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Trainer Christof Kreutzer (vorne) wird den EC Bad Nauheim verlassen. Seinem Assistenten Harry Lange liegt ein Angebot des EC Bad Nauheim zur Vertragsverlängerung vor. FOTO: CHUC

EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Das waren die Themen beim Fantreffen

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Der EC Bad Nauheim hat sich vor dem Pre-Playoff-Start transparent und selbstkritisch gezeigt. Kooperation, Winter-Derby, die Dresden-Serie und die Trainer-Frage standen im Fokus.

Rundumschlag bei den Roten Teufeln: Am Dienstag kam auf den Tisch, was die Fans des Eishockey-Zweitligisten EC Bad Nauheim vor dem Pre-Playoff-Start am Freitag (19.30 Uhr) gegen die Dresdner Eislöwen beschäftigt. Im VIP-Raum im Colonel-Knight-Stadion standen Geschäftsführer Andreas Ortwein, Assistenz-Trainer Harry Lange, Kapitän Marc El-Sayed und Förderlizenzspieler Dani Bindels den Anhängern Rede und Antwort. Die Palette der Themen reichte von den Chancen in der anstehenden Serie über die Personalpolitik, das Winter-Derby und die Trainer-Frage bis hin zur künftigen Kooperation mit DEL-Klub Köln. - Die wichtigsten Aussagen im Überblick:

Das Hauptrunden-Resümee: Andreas Ortwein spricht vom "Fluch des Erfolges", der Bad Nauheim nach zwei Viertelfinal-Teilnahmen und dem vielversprechenden Saisonstart eingeholt habe. "Wir alle stehen unter dem Eindruck der aktuellen Entwicklung. Aber Platz sieben ist doch für uns keine Schande." Sehr viel spiele sich im Kopf ab, räumt Marc El-Sayed ein. "Wir haben anfangs sehr viele Spiele knapp gewonnen. Das hatte Selbstvertrauen gegeben. Jetzt verlieren wir diese Spiele und müssen einen Weg finden, uns das Vertrauen wieder zu erarbeiten."

Die Serie gegen Dresden:"Jetzt zählen nur Wille, Herz und Leidenschaft. Wir werden diese Serie nur gewinnen, wenn unsere besten Spieler zugleich die besten Spieler auf dem Eis sind. Das war zuletzt nicht so", sagt Harry Lange. Insbesondere den Vergleich auf den Ausländerpositionen hatte Bad Nauheim im letzten Saisonviertel regelmäßig verloren. "Ich verstehe die Kritik, und wir sind auch nicht glücklich, wie es zuletzt gelaufen ist. Das war zu wenig. Aber keiner spielt absichtlich schlecht oder schießt vorbei. Eishockey ist unser Beruf. Da geht es auch um Job, Zukunft, Verträge und Familie. Und allein schon aus diesem Grund denkt da jeder auch ein Stück weit auch an sich selbst", meint El-Sayed. Spielerisch werde es vielleicht nicht schön sein. Aber um die Moral und die Einstellung müsse sich niemand Gedanken machen. "Klar ist: Gegen Dresden muss es scheppern. Wenn das gelingt, spielen wir nächste Woche gegen Kassel. Wenn nicht, dann ist Feierabend", macht Lange deutlich, was er und Trainer Christof Kreutzer erwarten.

Die Transferpolitik während der Saison:Die Abgänge von Daniel Stiefenhofer und Manuel Strodel, von zwei gestandenen deutschen Spielern, wurden nicht adäquat ersetzt. Iserlohn, Krefeld, Schwenningen - "wir haben alles versucht. Aber, die Spieler, die infrage gekommen sind, wollten eben einfach nicht in die zweite Liga wechseln. Und wir wollten in Qualität investieren, nicht in Quantität", berichtet Ortwein aus den Tagen vor Transferschluss.

