen – mit der für ihn ungewohnten Rolle als Nummer-eins-Torwart in der DEL2 um? Wie lange kann mit Alexander Trivellato geplant werden? Wie werden sich die vier neuen Kontingentspieler (einer erstmals in Europa, zwei erstmals in Deutschland, alle Vier neu in der DEL2) behaupten? Werden Fragen wie diese überwiegend positiv beantwortet, könnte der EC Bad Nauheim im fünften Zweitliga-Jahr zum zweiten Mal die Playoffs erreichen.

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