EC Bad Nauheim

EC Bad Nauheim: Viel Spaß auf Wolke sieben

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Der EC Bad Nauheim rockt die Deutsche Eishockey-Liga 2, genießt Glücksmomente und setzt ungewöhnliche Bestmarken.

Bad Nauheim verneigt sich vor den Roten Teufeln. Binnen zehn Tagen hat der Eishockey-Zweitligist aus der Wetterau mit Weißwasser, Ravensburg und Frankfurt, die Top-Drei der Tabelle, bezwungen und ist zum ersten Mal in dieser Saison auf Platz fünf im Klassement geklettert. "Siege machen immer Spaß. Das wollen wir natürlich noch ein bisschen genießen", sagt Andrej Bires, der Doppeltorschütze vom Sonntag, nach einer Serie von nunmehr 33 Zählern aus den letzten 14 Spielen (Liga-Bestwert!). Auf 20 Punkte ist der Vorsprung auf Playdown-Rang elf inzwischen angewachsen. Das schafft Glücksmomente, lässt von Playoff-Serien träumen und gibt zunehmend Planungssicherheit.

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Am Freitag, nach dem Sieg gegen Ravensburg, wurde auf dem Eis Arm und Arm zum "EC Nauheim"-Walzer geschunkelt, am Sonntag hatten die Profisportler zum Foto mit dem obligatorischen "Derbysieger"-Banner ihre Fans im Rücken; symbolisch für den abermals tollen Eishockey-Abend. Die Roten Teufel machen mit ihrem Auftreten derzeit Spaß, sie haben einen Lauf, sind immer für eine Überraschung gut. "Wir haben aktuell einfach das Vertrauen in unser Spiel und wissen, dass wir über die Teamleistung Partien auch noch drehen können", sagt Felix Bick, der Torwart.

EC Bad Nauheim: Emotionale Rückkehr für Felix Bick

Der 26-Jährige war sechs Wochen nach seiner Rückkehr nach in die Wetterau erwartungsgemäß mit Pfiffen in der ausverkauften Eissporthalle am Ratsweg empfangen worden und bewahrte trotz des frühen Gegentreffers kühlen Kopf bei warmen Temperaturen. "Damit musste ich rechnen. Und Emotionen gehören zum Derby dazu. Wir freuen uns über zwei Punkte. Mit ein bisschen Glück hätten es auch drei Zähler sein können."

Nach dem 19. Vergleich zwischen Teufeln und Löwen in der DEL2-Historie haben die Wetterauer das Eis zum zwölften Mal als Sieger verlassen. "Bad Nauheim hat verdient gewonnen", räumte Frankfurts Kapitän Adam Mitchell ein, und auch dessen Trainer Matti Tiilikainen urteilte: "Wir haben hart gekämpft. Aber der letzte Biss hat gefehlt."

EC Bad Nauheim: Unterzahlspiel ein Phänomen

Die Roten Teufel sind aktuell der DEL2-Klub der Superlative; der Bestmarken. Beispiele gefällig?! Kein anderer Verein hat seit Anfang Dezember mehr Punkte geholt. Die Listen der erfolgreichsten DEL2-Über- beziehungsweise Unterzahl-Torschützen werden von Daniel Stiefenhofer (elf Tore) beziehungsweise Dustin Sylvester (fünf Tore) angeführt. Keine andere Mannschaft ist im bisherigen Saisonverlauf effektiver im Powerplay als Bad Nauheim (25,9 Prozent), kein anderes Team hat in den vergangenen Wochen bei eigener Unterzahl mehr Treffer erzielt als kassiert (fünf Tore, zwei Gegentore in den letzten 14 Spielen). Kein Torwart ist öfter ohne Gegentreffer geblieben als Bick (dreimal zu Null), der zudem den besten Gegentorschnitt aller DEL2-Torhüter mit mehr als 1200 Einsatzminuten aufweist. Zahlen und Werte, die man aus den fünf Zweitliga-Jahren nach dem Aufstieg 2013 so nicht gewohnt ist. Zum Vergleich: Die Mannschaft hat zwölf Punkte mehr auf dem Konto als vor zwölf Monaten, gar 14 mehr als vor zwei Jahren. Sie schwebt auf Wolke sieben, als aufgrund zahlreicher Ausfälle ein sportlicher Einbruch zu prognostizieren war. Man sei durch die Ausfälle zusammengerückt, sagt Daniel Stiefenhofer, einer von derzeit nur fünf Verteidigern.

EC Bad Nauheim: James Livingston der Leidtragende

Förderlizenzspieler Johannes Huß, den man in Bad Nauheim aktuell sehr gut gebrauchen könnte, kommt bei Kooperationspartner Düsseldorf derzeit zu Kurzeinsätzen, wird immer mal in die Rotation eingebunden. Am Sonntag, beim DEG-Gastspiel in Augsburg, kam Huß allerdings nur auf 1:06 Minuten Eiszeit, zumeist darf er rund vier bis sechs Minuten DEL-Spielpraxis pro Partie sammeln. Leidtragender der personellen Konstellation ist bei den Roten Teufeln James Livingston. Der Kanadier sitzt auf der Tribüne, da offensiv die Sylvester-Brüder Dustin und Cody sowie Zach Hamill dank ihrer Führungsrollen und starken Leistungen gesetzt sind und jeder Verteidiger, wie Kontingentspieler Mike Dalhuisen, gebraucht wird.

Die Roten Teufel trotzen ihren Engpässen. Mehr und mehr greift das System von Trainer Christof Kreutzer. In der Defensivzone gelingt es, mit cleverem Taktieren, den Gegner außen an der Bande zu halten und die klaren Torchancen auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Nach vorne wiederum schaffen sich die Roten Teufel in Breaks immer wieder Überzahl-Situationen, sind brandgefährlich. "Wenn wir hinten keine Fehler machen, haben wir immer die Möglichkeit, ein Spiel zu gewinnen. Vorne bekommen wir dank unserer Kreativität immer unsere Chancen", sagt Bires. Wohin der Weg führt? "So weit wie möglich nach oben."

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