+
Radek Krestan vom EC Bad Nauheim ist für seinen Schlagschuss bekannt. Jason Bacashihua im Tor des Deggendorfer SC hat in dieser Szene allerdings freie Sicht. Vor seinem Kasten lauert Dennis Reimer auf einen Rebound. (Foto: Chuc)

EC Bad Nauheim

Der EC Bad Nauheim zwischen Euphorie und Realismus

  • schließen

Trotz des ersten Null-Punkte-Spiels seit zehn Spielen ist die Stimmung beim EC Bad Nauheim gut – zu Recht, denn das System passt. Das erlaubt neue Spielräume in der Planung.

Ein bisschen Normalität ist zurück. Niederlagen wie jene am Sonntag in Bietigheim (0:3), Spiele ohne Punktgewinn kennt man in Bad Nauheim ja kaum noch. Zuletzt in Heilbronn waren die Roten Teufel leer ausgegangen. Und das war Anfang Dezember 2018. Jetzt spielten die Hessen eine Serie mit 27 Punkten aus 30 Spielen, ein Höhenflug. Noch am Freitag im Heimspiel gegen Deggendorf (5:1) wurde in der Fankurve euphorisiert und berauscht so manches Liedchen auf den Titel in der Deutschen Eishockey-Liga 2 angestimmt, selbst Otto Keresztes, der Gäste-Trainer, war beeindruckt. "Wenn Ihr so weiterspielt, habt Ihr die Möglichkeit, die Meisterschaft zu gewinnen." Christof Kreutzer, der Coach der Roten Teufel, nahm’s mit einem Schmunzeln: "Immer ganz ruhig bleiben."

Immerhin! 62 Punkte nach nicht mal ganz drei Vierteln der Saison hatte Bad Nauheim nach dem Aufstieg bislang nur einmal gesammelt - in der Saison 2015/16; einen Zähler mehr. Das gibt Planungsmöglichkeiten, vertreibt bei 20 Zählern Vorsprung zu Platz elf frühzeitig Abstiegsängste, macht gute Laune und Hoffnung, erneut auf direktem Weg in die Playoffs einziehen zu können.

EC Bad Nauheim: Positive Stimmung, aber nicht so viele Zuschauer in der Kurstadt

"Es freut mich zu sehen, wie die Mannschaft das, was wir uns vornehmen, auch umsetzt. Die positive Stimmung haben wir uns erarbeitet, und es ist natürlich schön zu spüren, dass die Fans unsere Entwicklungsschritte sehen und spüren, dass das alles kein Zufall ist", sagt Kreutzer, der am Freitag zum ersten Mal selbst mit Sprechchören gefeiert worden war.

Rund 2300 Fans waren im Colonel-Knight-Stadion; gemessen an den jüngsten Darbietungen ist das wenig. "Ich kann nur an die Fans appellieren. Sagt es jedem: Hier in Nauheim wird gutes Eishockey gespielt, bringt jeden mit", hat am Freitag auch Kreutzer die Thematik aufgegriffen.

EC Bad Nauheim: Die erste Niederlage seit Langem reißt das Team nicht um

Selbst den Top-Klubs der DEL 2 ist seine Mannschaft in den letzten Tagen und Wochen auf Augenhöhe begegnet. Ravensburg, Frankfurt und Lausitz wurden geschlagen; und beim Meister in Bietigheim haben trotz der Niederlage die positiven Eindrücke überwogen. Kompakt in der Abwehr, mit Akzenten im Angriff, bärenstark in Unterzahl, aber eben nicht zwingend und effizient im Abschluss. Kreutzer betrachtet die jüngste Entwicklung als Folge "intensiver Arbeit. Die Jungs haben sich das verdient." Die Niederlage beim Meister wird Bad Nauheim nicht vom Kurs abbringen.

Die "Eishockey News" widmet dem Höhenflug in ihrer aktuellen Ausgabe sogar eine Doppelseite. "Wir haben vor der Saison einen neuen Trainer und einige neue Spieler bekommen. Es hat etwas gedauert, bis wir alle das neue System draufhatten. Mittlerweile spielen wir als Team. Wir haben keine Selbstdarsteller. Und wenn man in dieser Liga als Team spielt, dann gewinnt man auch Spiele", sagt Cody Sylvester, der mit 16 Treffern erfolgreichste Torschütze in einem Interview mit der Fachzeitschrift. Dazu kommt der Titel von Torhüter Felix Bick zum DEL2-Spieler des Monats Dezember.

EC Bad Nauheim: Die Personalplanungen für die kommende Saison laufen schon

Die komfortable Tabellensituation erlaubt nun den frühzeitig gesicherten Blick über den Tellerrand der Saison hinaus. Wer soll unbedingt bleiben? Wer muss sich noch steigern? Wer hat sich in den Fokus anderer Klubs gespielt? Intern sind Tendenzen mit Spielern und Beratern längst ausgesprochen. Mit Blick auf die heiße Saisonphase ist auch vor dem Transferschluss am 15. Februar mit personellen Aktivitäten zu rechnen. Gerüchte geistern diesbezüglich schon seit Tagen durch den Kurpark. "Natürlich: Wir schauen uns den Markt nach unseren wirtschaftlichen Möglichkeiten an. Wenn wir personell was machen, muss uns das aber weiterbringen und darf uns nicht nur ergänzen", sagt Kreutzer, der über die Hauptrunde hinaus nach aktuellem Stand nicht mit Feldspieler-Unterstützung von Kooperationspartner Düsseldorf rechnen kann. Johannes Huß wird nicht auf die erforderlichen 20 DEL2-Saisoneinsätze kommen, bei Stefan Reiter (derzeit acht Spiele bei noch 15 ausstehenden Partien) darf nicht mehr viel dazwischenkommen.

Alternativ könnten beide Spieler auch offiziell in die Wetterau transferiert werden, würden dann wiederum dem DEL-Klub nicht zur Verfügung stehen. Eine eher unpraktikable Option. Immerhin: Hendrik Hane, der Torwart, hat seine 300 Minuten Eiszeit absolviert, ist spielberechtigt.

Bis Mitte Februar können die Zweitligisten ihren Kader verändern, müssen taktieren. Vorentscheidungen in der DEL-Playoff-Ticketvergabe – abgeschlagene Klubs werden ihren Etat entlasten wollen – werden wie im Vorjahr die Transferpolitik beeinflussen. Neben einem guten Netzwerk ist jetzt also auch Geduld gefragt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare