Ende der Testphase

Mit Physis und Torriecher

  • Michael Nickolaus
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Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim hat die Saisonvorbereitung abgeschlossen. Doch: Wo stehen die Roten Teufel? Was lief gut? Wo sind Baustellen? Ein Resümee.

Die Resultate stimmen. Und die Eindrücke aus den acht Testspielen sind überwiegend positiv. Allerdings: In nur zwei von acht Partien hat sich der EC Bad Nauheim mit Mannschaften auf Augenhöhe; sprich anderen Eishockey-Zweitligisten, gemessen; und dies auch noch gleich zu Beginn. Welche Aussagekraft die anschließenden Erfolge gegen Top-Mannschaften der Oberliga wirklich haben und wo die Roten Teufel vor dem Hauptrunden-Start am Freitag (19.30 Uhr gegen Heilbronn) stehen, bleibt abzuwarten. Die Heimspiele gegen Duisburg (7:1) und Essen (8:2) waren beispielsweise bessere Trainingsspielchen. Auch das letzte Wochenende mit den abschließenden Spielen gegen Drittliga-Meister Tilburg (5:2/2:1) hatte am Ende keinen Härtetest-Charakter. Ab dem zweiten Drittel bot die Partie bis in die Schlussphase sehr viel Leerlauf. »Dennoch: Jeder Sieg ist gut für das Gefühl und Selbstvertrauen. Und in den Köpfen macht es schon einen Unterschied, ob wir noch spät das Siegtor erzielen oder nach Penaltyschießen verlieren«, sagt Petri Kujala, der Trainer.  

14 neue Spieler Grundsätzlich sei eine Vorbereitung nur schwer zu bewerten. Man wisse nie, welches Trainingspensum der Gegner gerade absolviert habe, in welchem Vorbereitungsstadium er sich befinde und ob taktisch experimentiert werde. Was der Coach sagen kann - und dies mit Überzeugung: »Wir haben in der Kabine eine Gruppe vernünftiger und von Natur aus positiver Typen.« Sage und schreibe 14 neue Spieler haben in der Kabine Platz genommen.  

Die Neuzugänge: Den erhofft starken Eindruck hat Cody Sylvester hinterlassen. Der Erste-Reihe-Mittelstürmer schlüpfte schnell in die ihm zugedachte Führungsrolle und präsentierte sich bislang torgefährlicher als sein Vorgänger Nick Dineen. Mit sechs Treffern war er der bislang erfolgreichste Torschütze. An seiner Seite wacht James Livingston. Der kantige Kanadier bringt die nötige Portion Härte und Aggressivität, scheint omnipräsent auf dem Eis und hat mit seiner Spielweise das Potenzial zum Publikumsliebling. Dahinter konnte Noureddine Bettahar seine Flügelposition in der zweiten Reihe rechtfertigen. Bettahar, quasi der Nachfolger von Eugen Alanov, bringt viel Geschwindigkeit und Physis ins Spiel. Zentral spielt Mike McNamee eine für einen Kontingentspieler noch vergleichsweise unauffällige Rolle.

Der Kanadier bringt gute Hände und Übersicht mit, kann scoren, aber das Spiel noch nicht an sich reißen, wie das von einem Kontingentspieler erwartet wird. Unerwartet torgefährlich hat sich Maximilian Brandl gezeigt. Fünf Treffer hat der junge Familienvater erzielt. Einen guten ersten Eindruck in der vierten Reihe hinterließ Marvin Ratmann, der U-Nationalspieler aus Köln. Nico Kolb und Maurice Keil werden nicht über die Rollen von Ergänzungsspielern wohl nicht hinauskommen.

Defensiv hat insbesondere Alex Trivellato, der italienische Nationalspieler, dem Spiel bereits seinen Stempel aufdrücken können und gibt mit seiner Erfahrung zugleich Daniel Stiefenhofer die Möglichkeit, nach einjähriger Wettkampfpause wieder Rhythmus und Timing zu finden. Eric Meland, als Top-Verteidiger verpflichtet, interpretiert seine Rolle äußerst offensiv; intern spricht man gerne schon mal vom »nordamerikanischen Joel Keussen«. Der heutige Krefelder, vor zwei Jahren im Dress der roten Teufel, war für seine offensive Ausflüge bekannt. Esa Lehikoinen, der bislang letzte Neue und als Meland-Ersatz (sechs Wochen Pause) verpflichtet, repräsentiert genau das Gegenteil. Sachlich, solide, unaufgeregt; bisweilen auch unauffällig.

Er ist die zwingend notwendige Unterstützung für die Defensive. Zwischen den Pfosten zeigt Felix Bick »genau das, was ich von ihm erwartet habe«, sagt Kujala, der in Ansgar Preuß auch einen zweiten Torwart gefunden hat.

Konkurrenzdruck

Was läuft gut? Die Offensive. Hier konnte - so scheint es - die Verantwortung endlich auf mehrere Schultern verteilt werden. 14 (!) Stürmer haben sich in der Vorbereitung die Treffer geteilt. Das Duo Sylvester/Livingston ist mit Dusan Frosch über jeden Zweifel erhaben. Dahinter dürften McNamee/Bettahar und Radek Krestan die Topreihe entlasten, wenn das Trio noch besser aufeinander abgestimmt ist. Und selbst die Reihen drei und vier konnten Torgefahr entwickeln. Ebenso auffällig: Die Roten Teufel legen ihr Brave-Buben-Image ab und halten auch physisch dagegen, wenn es einmal ruppig hat.

In einem großen Kader sind viele Positionen umkämpft, was den Konkurrenzkampf anheizt; erst recht, wenn DEL-Kooperationspartner Düsseldorf neben Leon Niederberger, der seine dritte Chance in Bad Nauheim nun unbedingt nutzen möchte, noch die Verteidiger Niklas Mannes und/oder Johannes Huß in die Wetterau schickt. Beim DEL-Start der Rheinländer am vergangenen Wochenende wurde zudem Lukas Laub, der letztjährige Frankfurter, nicht berücksichtigt. Der Stürmer kommt mit 23 Jahren für eine Förderlizenz theoretisch infrage.

Wo klemmt’s? Das Verhalten im Verteidigungsdrittel muss verbessert werden, und die Zahl der Gegentore ist mitunter zu hoch. Sieben Treffer in Heilbronn, sechs Treffer in Duisburg – das ist zu viel. »Gegen die Oberligisten war die Versuchung groß, zu viel zu wollen, statt den einfachen Weg zu wählen. Die Jungs wissen, dass das ab Freitag nicht funktionieren wird«, sagt Kujala. »Entscheidend ist, die erste Scheibe zu klären. Das ist uns gut gelungen. Danach haben wir es kompliziert gemacht.« Ohne Wettkampfpraxis sind die Powerplay-Formationen. Die nominell erste Überzahl-Reihe hat bislang nicht zusammen auf dem Eis gestanden.

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