Enttäuscht: Die Roten Teufel (hier Daniel Ketter und Torwart Philipp Maurer) haben fünf der letzten sechs Spiele verloren. Alleine in den letzten beiden Partien gab es 15 Gegentore.
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Enttäuscht: Die Roten Teufel (hier Daniel Ketter und Torwart Philipp Maurer) haben fünf der letzten sechs Spiele verloren. Alleine in den letzten beiden Partien gab es 15 Gegentore.

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Wenn Ausnahmen zur Regel werden

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Fünf (zumeist) deutliche Niederlagen aus den letzten sechs Spielen sorgen für Enttäuschung beim EC Bad Nauheim. Hier gibt’s die Hintergründe der Gegentorflut.

Acht Gegentore in Freiburg, jeweils sieben Gegentreffer in Bad Tölz und in Bayreuth - und jetzt, am Montag, noch deren acht gegen Kassel. In einem Derby! Und auch noch zu Hause! Die höchste DEL 2-Heimniederlage ergänzt eine schon vor dem Spiel in Landshut (Mittwoch, 19.30 Uhr) desaströse Dezember-Bilanz. Die sogenannten Ausnahmen sind inzwischen zur Regel geworden. Enttäuschung und Unverständnis begleiten den EC Bad Nauheim angesichts der Niederlagen- und Gegentorflut vorm Jahreswechsel - und nur eine Woche nach dem 6:0-Erfolg gegen den damaligen Tabellenführer Ravensburg und nach zuvor sieben Siegen aus sieben Heimspielen.

»Wir dürfen uns nicht von den reinen Ergebnissen leiten lassen; weder nach Siegen, noch nach Niederlagen«, sagt Matthias Baldys nach fünf (zumeist deutlichen) Pleiten aus den letzten sechs Spielen sachlich nüchtern. Der Sportliche Leiter spricht von »besseren und vorsichtigeren Entscheidungen, die auf dem Eis getroffen werden müssen«, und zugleich einer »emotionalen Mitte«, die in der Analyse zu finden sei; sicher nicht einfach bei einem von großer Leidenschaft geprägten Umfeld, das die Roten Teufel zugleich auszeichnet.

EC Bad Nauheim: Harsche Kritik in den Sozialen Netzwerken

Das 0:8 vom Montagabend steht für eine Demütigung von von DEL2-historischer Dimension. Seit dem Aufstieg 2013 ist der EC Bad Nauheim im Colonel-Knight-Stadion nicht so vorgeführt worden, entsprechend hagelt es Kritik in den sozialen Netzwerken. »Ja, die Niederlage hat schon in der Seele weh getan. Kassel ist regelrecht übers Eis geflogen«, sagt Geschäftsleiter Dag Heydecker. Isoliert auf die vergangenen rund 90 Spielminuten in Bayreuth und gegen Kassel betrachtet weist der Tabellenfünfte eine sportliche Horror-Bilanz von 0:15 Gegentoren auf. Inzwischen hat kein anders Team mehr Gegentore kassiert als Bad Nauheim.

Baustellen zeigen sich also vor beiden Toren. So ist die Mannschaft von Hannu Järvenpää in zwei der letzten vier Spiele ohne eigenen Treffer geblieben, erzielte in den vergangen sechs Partien nur einmal mehr als zwei Tore, lässt die Gier und die Galligkeit vermissen. Trotzdem finden sich mit Cason Hohmann, Jamie Arniel und Andreas Pauli drei Spieler unter den Top-Ten-Scorern der Liga.

EC Bad Nauheim: Aktuell fehlen Beweglichkeit, Elan und Substanz

Die Gründe der aktuellen Lage sind vielschichtig. Da ist der begeisternde Auftakt, schon beginnend mit dem Testspiel-Erfolg gegen DEL-Klub Berlin, über Siege gegen Bietigheim, Heilbronn und Frankfurt, Overtime-Erfolgen in Kassel und Dresden, die zusammen mit spielstarken Auftritten der Kontingentspieler die Erwartungen erhöht hatten. Da sind aber die zahlreichen Ausfälle, die - über Wochen betrachtet - doch nicht so leicht zu kompensieren sind, wie das erhofft worden war; gerade in der Abwehr. Ohne die U20-WM-Fahrer Simon Gnyp und Maxi Glötzl, ohne Shootingstar Jan Luca Sennhenn (am Dienstag im DEL-Kader von Köln), ohne Huba Sekesi (Comeback in der zweiten Januar-Hälfte) und zuletzt auch Tomas Schmidt (Rückkehr nicht vor 10. Januar) fehlt es an Substanz, an Elan, Beweglichkeit und Stabilität und zunehmend auch an körperlicher und geistiger Frische, was die Fehlerquote in einem nicht zu kompensieren Maß erhöht.

»Trainer-Team, Sportliche Leitung und Geschäftsführung sind lange genug dabei, um die Ups und Downs einer Saison einschätzen zu können«, sagt Andreas Ortwein, der Geschäftsführer. »Klar, so Spiele wie Kassel will keiner sehen. Mit so vielen Fehlern kannst du kein Spiel gewinnen, nicht gegen den Tabellenletzten und schon gar nicht gegen das momentane Nonplusultra der Liga.«

EC Bad Nauheim will Stabilität gewinnen

Die spielerische Lösung in der eigenen Zone, das laufintensive, aggressive Spiel, das überfallartige Kontern, das Aufrücken der Verteidiger sind Teil der Kader-DNA 20/21, die durch Ausfälle empfindlich attackiert wurde. Stabilität gewinnen, wie die Mannschaft dies noch kürzlich in Bietigheim (0:1) und gegen Ravensburg (6:0) gezeigt hatte, irgendwie durch die nächsten 14 Tage kommen, muss jetzt das Ziel sein. »Der Kader - hat, wenn wir die Jungs wieder beisammen haben - die Substanz, für einen Playoff-Rang. Davon sind wir überzeugt, und wir haben jetzt noch 36 Spiele, um auf die wohl nötigen rund 80 Punkte zu kommen (aktuell 25/Anm. d. Red.)«, sagt Ortwein. »Wir waren zu Saisonbeginn nicht blauäugig, und wir sind es auch jetzt nicht.«

Zur Landshut-Fahrt wird mit der Rückkehr von Sennhenn gerechnet. Ob Freddy Cabana, dessen Comeback kurz vor Ablauf des zweiten Abschnitts bereits beendet war, wieder auflaufen kann, ist noch fraglich.

Wie der EC Bad Nauheim auf den positiven Corona-Test von Tomas Schmidt reagiert

Positiv! Am Montagnachmittag hat der EC Bad Nauheim das Resultat des PCR-Tests von Verteidiger Tomas Schmidt veröffentlicht. Der 31-Jährige hatte nach den trainingsfreien Weihnachtstagen Symptome gemeldet, war am Samstag erst gar nicht mit nach Bayreuth gefahren und befindet sich in Quarantäne.

Bereits beim Spiel in Bad Tölz rund eine Woche zuvor hatte der Deutsch-Tscheche angeschlagen gewirkt. In der Kabine hat das Test-Ergebnis nun für Verunsicherung gesorgt. Am Montag haben die Roten Teufel deshalb Mannschaft, Trainer- und Betreuerstab auch PCR-Tests unterzogen (in der DEL2 wird üblicherweise nur symptom-bezogen getestet). Die Rückmeldungen bis Redaktionsschluss waren ausschließlich negativ.

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