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Große Tradition: Das Colonel-Knight-Stadion wurde 1946 gebaut und ist damit die älteste Spielstätte in der Deutschen Eishockey-Liga 2. Jetzt sind sich die Stadt Bad Nauheim und der Eishockey-Zweitligist aus der Wetterau einig, einen Neubau in eine multifunktionale Arena voranzutrieben. (Foto: Nici Merz)

EC Bad Nauheim

Neue Arena für die Roten Teufel? Der erste Schritt in die Zukunft des EC Bad Nauheim

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Die Stadt Bad Nauheim und ihr Eishockey-Klub sind sich einig: Profi-Sport hat im Colonel-Knight-Stadion keine Zukunft. Bald soll der EC seine Heimspiele deshalb in einer neuen Arena austragen.

Ein Penaltyschießen gegen Felix Bick. Doppelpässe mit dem ehemaligen NHL-Spieler Zach Hamill und Marcel Kahle. Ein Duell an der Torwand mit Radek Krestan. Eishockey-Zweitligist EC Bad Nauheim hat seine Werbepartner am Montagabend sprichwörtlich zu den Profis auf das Eis geholt und seinen Neujahrsempfang abermals akzentuiert. 130 der knapp 200 Sponsoren waren der Einladung gefolgt. "Das zeigt, dass die Marke EC Bad Nauheim zieht", sagte Martin Schröer, der Sprecher der Spielbetriebs GmbH, später bei der offiziellen Begrüßung im VIP-Raum.

EC Bad Nauheim: Bürgermeister Klaus Kreß hofft auf breite Unterstützung der Politik

Die zentrale Fragen: Welche Perspektiven hat der Eishockeysport in Bad Nauheim, da die Anforderungen an die Roten Teufel stetig wachsen? Ist der Bau einer seit Jahren immer wieder diskutierten Multifunktionsarena tatsächlich zu realisieren? Ist eine Sanierung des 1946 erbauten Colonel-Knight-Stadion, die rund acht Millionen kosten würde, eine sinnvolle Alternative? Oder steht Profi-Eishockey in Bad Nauheim in naher Zukunft vor dem Aus? Bürgermeister Klaus Kreß hat eine klare Meinung (lesen Sie hier das Statement des Bürgermeisters im Wortlaut) – und stieß bei den Werbepartnern auf offene Ohren. Kreß macht sich für einen Neubau stark, hat sich vor seinem klaren Bekenntnis einer politischen Unterstützung versichert. "Eishockey in Bad Nauheim ist ein Wirtschafts- und Imagefaktor. Diesen gilt es zu erhalten und auszubauen. Wenn die Stadt investiert - das muss sie aus meiner Sicht - dann in einen Standort, der wirklich zukunftsfähig ist und die Perspektiven verbessert."

Eishockey in Bad Nauheim ist ein Wirtschafts- und Imagefaktor. Diesen gilt es zu erhalten und auszubauen

Bürgermeister Klaus Kreß

Im Klartext: Die Stadt will den Weg für eine neue Spielstätte ebnen. Ein entsprechendes Grundstück soll noch im ersten Quartal 2019 im Flächennutzungsplan ausgewiesen werden. Erst im Anschluss könne die Suche nach einem Investor beginnen, können Gespräche mit der EU, dem Bund und dem Land hinsichtlich von Fördermitteln konkret verfolgt werden. Als Standort kommen zwei Grundstücke an der Stadtgrenze zu Friedberg infrage. Bis tatsächlich der erste Puck in einer neuen Arena fällt, dürften vier bis fünf Jahre vergehen.

EC Bad Nauheim: Geschäftsführer Andreas Ortwein bereits in Gesprächen

Das letzte vergleichbare Projekt an einem DEL 2-Standort wurde in Kaufbeuren realisiert. Rund 23 Millionen waren dort investiert worden; ohne eine zweite Eisfläche allerdings und ohne die Möglichkeit, diese Arena für nicht-sportliche Veranstaltungen zu nutzen. Nach der Entscheidung des Stadtrats waren bis zur Eröffnung der neuen Spielstätte im Allgäu dreieinhalb Jahre vergangen.

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"Wir wollen in Bad Nauheim professionellen Sport in der DEL 2, Nachwuchs-Eishockey auf höchstem Level und die Verbands-Konzepte zur Entwicklung von Eishockey-Deutschland mitgehen. Dazu bedarf es infrastrukturellen Rahmenbedingungen und neuen wirtschaftlichen Wegen", sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer der Spielbetriebs GmbH. Mit großer Beharrlichkeit hatte er in der Vergangenheit immer wieder auf die Bedürfnisse des Eishockey-Sports hingewiesen und war in den vergangenen Monaten tiefer in die Gespräche mit den ranghöchsten Politikern der Stadt eingestiegen, hatte aufgezeigt, dass der jetzige Standort vielfach an seine Grenzen stoße.

EC Bad Nauheim: Der Verein stößt im Colonel-Knight-Stadion permanent an Grenzen

Im Zuge der Wiedereinführung des Auf- und Abstieg zwischen DEL und DEL2 im Jahr 2021 sei zudem zeitnah eine Anpassung der Rahmenbedingungen für die Zweitligisten zu erwarten, weiß der Funktionär, der die Roten Teufel seit zehn Jahren an vorderster Front führt und auch in DEL 2-Gremien sitzt. "Wir benötigen mehr und mehr Technik, Büro- und Lagerflächen. All das ist am derzeitigen Standort nicht zu stemmen. Schon jetzt ist jeder Spieltag eine logistische Herausforderung."

Heute beginnt der Weg für die Zukunft des Bad Nauheimer Eishockey

Andreas Ortwein

Der Wunsch der Roten Teufel: eine multifunktionelle Arena mit rund 4500 Zuschauern (im umgekehrten Verhältnis von Steh- und Sitzplätzen zum derzeitigen Stadion), eine entsprechend verbesserte verkehrstechnische Anbindung, Infrastruktur und Parkplatzsituation sowie eine Trainingshalle. "Das ist ein gangbarer Weg", meint Ortwein nach Vorgesprächen an vielen Fronten. Nur so könne Bad Nauheim auch künftig auf der Landkarte der 28 deutschen Profi-Vereine zu finden sein. Mittlerweile beschäftige der EC Bad Nauheim, inklusive der neu gegründeten Catering-GmbH, fast 100 Angestellte, dazu kommen mehr als 40 ehrenamtlich Tätige.

EC Bad Nauheim: Finanzierung der neuen Arena soll auf mehreren Säulen ruhen

Die Finanzierung des Projekts solle auf mehreren Säulen stehen. Aus Beiträgen der Stadt, den Fördermitteln, den Sponsoren und Investoren. "Ich bin überzeugt, dass wir diese finden, wenn wir mit der Zukunftsfähigkeit des Projekts überzeugen können. Alleine ist ein solches Vorhaben nicht zu stemmen. Aber wir haben die Stadt mit im Boot. Heute beginnt der Weg für die Zukunft des Bad Nauheimer Eishockey", sagt Ortwein abschließend voller Überzeugung.

Meinung

Kommentar: Eine Chance für alle

Profi-Eishockey - das ist schon lange klar - hat im Colonel-Knight-Stadion keine Zukunft. Die Möglichkeiten sind erschöpft und ausgereizt. Das Stadion lockt die Traditionalisten unter den Fans sowie Liebhaber und Heimatverbundene unter den Werbepartnern. Der Konkurrenz hinkt der EC Bad Nauheim allerdings hinterher. Der Erfolg – die dritte Playoff-Teilnahme im sechsten Jahr nach dem Wiederaufstieg winkt – ist unter diesen Aspekten umso höher zu bewerten. Eine Acht-Millionen-Sanierung kann kurzfristig helfen. Auf den aktuellen sportlichen Level bietet es den Roten Teufeln aber keine Perspektive. Davon ist man inzwischen auch im Rathaus überzeugt, weiß um den Imagefaktor. Die Roten Teufel sind ein Begriff, eine Marke. Bundesweit. Die Herausforderung, dem Sport eine Perspektive zu schaffen, ist zugleich als Chance sehen; für die gesamte Region. Eine multifunktionale Arena an der Grenze von Bad Nauheim zu Friedberg schafft Anreize und bietet den Städten ganz neue Möglichkeiten in der Vermarktung. Vergleichbare Veranstaltungsorte findet man im Umkreis von 35 Kilometern nicht.

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