Colin Ugbekile aus dem erweiterten Kreis der Nationalmannschaft ist am vergangenen Freitag für den EC Bad Nauheim in Freiburg aufgelaufen. FOTO: KELLER

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EC Bad Nauheim: Warum die Roten Teufel keinen DEL-Profi ausleihen wollen

  • Michael Nickolaus
    vonMichael Nickolaus
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Moritz Müller spielt für Kassel, Patrick Reimer für Kaufbeuren. Beim EC Bad Nauheim ist man sich einig, keinen DEL-Profi für nur kurze Zeit ausleihen zu wollen. Das hat gute Gründe.

In der Deutschen Eishockey-Liga gibt es nach der zweiten Verschiebung des Saisonstarts eine Abwanderungswelle von Spielern Richtung Ausland, DEL2 oder gar Oberliga. Die Profis lassen sich zeitweilig verleihen, um endlich wieder Eishockey spielen zu können. Prominente Beispiele von Moritz Müller (von Köln nach Kassel) und Patrick Reimer (von Nürnberg nach Kaufbeuren)

In Bad Nauheim hatten die Roten Teufel am vergangenen Freitag unter anderem mit Colin Ugbekile auf dem Spielberichtsbogen für die Partie in Freiburg überrascht. Der 21-jährige Verteidiger - beim DEL-Kooperationspartner Köln unter Vertrag - zählt aktuell immerhin zum Kreis der deutschen Nationalmannschaft. Eine Verpflichtung, so versichern die Funktionäre am Kurpark unisono, sei kein Thema.

"Wir haben unseren Kader ja nicht ohne Grund so zusammengestellt, wie er ist. Unsere Jungs machen bislang allesamt einen guten Eindruck, und wir vertrauen ihnen. Der Kader hat derzeit die nötige Tiefe. Eine Verpflichtung oder Leihe wäre das falsche Signal an die Mannschaft, die bislang mitgezogen hat, und auch gegenüber den Angestellten des Klubs nicht vertretbar, nachdem diese in den vergangenen Monaten mit wirtschaftlichen Einschränkungen hatten leben müssen", sagt der Sportliche Leiter Matthias Baldys. Zusammen mit Andreas Ortwein und Dag Heydecker als Geschäftsleitung sowie dem Trainer-Duo Hannu Järvenpää und Harry Lange war diese Entscheidung getroffen worden. "Da gab es überhaupt keine zwei Meinungen", sagt Heydecker.

Ugbekile habe ebenso wie Mick Köhler (im Vorjahr 29 Spiele per Förderlizenz für Bad Nauheim) sowie der 19-jährige Marcel Barinka auf Wunsch der Haie in der Wetterau Trainings- und Wettkampfpraxis sammeln sollen, da aktuell in Köln kein geregeltet Betrieb gegeben ist. Järvenpää/Lange hatten zwischenzeitlich neun Verteidiger und 15 Stürmer anzuleiten.

Heydecker hatte während seiner Jahre bei den Adler Mannheim unter anderem den NHL-Lockdown und die Verpflichtung vom damaligen deutschen Top-Stars Jochen Hecht durch die Kurpfälzer erlebt und kann aus dieser Erfahrung Vergleiche ziehen. "Jochen hat die Mannschaft einen großen Schritt nach vorne gebracht, keine Frage Allerdings wussten wir auch, dass er uns die komplette Saison zur Verfügung stehen wird. Und das in seiner Heimatstadt. Hier in Bad Nauheim wäre ein solches Handeln unfair gegenüber den Spielern, denen wir vertrauen und würde auch die Atmosphäre durcheinanderbringen, wenn plötzlich die finanziellen Mittel da wären, um für einen überschaubaren Zeitraum einen Spieler zu verpflichten, von dem jeder in der Kabine weiß, dass das Gehalt üblicherweise deutlich über dem DEL2-Level liegt", sagt der neue Geschäftsleiter der Roten Teufel. "So viele Trikots könnten wir zur Refinanzierung überhaupt nicht verkaufen. Der Sinn einer temporären Verpflichtung für Bad Nauheim erschließt sich mir nicht. Zudem sollte man aufgrund der augenblicklichen Lage mit höchster finanzieller Vorsicht agieren. "

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