Die Entwicklung des Standorts und die künftige Konkurrenzfähigkeit in der DEL2:Man erziele Fortschritte, kontert Ortwein den Vorwurf der Stagnation; allerdings nicht in der Größenordnung, um mit anderen Klubs mithalten zu können. Investoren, die mal eben in Tölz oder Heilbronn Geld zuschießen (von einer Million beziehungsweise 500 000 Euro ist dort die Rede), gebe es in Bad Nauheim nicht. "Und dann ist es trotz positiver Entwicklung schwer, mitzuhalten", sagt Ortwein, der von einem Wachstum im Sponsoringbereich um zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr (jetzt: 1,15 Millionen Euro) berichtet, zugleich aber auch von stetig steigenden Kosten, teils standortspezifisch. 30 000 Euro seien allein in dieser Saison in das Stadion investiert worden, sagt Ortwein. Es sei angesichts der strukturellen Voraussetzungen nicht leicht, neue Sponsoren zu gewinnen. "Wir haben zu jedem Spiel Interessenten hier. Aber wenn es von der Decke tropft, kaum Parkplätze zur Verfügung stehen und die Scheiben beschlagen - dann macht’s das nicht einfacher. Wenn einer jemanden kennt, der eine gerne eine Viertelmillion mitbringt, werden wir sicher einen Platz in unserer Mitte für ihn finden", sagt Ortwein, wohlwissend, dass solche Partner von Klubs der gesamten Region gesucht werden; und dies seit Jahren.

Die Winter-Derby-Abrechnung:Zuletzt hatten Gerüchte von einem Zuschussgeschäft die Runde gemacht. Man habe schwarze Zahlen geschrieben, berichtete der Geschäftsführer nun, ohne allerdings eine konkrete Zahl nennen zu wollen. "Der Gewinn ist nicht in der Höhe erreicht worden, wie wir das erwartet hatten, weil der Gegner nicht mitgespielt hat wie erwartet."

Die Trainer-Frage:Man habe den Kreis der Kandidaten auf inzwischen zwei, drei Namen eingegrenzt, führe Gespräche. "Je früher wir um Abschluss kommen, umso besser", sagt Ortwein. Assistenz-Coach Lange habe ein Angebot erhalten. "Matthias Baldys und er sollen unsere Konstanten sein. Dazu suchen wir das passende Puzzlestück", sagt Ortwein. Allerdings sei auch nicht jeder Kandidat aufgrund des laufenden Spielbetriebs jederzeit für Gespräche verfügbar. Natürlich gebe es auch Überlegungen, Lange die Verantwortung zu übertragen. Er selbst traue sich dies zu, sagte Lange am Dienstag.

Die Kooperation mit Köln: Die Zusammenarbeit soll fortgesetzt werden. Angesichts der personellen Wechsel beim DEL-Klub (erst wurde Sportdirektor Mark Mahon, dann Trainer Mike Stewart suspendiert) seien die Gespräche zwischenzeitlich etwas ins Stocken geraten. Man hoffe, in "zwei, drei Wochen" die Verträge mit Haie-Geschäftsführer Philipp Walter und -Trainer Uwe Krupp unterschreiben zu können. Die Kosten für die Roten Teufel beziffert Ortwein auf rund 70 000 bis 80 000 Euro pro Saison. Bad Nauheim stelle zwei Wohnungen, vier Fahrzeuge und trage die Materialkosten. Die Gehälter werden von Köln übernommen.

Der künftige Kader:Hier kam Matthias Baldys ins Spiel. Der Sportliche Leiter hatte sich am Abend unter Fans gemischt und konnte eine These ausräumen. "Kein Fan muss sich Gedanken machen, dass ein Spieler vielleicht mit dem Kopf schon irgendwo anders ist. Wir haben diesbezüglich mit allen Spielern gesprochen." Klar sei aber auch: Angesichts der künftigen Zahl an Ü24- und U24-Lizenzen "müssen wir unsere Hausaufgaben noch besser machen". Und dazu sei Geduld erforderlich.

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